Stichwort #idpet.
Eine Petition über eine gewissermaßen konservative Neuausrichtung des Lehrplans in Baden Württemberg, u.a. mit Fokus auf Sexualerziehung.
Die Petition war offenbar erfolgreich, und die Landesregierung debattiert darüber.
Auf Twitter wird von einem “reaktionären Mob” gesprochen.

Stichwort #acta.
Anfang 2012 durch die Masse Protestaktionen, Demos, Petitionen. Mit erfolg. Man debattierte darüber, und hat es schließlich ausgesetzt. Auf Twitter wird von einem “Sieg des Volkes” gesprochen.

Erkennt noch jemand die Bigotterie? In beiden Fällen ist es der Wille des Volkes (des selben Volkes), der hier durchgesetzt wird. Wieso ist es in einem Fall okay, im anderen Fall nicht?

Ich erinnere mich an einen Vortrag von Thomas Jarzombek, CDU, den er im Herbst 2012 an meiner Uni hielt. Tenor: Ja, Netzpolitik sei wichtig, man könne sich aber nicht ausschließlich auf das Geschrei einiger weniger Lauter beschränken.

So langsam verstehe ich, was ein gewisser FDP-Repräsentant damals mit der “Tyrannei der Masse” meinte. Nicht: Der Wille des Volkes, sondern das laute Geschrei einiger weniger, die behaupten, fürs Volk sprechen zu können.

Ganz ehrlich: Wenn #idpet erfolgreich war, und wenn die CDU als Regierungspartei gewählt wird, dann ist DAS der Wille des Volkes, und nicht das Geschrei einiger weniger Andersdenkender. Denn das ist Demokratie, und so funktioniert das nunmal.

Just saying.
Btw, diesen Post habe ich auf meinem Handy getippt. Bitte entschuldigt eventuelle Tippfehler. ;)

9. April 2014 | | Allgemein | Leave a comment

Letztens ließen wir Freddy, unsere damals noch allein lebende Ratte mal wieder auf dem Sofa laufen. Ich wollte immer schon mal testen, wie es so ist, Tiere zu fotografieren, und habe schnell die Kamera ausgepackt. Und ich kann sagen: Es ist gar nicht so einfach. Stillhalten tun sie ja nicht wirklich, aber immerhin hat der Blitz nicht so wirklich gestört. ;)

7. April 2014 | | Photography | 3 comments

Seit ziemlich genau 18 Monaten besitze ich ein iPad mit 3G-Unterstützung. Das mobile Internet wird mir von Vodafone bereit gestellt, und so zahle ich für 5GB Internet sowie die Finanzierung des iPads um die 30€ pro Monat.
Dies war bis jetzt immer relativ konstant, daher wunderte es mich umso mehr, dass die letzte Rechnung von Vodafone auf einmal 45€ betragen sollte. Ausgewiesen waren weiterhin die 30€ für den Vertrag, sowie 15€ für “Zusatzleistungen Mobiles Bezahlen”. Ich wurde stutzig, da ich mich nicht erinnern konnte, solch eine Zusatzleistung in Anspruch genommen zu haben, bzw. noch nicht einmal wusste, was dieses Mobile Bezahlen überhaupt ist.

Eine kurze Recherche brachte mich zu der Erkenntnis, dass dieser Dienst vergleichbar ist mit den bekannten Jamba-Sparabos (gibt’s die eigentlich noch?). Der Kunde schließt über sein mobiles Endgerät ein Abo mit einem Anbieter ab, und dieser lässt die Abrechnung dann über den Provider ausführen.

Soweit so gut. Allerdings war mir immer noch schleierhaft, wieso ich jetzt da irgendwie reingerutscht bin, und wieso ich da jetzt bezahlen sollte. Beim Durchstöbern meines “Mein Vodafone” Kundenbereichs erfuhr ich, dass auf meine Nummer ein Dienst namens “FREEGIRLS” der net mobile AG gebucht war, der angeblich seit dem 4. Februar um 03:26 Uhr morgens aktiv war. Dies kam mir spanisch vor, da ich momentan gegen 8 Uhr im Büro zu sein habe, und um 03:26 Uhr geschlafen habe. Glücklicherweise war ich mit dem Problem nicht allein, im Vodafone Kundenforum gibt es bereits diesen Thread über ähnliche Abofallen/Abo-Abzocke, samt Kontaktdaten der Dienstprovider und Musterschreiben zum Widerspruch.

Ich habe also das erste Musterschreiben an die net mobile AG geschickt, und war gespannt, was die ganze Geschichte ergeben würde. Weiterhin habe ich ein Formular an Vodafone gefaxt, womit ich den Mobiles Bezahlen Dienst, der bei neuen Verträgen wohl implizit aktiviert ist, deaktiviert habe.

