Ich nutze seit jeher Roundcube als Webmail-Frontend für meinen Mailserver. Die Software lief auch immer sehr zuverlässig, bis ich gestern das Problem hatte, dass nach dem Schreiben und Abschicken einer Mail sich das Fenster nicht geschlossen hat, sondern ewig die Meldung “Mail wird gesendet…” angezeigt hat. Die einzige Möglichkeit war, den Tab zu schließen, und die Seite neu aufzurufen.
Im Internet fand ich dazu einen Lösungsansatz, der für mich aber wertlos war. Zum einen habe ich nämlich SMTP-Auth aktiviert, und zum anderen ging die Mail laut Logfile meines Mailservers wirklich raus – es war also ein reines Frontendproblem.

Die Lösung sah wie folgt aus: Ich hatte einige Tage zuvor die Optionen, die von Cipherli.st für meinen Apache empfohlen wurden, aktiviert, um ein etwas sichereres SSL/TLS-Handling im Webserver zu aktivieren. Eine der Optionen war das Problem.
Header always set X-Frame-Options DENY

Roundcube (und auch WordPress) setzen in ihren Methoden zum Aktualisieren einer Webseite, ohne sie komplett neu laden zu müssen, auf eine Framingtechnik, deren Nachladen durch das DENY unterbunden wird. Die Lösung war einfach:
Header always set X-Frame-Options SAMEORIGIN, und schon funktioniert alles wie gewohnt, und die Seite hat im SSL-Quality-Test, der auf Cipherli.st verlinkt ist, immer noch einen gleichbleibend hohen Score.

15. November 2014 | | IT | Leave a comment

Ich hadere damit, diesen Post zu schreiben. Weil es dann wieder kleingeredet, bagatellisiert, und belächelt wird. Außerdem weiß ich, dass Ungerechtigkeit nicht mit Ungerechtigkeit aufgewogen werden kann. Aber ich muss es doch irgendwie los werden.

Durch die Sphären des Social Webs geistert momentan ein Video von einer Frau, die mehrere Stunden durch New York läuft, und die die Reaktion ihrer Umwelt als anekdotische Evidenz für Harassment wertet. So wird sie von fremden Leuten angesprochen, z.B. “Hey”, oder “Have a nice evening”, und jemand läuft eine Strecke einfach neben ihr her.
Ich bin mir jetzt nicht so sicher, wie ein “Hey” oder ähnliches als Harassment gelten kann. Klar, es ist sicherlich nervig, und man hat den Wunsch, der 30. Person, die einem ankommt, eine reinzuhauen, aber…okay, es ist Harassment.

Ich habe auf Twitter angekündigt, in Zukunft halt einfach Leute zu ignorieren, und die Interaktion mit Ihnen auf ein Minimum zu beschränken. Könnte ja Harassment sein, und bevor ich jetz den kompletten sozialen Background des Kassierers an der Supermarktkasse checke, nur um sicherzugehen, ob ich ihm einen schönen Tag noch wünschen kann…ja, ich klinge verbittert, und ich bin verbittert.

Solche dummen Sprüche von der Seite sind auch für mich keine Seltenheit. Besonders häufig höre ich “Sachma, wie groß bistn du eigentlich”, “Spielst du eigentlich Basketball? Nein? Ach, wieso denn nicht?” oder “Wie isn die Luft da oben?”. In festen Gruppen war ich “der Schwede”, “Tschinski” oder “Schuss-durchn-Kopf-ski”, was vermutlich aber auch an meinem nicht ganz so unkompliziertem Nachnamen liegen könnte. (Himmel, das Sz wird wie ein Sch ausgesprochen, begreift es endlich). Ich möchte dennoch feststellen, dass die meisten Sprüche, die ich gedrückt bekam, aufgrund meiner Körpergröße kamen. Ja, 2 Meter, und (in Spitzenzeiten) 167kg ist viel und groß. Hätte ich ne GoPro und so einen bekloppten Selfiestick gehabt, ich hätte tonnenweise Videos a la “Man walks silently 10 hours through Dortmund” machen können. Auch die Art von Leuten, die dumm glotzend neben mir standen/gingen gibt es. Meistens irgendwelche pubertierenden Kinder, die sich ggü ihrer Clique profilieren müssen, indem sie den großen Typen da vorne auf den Sack gehen.