Gestern Abend erhielt ich eine Antwort der net mobile AG, nämlich dass sie nur ein Zahlungsprovider seien, und der echte Dienstprovider eine Mobiletrend GmbH sei. Weiterhin hieß es, dass der Vertrag sowieso rechtskräftig sei, und mir mit einer SMS bestätigt wurde, und dass die Widerspruchszeit laut Fernabsatzrecht nach 2 Wochen eh verstrichen sei, und überhaupt.
Ich habe keine Bestätigungs-SMS erhalten, allerdings weiß ich gar nicht, ob das iPad überhaupt “normale” SMS empfangen kann. Nichtsdestotrotz habe ich eine weitere Beschwerde- und Widerrufsmail an die Mobiletrend GmbH verfasst. Das schlimmste, was passieren könnte, wäre ja eine erneute Ablehnung, und dass ich 15€ verloren hätte.

Allerdings bekam ich nun heute morgen eine Mail der Mobiletrend GmbH, in der sie bestätigten, dass ich angeblich ihre Dienste in Anspruch genommen hätte, und sie keinen Fehler in der “Angebotsquitungsmechanik” (sic!) feststellen konnten. Dennoch würden Sie mir den Betrag erstatten.

Zum einen finde ich das in Ordnung, zum anderen aber auch seltsam. Ich bin ja angeblich vor über einem Monat einen “rechtskräftigen” Vertrag mit denen eingegangen, was durch die “Angebotsquitungsmechanik” ja offenbar auch bestätigt wurde, dennoch waren sie sofort bereitwillig in der Lage, mir das abgebuchte Geld zurückzuzahlen.

Ist deren Geschäftsmodell so windig, dass die jedem Rechtsstreit auf Teufel komm raus aus dem Weg gehen wollen? Basiert es auch, wie bei den Abzockerseiten aus den 2000er Jahren darauf, dass möglichst wenige Besucher Widerspruch erstatten, bzw. es gar nicht erst bemerken? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele User es auf sich beruhen lassen würden, weil da ja auch irgendwie Erotik oder so mit im Spiel ist, und überhaupt.

Anyway…ich habe denen jetzt meine Paypal-Adresse verraten (meine echten Bankdaten wollte ich lieber nicht rausrücken) und bin gespannt, wann denn das Geld bei mir eintrudeln sollte.

Übrigens: Auf eine Selbstauskunft zu meinen gespeicherten Daten nach Bundesdatenschutzgesetz haben beide Firmen nicht reagiert, obwohl sie dazu eigentlich verpflichtet gewesen wären. Das finde ich schade.

11. März 2014 | | Allgemein | Leave a comment

Ich habe heute einiges über mich gelernt, zumindest wie andere™ Leute wie mich einordnen. Das möchte ich hier kurz zusammenfassen, weil ich bis jetzt offenbar selbst nicht wusste, wer ich bin, und andere vermutlich genau so wenig. Aber zum Glück gibt es die Piratenpartei mit all ihren klugen Professoren und Parlamentariern, die das besser wissen.

Der Bundesvorstand der Piraten hat in einer Onlineabstimmung beschlossen, dass der durchs #bombergate berüchtigten Piratin Anne Helm die Themenbeauftragung “Asyl & Migration” entzogen werden soll. Da ich der gesamten Aktion Helms, ihren Lügen ggü der Partei und ähnlichem sehr kritisch gegenüberstehe, begrüße ich dies.
Allerdings: Der Berliner Abgeordnete Simon Kowalewski schrieb dazu folgendes:

Man sieht: Andere Piraten, die in der Geschichte ähnliche Ansichten wie ich haben, sind offenbar Nazis. Da die Einordnung Nazi/Nichtnazi auf Gesinnungsebene passiert, und ich gleicher Gesinnung bin, schließe ich hierdraus: Ich bin ein Nazi.

Weiterhin: Der Berliner Linguistikprofessor Anatol Stefanowitsch bezeichnet Leute, die sich klar gegen Anne Helm positionieren als Hetzer.


Abgesehen von diesem “Ihr seid selber scheiße”, was vom Niveau her allerhöchstens in den oberen Grundschulklassen rangieren dürfte, ist Stefanowitsch ansonsten ein studierter Mensch, der als Linguistiker bestimmt nicht erst redet und dann denkt, sondern andersrum. Daher schließe ich: Ich bin ein Hetzer.

Zuletzt betreibt eben jener Stefanowitsch ein Blog, in dem sich in den letzten Tagen über eine Krimi-Werbekampagne des ZDF aufgeregt wurde, die normalen Leuten allenfalls ein “Aha” entlocken dürfte.
Ein Kommentator (generisches Maskulinum) schreibt:

Insofern ist die Kampagne nicht nur feindlich Frauen gegenüber sondern jedem empfindungsfähigen, halbwegs intelligenten Wesen gegenüber!

Ich habe diese Kampagne mitbekommen, und fühle mich nicht angefeindet. Daraus schließe ich: Ich bin weder empfindungsfähig, noch halbwegs intelligent.

Ich habe dies alles auf mich wirken lassen, und komme, trotz der Tatsache, dass ich wohl nie die NPD wählen würde, und auch sonst eher selten auf Ausländer und Minderheiten einschlage, zu dem logischen Schluss: Ich bin ein nicht empfidungsfähiger, unintelligenter Nazi-Hetzer.

Das ist aber nett von den Piraten, dass sie mir das so vor die Augen geführt haben.

4. März 2014 | | Allgemein | 4 comments

Dresden, 1945. Die Royal Air Force fliegt schwere Bomberangriffe auf die Stadt, das alles im “Kampf gegen die Nazis”. Kollateralschäden werden in Kauf genommen.
Naher Osten, 2010er Jahre. Die US Airforce fliegt schwere Drohnenangriffe auf Afghanistan, den Irak und Pakistan, das alles im “Kampf gegen die Taliban und den Terror”. Kollateralschäden werden in Kauf genommen.

Allgemeiner Parteikonsens ist, Stand Februar 2014, das Drohnenprogramm der USA zu verurteilen. Die Kollateralschäden seien zu heftig, die Drohnenpiloten sind weitestmöglich vom Geschehen weg, es werden unter Umständen auch Unschuldige getroffen.

-CUT-

17.2.2014: Der Berliner Kurier veröffentlicht Fotos von Femen-Aktivistinnen, die mit einer auf ihre Oberkörper geschriebene Nachricht sich bei den Briten für den Bomberangriff 1945 bedanken. Es besteht Grund zu der Annahme, dass diese Aktivistinnen im Piratenumfeld zu finden sind. Das Thema kocht hoch, und erreicht mit #bombergate eine Empörungswelle, die immer noch andauert, und letzten Freitag im Orgastreik gipfelt. Eine Reihe von Landesverbänden distanziert sich von dieser Aktion, doch der stark linke Flügel der Partei feiert diese Aktion weiterhin, weil dadurch ja ein wichtiger Punkt im Kampf gegen den Nationalsozialismus erreicht wurde. Dass bei dem Angriff auch viele Zivilisten starben, ist anscheinend völlig egal.

Für mich sieht das so aus: In beiden Fällen geht es um einen Luft-Boden-Kampf, bei dem Kollateralschäden billigend in Kauf genommen werden/wurden, um gegen extremistische Kräfte zu kämpfen.
Was ich daran nicht verstehe: Wieso wird der eine Fall (zumindest vom LV Berlin) glorifiziert, und der andere aufs schärfste verurteilt?

Bitte versteht mich nicht falsch. Den Kampf gegen politisch extreme Strömungen begrüße ich, wo auch immer er stattfindet. Solang denn die Verhältnismäßigkeit gegeben ist.

Um Verhältnismäßigkeit sollte es vielen gehen.
Natürlich ist der Kampf gegen den Terror von Seiten der USA ein hehres Ziel. Niemand möchte in Anschlägen sterben. Ob das allerdings eine globale Abschnorchelung von Daten durch die NSA rechtfertigt, ist fraglich.

Natürlich ist der Kampf gegen Kriminalität von Seiten der Bundesregierung ein hehres Ziel. Niemand möchte überfallen, ausgeraubt, ermordet werden. Auch Kinderpornografie ist so ein Thema, was eine zivilisierte Gesellschaft rundweg ablehnt. Ob das allerdings eine bundesweite Vorratsdatenspeicherung und einen Generalverdacht der Bevölkerung rechtfertigt, sei dahingestellt.

Das absolutistische Regime und die Kriegsverbrechen der Japaner im 2. Weltkrieg waren bestimmt nicht förderlich für Völkerverständigung, Frieden und Demokratie. Die Menschenversuche (siehe Einheit 731) waren grausam und verurteilenswert. Aber waren die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wirklich gerechtfertigt? Hunderttausende Tote und eine Nachwirkung bis heute, nur um den Kampf gegen die damalige japanische Regierung zu rechtfertigen?

Der Kampf gegen die Taliban in Afghanistan mag aus unserer Sicht mit Sicherheit ein hehres Ziel sein. Der Angriff auf zwei Tanklastzüge, wo sich gerade mehrere Zivilisten aufhielten am 4.9.2009 war dennoch unverhältnismäßig.

In allen vier Fällen war bis jetzt immer der (inoffizielle) Konsens, dass Piraten diese Aktionen aufgrund ihrer Unverhältnismäßigkeit verurteilten. Zum einen, weil dadurch gewisse Menschenrechte verletzt werden, zum anderen aufgrund ihrer Unverhältnismäßigkeit.

Nur Dresden soll da jetzt aus der Reihe fallen? Weil es da gegen Nazis ging? Dass bei dem Angriff auch Nicht-Kombattanten verletzt und getötet wurden, was gegen die Statuten der Genfer Konvention ist, ist egal? Dass im Februar 1945 der Krieg für das Deutsche Reich schon längst verloren war, aber die Briten bei einem Land, was am Boden war, nochmal nachtreten mussten, und ich hier die Verhältnismäßigkeit nicht sehe, ist egal?