Ich habe aber keine Videos gemacht. Es ging mir alles furchtbar auf den Sack, aber ich habe den Thousand-Yard-Stare aufgesetzt, und den entsprechenden Leuten einen qualvollen Tod gewünscht. Also in etwa das, was die Frau in dem genannten Video vermutlich auch tut.

Aber heute reichts mir. Auf Twitter kriege ich erzählt, dass meine Situation ja gar nicht so schlimm sei. Wie könne ich mich, bzw überhaupt irgendwer, durch solche Sprüche angegriffen fühlen, was würde ich denn dadurch verlieren? Tja, was verliere ich dadurch…mal gucken. (Parallelen zu den Argumenten von Feministen sind beabsichtigt, ja).

Zum einen muss ich mir von der Gesellschaft vorschreiben lassen, welche Klamotten ich zu tragen habe. Bezüglich Hosen gibt es bspw. im C&A eine XXL-Abteilung. Selbstverständlich sind die Klamotten da auch nur knapp doppelt so teuer wie “normale” Größen. Bei Oberteilen habe ich die Wahl zwischen “Bauchfrei, aber die Arme sind lang genug” oder “Passt, aber spannt an den Schultern” oder “Familienzelt”. Ich bin dazu übergegangen, keinen Fick zu geben, und trage seit knapp 5 Jahren schlichtes Schwarz aus dem Armystore. Eigener Stil? Kannste knicken.

Weiterhin muss ich mir vorschreiben lassen, wie ich zu arbeiten habe. Als ich damals bei der Musterung als ungeeignet empfunden wurde, Panzer zu fahren, oder bei Grüßaugust-Anlässen Trompete zu spielen, musste ich noch lachen, weil ich es komisch fand. Mittlerweile bin ich in einem Schreibtischjob gelandet, und habe die Freude, mit normalgroßen Büromöbeln arbeiten zu dürfen. Mindestens einmal pro Monat Rückenschmerzen, oder nen dummen Spruch vom Chef, wieso ich denn so halbgar auf meinem Stuhl gammeln würde, sind normal. Ich bin dazu übergegangen, keinen Fick zu geben, viel zu fluchen, und wenn die Rückenschmerzen zu stark werden, gibts halt nen gelben Schein.

Überdies werde ich in der Bildung indirekt benachteiligt. Nicht so offensichtlich, wie z.B. “90% aller Frauen weltweit gehen aus geschlechterstereotypischen Gründen nicht zur Uni”, sondern eher so: Ich kann Vorlesungen nicht besuchen, weil ich in die viel zu engen Hörsaalsitzgarnituren schlichtweg nicht rein passe, und mir die Vorlesung anhand von Folien zu Hause nacharbeiten muss. Weiterhin hat die Uni vor kurzem ein neues Gebäude für meine Fakultät fertig gestellt. Schön behindertengerecht, mit Türschildern in Braille, vielen Rampen und Aufzügen und so. Netter Nebeneffekt: An allen Türen befinden sich rollstuhlfahrertaugliche Türklinken. Diese Türklinken befinden sich ungefähr auf der Höhe meiner Kniescheibe. Eine entsprechende Mail an den Behindertenbeauftragten der Uni, Stichwort Barrierefreiheit, ist bis heute unbeantwortet geblieben. Ja, ich empfinde Hörsaalgarnituren, in die ich mich nicht reinsetzen kann, als Barriere.

Ich kann hier jetzt noch weitere tolle Dinge aufzählen. Rückenschmerzen beim Spülen, weil das Spülbecken auf Normhöhe angebracht ist. Teure, handgefertigte Fahrradrahmen, weil kein Fahrradhersteller der Welt auf die Idee kommt, 65er Rahmen in Serie zu fertigen. Betten, die mit Fußende gebaut werden (yay, Fötusstellung beim Schlafen), das ständige Unwohl fühlen, wenn man im Kino oder bei Konzerten vor jemandem sitzt, und auch sonst keine Lust hat, dauernd im Mittelpunkt zu stehen, und sonstiger Kram. Sitzreihenabstände im ÖP(N)V? Schulterbügel in Achterbahnen und Karussells? Kennt ihr nicht, bzw. ist kein Problem für euch? Schön. Es ärgert mich, aber es tut ja doch niemand was. Immerhin, für lustige Bildchen im Internet reichts. Googlestichwort “Tall Guy Problems”. Gibt es eigentlich schon ein lustiges Meme “Average Woman Problems”, und wenn nein: Wieso nicht?