Ach, Piraten. Wenn ihr auf einer Seite eure Prinzipien heuchelt, auf der anderen Seite aber, je nach persönlicher Sym- und Antipathie diese Prinzipien mit den Füßen tretet, müsst ihr euch nicht wundern, dass das nach innen und außen hin nicht so wunderbar ankommt.

Ich für meinen Teil lehne jede Art von Krieg entschieden ab. Egal gegen wen, egal mit welchen Mitteln. Das war schon immer so, und das wird vermutlich auch noch so bleiben. Wenn der LV Berlin sich nun hinter die Kriegsverherrlichung der Femen-Aktivistinnen stellt und dabei irgendwie versucht, das ganze auf die CDU abzuwälzen, nunja.

Könnt ihr so machen, aber dann isses halt scheiße.

24. Februar 2014 | | Allgemein | 14 comments

Während meiner Ausbildung bei einem größeren deutschen Haushaltsgerätehersteller war ich, wie der Großteil der Belegschaft, Mitglied bei der IG Metall. Einer Gewerkschaft, die dafür bekannt ist, häufiger Tarifverhandlungen durchzuführen, und ihre Interessen auch über Streiks zu festigen. Dabei ging es nicht immer nur um Arbeitsbedingungen oder Geldfragen, sondern auch um die allgemeine Ausrichtung des Werkes und des Unternehmens, beispielsweise in der Frage, ob man bestimmte Montageschritte in den osteuropäischen Raum outsourcen soll.

Seit gestern Abend befinden sich die IT und die Verwaltung der Piratenpartei im sogenannten Orgastreik. Wieso, das kann man dort nachlesen:

Wir wünschen uns einen Politikwandel, der sich durch friedliche Teilhabe auszeichnet und sich deutlich von gewalttätigem Aktivismus abgrenzt. Die Politik in diesem Land braucht ein Update, im Rahmen des Grundgesetzes und keinen Umsturz auf revolutionärem Wege.

Aufgrund der viel zu dünnen Haut mancher Piraten entstand natürlich direkt ein Shitstorm, der sich im Laufe der Nacht zu einem Gate ausweitete.
Unbeachtet der Tatsache, dass ich längst nicht mehr Mitglied dieser KindergartenPartei bin, finde ich diese Aktion nicht schlecht, vor allem, weil ich diesen Wunsch auch hege. Allerdings gibt es auch das andere Lager bei den Piraten, das aufgrund dieser Aktion massiv arschverletzt ist, und Sachen behauptet, die ich hier mal kurz umreißen möchte.

  • Die Aktion der Orga ist kein Streik, sondern Sabotage.
    Gucken wir uns einmal an, was die Wikipedia dazu schreibt:

    Ein Streik (von engl. strike: Schlag, Streich) ist eine kollektive Arbeitsniederlegung (Verweigerung von in der Regel vertraglich vereinbarten Arbeitsleistungen). Er kann sehr verschiedenartige Ziele und Adressaten haben. Politische Streiks sollen Parlament und Regierung unter Druck setzen, mit dem Ziel, dass bei deren Entscheidungen die Interessen der Streikenden berücksichtigt werden.

    und

    Als Sabotage bezeichnet man die absichtliche Störung eines wirtschaftlichen oder militärischen Ablaufs zur Erreichung eines bestimmten (oft politischen) Zieles.[1][2][3][4]
    Im alltäglichen Sprachgebrauch ist mit Sabotage oft auch die gewaltsame Beschädigung und Zerstörung von Geräten, Maschinen, Infrastruktur usw. gemeint (strafrechtlich Sachbeschädigung).

    Man sieht: In der Definition des Streiks ist explizit von politischen Streiks die Rede, während in der Definition von Sabotage nur die Störung von wirtschaftlichen oder militärischen Abläufen erwähnt ist.

  • Die Orgas betreiben Machtmissbrauch..
    Die “Macht”, die die Verwaltung und die IT haben, ist, dass sie wissen, wie die ihnen zugeteilten Systeme und Maschinen funktionieren, und dass sie sie nach Gutdünken abschalten können. Damals während meiner Ausbildung wussten wir ebenfalls, wie die Fertigungsmaschinen funktionierten, und haben sie natürlich abgeschaltet, als wir streiken gingen. War das Machtmissbrauch?
  • Die IT hätte ja einfach die Arbeit niederlegen können, ohne die Systeme abzuschalten. Sie würden dann weiterleben.
    Typisches BWLer-Sprech. “Wozu brauchen wir eine IT? Es läuft doch alles. Und die Nerds im Keller werden unnötig bezahlt.” Schade. Gerade in einer Piratenpartei, die durch ihre (ehemalige) Netzaffinität in weiten Teilen Mitglieder aus IT-Bereichen hat, hätte ich gehofft, dass solche Vorurteile nicht existieren würden. Es sollte bekannt sein, dass eine Administration auch genug zu tun hat, wenn nach außen hin alles okay zu sein scheint. Und wenn dann irgendwann die Kacke wirklich am dampfen ist, dann kommen wieder alle angekrochen.

    Desweiteren: Ja, sie hätten die Arbeit niederlegen können, und die Systeme sich selbst überlassen können. Das ist aber (zumindest nach meinem Verständnis) in etwa so, wie ein Flugzeugpilot mitten in der Luft entscheidet, den Steuerknüppel loszulassen. Man weiß nie, was passiert. Die Nachricht des Orgastreiks macht die große Runde, und man stelle sich vor, was passiert, wenn die Skriptkiddies merken, dass da eine gigantische Parteien-IT ist, die komplett unbeaufsichtigt ist. Dann wäre, nach einer gestrigen Arbeitsniederlegung, die IT heute Abend sowieso vor die Wand gefahren. Und das nicht wieder so einfach herstellbar.

    Ein Flugzeugpilot lässt nicht mitten im Flug den Knüppel los, vor allem, wenn er das Flugzeug selbst gebaut hat. Genau so wenig lässt ein Admin seine Systeme unbeaufsichtigt, sondern fährt sie sicher runter.

    Aber das ist typisch. Die IT hat ihren Job die letzten Jahre ohne zu murren gemacht, und keinen hats gejuckt. Und jetzt meldet sie sich auch mal zu Wort, es klappt nicht mehr so, wie man es gewöhnt ist, und schon reißen alle ihre Fresse auf. Das ist…nicht toll.

  • In einer demokratischen Partei hat ein Streik nichts zu suchen.
    Eine Aktiengesellschaft ist durch ihre Struktur auch insofern pseudodemokratisch aufgebaut, als dass die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat ein Mitspracherecht haben. Aber auch dort ist ein Streik ein legitimes Mittel. Genau so in anderen Vereinigungen. Wenn Mitglieder das Gefühl haben, ihre Arbeit nicht mehr ordentlich machen zu können, und anderweitig auf taube Ohren stoßen, ist eine Arbeitsverweigerung oftmals das letzte Mittel, seinem Anliegen Gehör zu schaffen
  • Das durchsetzen von demokratischen Zielen sollte durch Anträge, etc. geschehen, nicht durch so ein rabiates Mittel.
    Das Ziel dieses Streiks scheint zu sein, wie auf deren Webseite zu sehen ist:

    Wir wünschen uns einen Politikwandel, der sich durch friedliche Teilhabe auszeichnet und sich deutlich von gewalttätigem Aktivismus abgrenzt

    Dieses Vorgehen sollte für eine demokratische Partei selbstverständlich sein. Es werden also keine “neuen Ziele” versucht durchzuboxen, sondern vielmehr eine Rückbesinnung auf alte Ziele.

  • Die IT sollte viel lieber Anträge und Initiativen starten, anstatt auf Twitter rumzupöbeln.
    Interessant. Auf der Webseite des Streiks sind die Twitter-Usernamen der Unterzeichner zu sehen. Kein einziger Handle ist mir näher bekannt. Dies bringt mich zu dem Gedanken: Entweder haben diese Personen nicht rumgepöbelt, oder sie haben es in einem so minimalen Maße getan, dass es in der schieren Masse an Gates, Shitstorms, Aufschreien und sonstigen Hashtags unterging. Und wenn man nicht gehört wird, dann muss man halt mal einen Gang höher schalten.
  • Das ist schlichtweg Erpressung.
    Auch hier werfen wir mal kurz einen Blick in die Wikipedia:

    Bei der Erpressung versucht ein Erpresser, sich selbst oder Dritte rechtswidrig durch Gewalt oder durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern. Insofern ist die Erpressung von der Nötigung zu unterscheiden, die keine Bereicherungsabsicht oder Vermögensschädigung voraussetzt.

    Okay. Bereicherung oder Vermögensschädigung ist hier wirklich nicht der Fall. Also mal nachsehen, was dort zur Nötigung steht. Man sieht: Nötigung ist in Deutschland sehr variabel und vage definiert, der Grundtenor ist allerdings: “Jemanden durch Androhung von Gewalt oder empfindlichem Übel zu etwas bewegen.” Gewaltandrohung kann man hier ja wohl schonmal ausschließen, es gilt nun, den Streik im Hinblick auf ein empfindliches Übel zu bewerten. Da ich kein Jurist bin, überlasse ich das gerne den fachlichen Experten, aber verweise auf “In Dubio Pro Reo”, wie es die heute so arschverletzte Fraktion am Montag auch getan hat, als nicht klar war, ob @SeeroiberJenny nun auf den Fotos der B.Z. zum Bombergate gewesen ist, oder nicht.