Man möge mir also bitte nachsehen, wenn ich mir für eine Frau, die durch New York läuft, oder den Problemen bestimmter anderer Personengruppen, denen ich nicht angehöre, nicht viel Mitleid abringen kann. Ich werde aufgrund meiner Körperlänge dumm angemacht, und habe Nachteile. Ich habe nur gelernt, mich dadurch nicht angegriffen zu fühlen, und eine gewisse Verachtung und Stolz zu entwickeln, und keinen Fick mehr zu geben. Wer das nicht nachvollziehen kann, und das jetzt kleinzureden versucht – okay, von mir aus. Schließlich gibt es ja auch normal große Leute, die ihre eigenen Probleme tragen müssen, und es bestimmt irgendwann nervig finden würden, wenn dauernd jemand mit “OMG, ich bin so lang, ich habe es so schwer” rumjammern würde. Aber dann akzeptiert es bitte, wenn ich aus genau jenem Grund dem Gejammere a la “Ich lief 10 Stunden durch die Gegend, und wurde währenddessen für knapp 3 Minuten dumm angemacht” nicht die Aufmerksamkeit und den Ernst schenken kann, den ihr gerne wollen würdet, dass ich es schenke.
Danke.

Und um dem Titel zu entsprechen: Nein, ich habe in der Tat bis auf den Schulsport und ein paar Streetballspiele noch nie Basketball gespielt. Es ist trotzdem keine Verschwendung, denn ich habe, um einem anderen Große-Leute-Sport-Klischee zu entsprechen, mal für mehrere Jahre lang gerudert. Zufrieden?

30. Oktober 2014 | | Allgemein | 1 comment

Letzten Donnerstag Abend hat Apple die neueste Version seines Betriebssystems, OS X 10.10 Yosemite veröffentlicht. In den 4 Tagen seit der Veröffentlichung hat sich im Netz eine gewisse “Panik” breit gemacht, da die überarbeitete Suchfunktion Spotlight offenbar sämtliche Sucheingaben an Apple weiterleitet.

Ich sehe das allerdings äußerst lässig. Ja, Spotlight sendet jeden Tastendruck an Apple. Dies hat allerdings folgende Bewandtnis: Spotlight kann seit OS X 10.10 auch eine Websuche mit der Sucheingabe durchführen, genau wie das Suchprogramm Sherlock, was bis Mac OS 10.4 Tiger Bestandteil des Betriebssystems war. Und genau wie die Suchleiste von Google versucht Spotlight in Zusammenarbeit mit Microsofts Suchmaschine Bing eine predictive search durchzuführen. Wenn man seinen Netzwerktraffic bei der Benutzung von Google analysiert, kommt man ebenfalls zu der Erkenntnis, dass die Benutzung des Suchfeldes jeden Tastendruck an Google sendet, sodass Google die Sucheingaben on-the-fly analysiert und Ergebnisse zurückliefert.

Wer dieses Verhalten von Spotlight nicht mag, dem erklärt Apple selbst, wie man es unterbinden kann:

You can also easily opt out of Spotlight Suggestions, Bing or Location Services for Spotlight.

Und, o Wunder, in der Systemeinstellungssektion für Spotlight sind mehrere Checkboxen, mit denen eingestellt werden kann, in welchen Bereichen Spotlight suchen kann. Dort lassen sich die angesprochenen Sektionen einfach deaktivieren. Wovon absolut abzuraten ist, ist die Ausführung von unbekannten Scripten, wie sie z.B. auf fix macosx angeboten werden. Wieso sollte man ein Script nutzen, was irgendwo tief im System rumpfuschen könnte, während man selbst das Problem mit 2 Mausklicks lösen kann? Zumindest sollte das Script nicht blind ausgeführt werden, sondern vorher einmal analysiert werden, was es macht.

Und unterm Schlussstrich bleibt das Gefühl einer Heuchelei. Damit webbasierte Suchmaschinen arbeiten können, muss der entsprechende Suchstring an die Suchmaschine übermittelt werden. Wenn man das im Browser macht, und Google so tagtäglich aufruft, wie man es nunmal macht, dann ist das kein Problem, obwohl der Browser Daten an Google übermittelt.
Wenn man das aber in Spotlight macht, und Spotlight die Daten an Apple als Proxy übermittelt, dann ist das böse, Heimtelefonierend, und alle schreien nach Datenschutz.