  • An der IT-Struktur hängen Arbeitsplätze. Referenten, Fraktionasssistenten, usw.
    Exakt. An einer laufenden Produktion in einem Werk hängen auch Arbeitsplätze. Bei den Zulieferern die Endmontage, bei der Endmontage die Kunden, die die Produkte ggf benutzen, um damit selber Arbeit zu verrichten, usw. Deswegen sollte die Lösung des Konfliktes und die Beendigung des Streiks oberste Priorität haben.
  • Der Streik trifft die falschen, nämlich die, die arbeiten wollen. Die Parteizerleger sind auf Twitter.
    Stimmt. Dennoch ist es im Gesamtkontext eine Partei, in der nach Möglichkeit alle Mitglieder grob in die selbe Richtung rudern sollten. Also müssen sich alle zusammenraufen. Außerdem ist es ein unfassbarer Aufwand, Dienste nur für bestimmte größere Personengruppen zu sperren.
  • In der Ukraine sterben Leute. Ist das nicht viel wichtiger als so Pipifax?
    Ja, in der Ukraine sterben Leute. Das ist falsch und schlimm. Aber würden sie nicht sterben/wären sie nicht gestorben, wenn der Hickhack in der Partei weitergeht? In Afrika sterben Kinder. Seit vielen Jahren. Dennoch wurde vor 8 Jahren die deutsche Piratenpartei gegründet. Auch damals gab es Leute, denen die Piraten so wichtig waren, dass sie es trotz der Tatsache, dass anderswo gerade viele Leute sterben, durchgezogen haben.
  • Es sollte ein Parteiausschlussverfahren gegen die Streikenden eingeleitet werden.
    Macht mal. Wenn das gesamte IT-Team ausgewechselt wird, und sich das neue Team von 0 auf einarbeiten muss, dürfte die IT an sich sehr viel länger unproduktiv sein, als man damit eigentlich bezwecken möchte.
  • Der Orgastreik ist nicht viel besser als die Netzsperren, die damals mal geplant waren.
    Falsch. Das eine ist staatlich angeordnete Zensur, das andere ist die eigene Entscheidung, Dinge nicht zu veröffentlichen oder aktiv zu halten. Auch während des Orgastreiks steht es jemandem frei, sämtliche Webseiten zu besuchen, die man besuchen möchte. Andersherum ist es sicherlich keine Zensur, wenn Dienste temporär abgeschaltet werden, sei es zu Wartungszwecken oder anderem.
  • Der Orgastreik ist wie Geiselhaft.
    Das mit der Verhältnismäßigkeit müssen wir nochmal üben. Eine Geiselhaft ist eine Situation, wo man dem Geiselnehmer unschuldig mit seinem Leben ausgeliefert ist, auf der anderen Seite stehen einige Dienste, die nicht zu erreichen sind. Falls mir jemand nachvollziehbar klarmachen kann, dass er mit seinem Leben der IT auf Gedeih und Verderb ausgesetzt ist, dann bitte.
  • Der Orgastreik ist auch eine Art Gewalt
    Ich bin mir sicher, dass du schon eine Klage gegen die Wikimedia Foundation laufen hast, weil deren Suchfunktion Anfang der Woche nicht 100%ig funktioniert hat, und du von dieser Gewalt schwer traumatisiert bist.
  • Das, was die IT da macht, ist Zensur.
    Wikipedia again:

    Zensur (lateinisch censura) ist ein restriktives Verfahren von in der Regel staatlichen Stellen, um durch Massenmedien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden.[1][2]

    Nun. Das klingt für mich doch stark anders, als das, was die IT da gerade durchzieht. Sie sorgt nämlich nicht durch irgendwelche Maßnahmen dafür, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden. Es steht jedem frei, die Inhalte, die er vorher z.B. übers Wiki ausgetauscht hat, über die Padserver auszutauschen, die kurz nach Beginn des Orgastreiks wieder freigegeben wurden.

  • Die IT muss wertneutral bleiben.
    Falsch. Muss sie nicht, und war sie auch nicht. Zum einen behalten sich Foren- und Wikibetrieber weltweit das Recht vor, extreme Inhalte (Pornografisch oder politisch) zu verbieten und zu löschen. Zum anderen sind die Leute aus der IT Piraten wie alle anderen auch. Da andere Piraten auch nicht wertneutral sind, z.B. in dem sie einige Crews ablehnen, oder sich weigern, bestimmte Plakate aufzuhängen, etc., wieso muss die IT das dann sein?
  • Der Orgastreik ist mit der Komplettabschaltung des Internets, z.B. wie damals in Ägypten zu vergleichen.
    Falsch. Das Internet funktioniert weiterhin, und da mittlerweile sowieso fast jeder LV/KV eine eigene Instanz bestimmter Dienste hat, kann auch weitergearbeitet werden. Sogar das Wiki hat noch erreichbare Mirrors.
  • Ich zeig die Orgas an.
    Herzlichen Glückwunsch. Du scheinst absolut nichts verstanden zu haben. Leute wie du haben bei den Piraten nichts zu suchen.

Vielleicht erweitere ich diesen Post mit der Zeit mit weiteren Behauptungen, die mir zu diesem Thema unter die Augen kommen. Bis dahin hoffe ich, wie in den letzten Wochen und Monaten auch, dass die Piraten endlich mal ihren Arsch hochkriegen, und wieder die Arbeit leisten, die sie 2010/2011 zu ihren Hochzeiten gebracht haben. Aber eigentlich habe ich die Hoffnung schon aufgegeben.

21. Februar 2014 | | Allgemein | 47 comments

Soso. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik behauptet also, 16 Millionen gestohlene Mailadressen zu besitzen.
User, die nachprüfen wollen, ob sie betroffen sind, müssen ihre Mailadresse beim BSI angeben, und bekommen ggf Bescheid.

Ganz ehrlich? Verarschen kann ich mich selbst, liebes BSI.
Zum einen ist “Has your Credit Card been stolen on the INTERNET? Enter your number and security code here to find out” einer der ältesten und erbärmlichsten Phishing-Versuche die es gibt.
Zum anderen hat der deutsche Behördenapparat in den letzten Jahren immer wieder eindrucksvoll bewiesen, vom Thema “Internet” so gut wie keine Ahnung zu haben. Und ebenjener Behördenapparat möchte nun, dass wir alle schön brav unsere Mailadresse bei ihm abliefern, und ggf eine Unbedenklichkeitsbescheinigung bekommen. Tschuldigung, aber: Nein.

Man könnte ja pro-aktiv die betroffenen Nutzer direkt anschreiben. Man könnte ja verraten, woher die Daten kommen. Sodass die Bürger schon vorher entscheiden können, ob es sie überhaupt betrifft. Vielleicht haben sie ja entsprechende Dienste gar nicht benutzt.
Man sollte sich auch fragen, wieso das BSI erst jetzt damit rauskommt, obwohl die Daten schon länger bekannt waren.
Man sollte sich auch fragen, wieso das BSI einen ähnlichen Service nicht angeboten hat, als ins Playstation Network und bei Adobe eingebrochen wurde, und Daten entwendet wurden.
Man sollte sich auch fragen, ob es wirklich nur “deutsche” Mailadressen waren. Woran machen die das fest? Nur an der .de-Endung des Servers? Haha. Wurden ausländische Nutzer, die ein Konto zB bei GMX haben, auch gewarnt?

Und wann wird eigentlich das Jahresbudget für das BSI neu verhandelt? Ende Januar?
Und hat Hans-Peter Uhl schon propagieren lassen, dass das ganze mit der Vorratsdatenspeicherung DE-Mail nicht passiert wäre?

Nice try, BSI. Aber ich verlass mich weiterhin auf die Logfiles meines Mailservers und nicht auf irgendeine äußerst dubiose Webseite, die ad definitionem sicher ist.

Das Analysieren der SSL-Metadaten der Phishing-Überprüfungs-Webseite überlasse ich dann mal den Krypto-Nerds

22. Januar 2014 | | Allgemein, IT | 3 comments

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14. Januar 2014 | | Allgemein | Leave a comment

Deutschland, 2. Januar 2014, gegen Mittag. Durch die Medien schwappt die Meldung, dass der ehemalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla einen neuen Job bei der Bahn bekommt. Sprüche wie “Ronald Pofalla erklärt die Verspätungen für beendet” machen die Runde.

Deutschland, 2. Januar 2014, 18:46 Uhr: Die Satirewebseite @der_postillon bringt einen ganz und gar unsatirischen Artikel, dass Ronald Pofalla einen neuen Job bei der Bahn bekommt. Die Leser stempeln es als Realsatire ab. Niemand achtet aufs Datum des Artikels. Dort steht: 1. Januar 2014.

Deutschland, 2. Januar 2014, gegen 23 Uhr: Die Satirewebseite @der_postillon retweetet einige Tweets, die darauf hinzudeuten scheinen, dass die Primärmeldung ebenjene Meldung vom “1. Januar” sei. Da der Postillon ja eine Satirewebseite ist, kann diese Meldung ja gar nicht stimmen. Einself. Ein Sturm der Belustigung über “die Medien” macht sich auf Twitter breit. Wie sie es nur wagen könnten, solch eine Meldung unreflektiert abzuschreiben.

Weiterhin steht in den Feedreadern dieser Nation, in den Twitter- und Facebooktimelines schwarz auf weiß: Der Postillon hat diesen Artikel am 2. Januar 2014 um 18:46 veröffentlicht, und da offenbar einfach nur “1. Januar” drangeschrieben. Doch vor lauter Lästern über “die Medien”, die einfach nur unreflektiert wiederholen, merkt die deutsche Twitterschaft gar nicht, dass sie gerade einfach nur “das Medium” Postillon unreflektiert wiederholen.

Wer es immer noch nicht glauben mag, wie erstklassig der Postillon gerade seine “satireerprobten” Leser vorführt, der möge einfach mal die Timestamps des Postillon-Artikels mit dem Timestamp der ersten Artikel, die zu diesem Thema auf Google News erschienen sind, vergleichen. Oder einfach auf diesem Screenshot meiner Twitter-Timeline den Timestamp der SZ mit dem des Postillon vergleichen:
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Deutschland, deine Medienkompetenz. Sich darüber lustig machen, wie “etablierte” Medien leichtgläubig alles vervielfältigen, während man selbst leichtgläubig alles vervielfältigt. Ein Meisterstück des Postillons.

3. Januar 2014 | | Allgemein | 6 comments

Der Metal Hammer hat eine Meldung rausgehauen, dass das Transsiberian Orchestra in einer Schlagershow des ZDF auftritt, wo offenbar mit weihnachtlicher Musik (oder so) u.a. auch Spenden für die Opfer des Taifuns auf den Philippinen gesammelt werden soll.

Die geifernde Masse der Metalfans ist empört. EMPÖRT! Wie kann das TSO denn bloß wagen, sich so dem Kommerz hinzugeben, und den Metal dermaßen auszuverkaufen. Auf Facebook kommen Kommentare wie

macht das noch einen Unterschied? Metal geht den Bach runter! Support the underground!!!!!!!!!! gut, dass sich nicht jede Band verkauft. ich warte noch auf Volbeat bei Stefan Raab oder Wetten dass…die machen für Geld doch auch alles.

und

HAHA Na komm Ivy Vollblöd waren schon immer Kommerz was is der Unterschied.?

Dazu kann ich nur den Kopf schütteln, und denke mir: Wayne?

Als ich 2008 einen kurzen geschmacklichen Ausflug in Richtung Hard-/Metalcore machte, war auch dieses Verhalten in der Metalszene ein starker Faktor, dem Metal mal temporär etwas mehr den Rücken zuzuwenden. Mir ging dieser pseudoelitäre Kack dermaßen auf die Eier, dass ich hoffte, dass andere Szenen da etwas toleranter sein würden. Da zur gleichen Zeit allerdings der Kindergarten im -core-Bereich viel stärker wurde, und sich teilweise Leute von anderen Leuten hochheben ließen, um im Pit auf Gesichtshöhe zu treten, ließ ich da wieder schnell von ab. Dennoch blieb mir aus der Zeit ein Zitat im Gedächtnis, was ich eigentlich ganz passend finde:

It’s not about the shirt you’re wearing, it’s not about the attitude you give. It’s about to have a great motherfucking time.

Und genau dieses sollte auch genau so beherzigt werden. Es ist doch scheißegal, ob das TSO bei Carmen Nebel auftritt, oder Volbeat auf Rock im Pott. Es gibt Leute, denen gefällt die Musik, und die wollen sie hören. Es ist doch die Hauptsache, dass die Bands noch Spaß an der Musik haben, und sich über den Support der Fans mehr freuen als über den Rubel der rollt. Krasses Gegenbeispiel: Justin Bieber.

Und wenn das TSO, deren Musik nunmal eine gewisse weihnachtliche Attitüde hat, auf einer Weihnachts-Schlagershow auftritt, dann heißt das noch lange nicht, dass sie sich nun dem absoluten kommerziellen Ausverkauf hingeben (und wennschon). König Boris von Fettes Brot und Tom Hanks waren auch mal bei Wetten Dass dabei. Zum einen als Showact, zum anderen als Gast. Und haben beide ihre Karriere an den Nagel gehängt, und sind nun professionelle Wettspieler? Nein.

Ich habe natürlich auch den Ausverkauf von Unheilig an RTL2 misstrauisch beäugt, genau so, wie ich immer noch nicht so genau weiß, was ich von Santiano halten soll. Aber im Endeffekt ist es doch egal, ob die Fans von ihrer Band aus der Fernsehwerbung oder von Freunden erfahren haben, und ob die neuen CDs nur in Fachmagazinen oder auch in normalen TV-Werbeblöcken angezeigt werden. Wenn jemandem die Musik gefällt, dann soll er sie verdammtnochmal hören. Subjektives Empfinden richtet sich eben nicht nach den CD-Verkaufszahlen oder der Chartsplatzierung.

Aus dem Grund finde ich es ziemlich heuchlerisch, wenn einstmals “eingefleischte” Fans sich plötzlich komplett von ihrer Band distanzieren, weil sie auf einmal 1000 CDs mehr verkauft hat, und nun ins Interesse der Mainstreammedien gerückt sind. Himmel, ich würde mich freuen, wenn eine Band, die ich seit Jahren mag, nun etwas bekannter wird, denn ich weiß, dass bei aller Liebe, die Musiker auch irgendwie versuchen, von ihren Tantiemen zu leben.

Ich kann daher von solchen Begriffen wie Trveness relativ wenig abgewinnen. Erlaubt ist, was gefällt. Und wenn das Management/die Plattenfirma vom TSO entschieden hat, dass es da halt mal bei so einer Show auftreten soll, was durchaus auch über die Köpfe der Band hinweg passiert sein kann, dann geht die Welt nunmal nicht unter.

Außerdem ist es ja für einen guten Zweck. Und ein Metaler, der sich weigert, anderen zu helfen, weil er dafür seine trveness aufgeben müsste, für den habe ich allenfalls noch Verachtung über.

4. Dezember 2013 | | Allgemein | 3 comments

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