Ich denke, dass man gerade in heutiger Zeit nicht mehr vom Webbrowser als abgekapseltes Ding sprechen kann. Schon vor 10 Jahren war der Internet Explorer tief im Dateiexplorer von Windows XP verzahnt, und je nach Eingabe in die Adressleiste öffnete man entweder einen Ordner im Dateisystem, oder eine Webseite. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, auch die Suchfunktion von Windows XP mit dem nervigen Hund konnte das Internet durchsuchen. Damals war das aber offenbar kein Problem. Genauso wenig, wie es jetzt ein Problem ist, wenn man die Daten an Google weiterschickt.
Aber kaum ist Apple im Spiel, schreien auf einmal alle laut auf, kriegen die typische Datenschutzpanik (ich bin mir sicher, dass diejenigen, die am lautesten schreien, aus Deutschland kommen), und eine verhältnismäßig unsinnige Debatte wird losgetreten.

Ich sage: Kommt mal klar, und hakt ggf die beiden Häkchen in den Einstellungen für Spotlight ab. Apple hat eine Datenschutzvereinbarung, und behauptet, sich daran zu halten, genau wie andere Webdienste, die usergenerierten Content verarbeiten, auch. Alles halb so wild.

21. Oktober 2014 | | IT | 7 comments

Ich habe neulich auch mal, dem neuesten heißen Scheiß aus dem Internet folgend, den IQ-Test von Memorado gemacht, der momentan durch Facebook und andere Social Media Kanäle geistert.

Mein Resultat nach 10 kleinen Fragen (die alle ziemlich einfach waren) sollte angeblich 134 sein. Ich bin jetzt kein Statistikexperte oder so, aber mein Wissen über den Intelligenzquotienten, und dessen Normalverteilung sagt mir, dass solch einen hohen IQ eigentlich nur maximal 5-10% der Bevölkerung haben sollten. Von daher kommt es nicht nur mir spanisch vor, dass das Ergebnis bei den meisten Probanden so hoch ist.

Zum Vergleich: Aufgrund von ziemlich übertrieben reagierenden Eltern, die sich damals den Floh mit der Hochbegabung ins Ohr haben setzen lassen, bin ich zu Beginn der Pubertät zu ziemlich vielen Instituten geschleift worden, bei denen IQ-Tests gemacht werden, die vielleicht etwas ernsthafter zu werten sein dürften, als dieser hier jetzt. Die Tests waren länger, die Fragen viel komplexer (zB gab es viel mehr Fragen zum räumlichen Vorstellungsvermögen), und am Ende rauchte mir wirklich der Kopf. Das Ergebnis lag irgendwo in den höheren 120ern, genau weiß ich es nicht mehr. Das Thema Hochbegabung war damit auch wieder vom Tisch, da ich knapp unterhalb des Grades lag, ab dem Hochbegabung bescheinigt wurde. Wie auch immer.

Mir juckte es heute in den Fingern, und ich habe diesen Online-Test erneut gemacht, hierbei habe ich allerdings absichtlich falsche Antworten gegeben (wobei vermutlich auch ein paar richtige drunter gewesen sein können, da ich nicht wusste, was wirklich richtig und falsch war, und nur nach bestem schlechtesten Wissen und Gewissen geantwortet habe). Das Ergebnis war seltsam. 104. Das bedeutet, dass man, selbst mit einem komplett strunzdämlichen Ergebnis immer noch minimal klüger sein sollte, als der Großteil der Bevölkerung. (Falls ihr es noch nicht wusstet: Der IQ ist ein relativer Wert, und ist so kalibriert, dass 100 der durchschnittlichen Intelligenz der Grundmenge entspricht, bzw. dem Scheitelpunkt der Normalverteilungskurve).

Dieses Ergebnis überraschte mich schon, und lässt mich rätselnd zurück, auf welcher Grundlage das fußt. Ich habe mehrere Theorien:

  • Der Test ist scheiße programmiert, und geht davon aus, dass jemand, der alle Fragen komplett falsch beantwortet, einen IQ von 100 besitzt.
  • Der Test basiert nicht auf einer Durchschnittsgrundmenge der kompletten Bevölkerung, sondern nur auf der Grundmenge aller Probanden, die exakt diesen Test gemacht haben. Dies würde allerdings bedeuten, dass ein extrem großer Teil der Probanden wirklich so unfassbar dumm sind, und diesen Test falsch gelöst haben, dass sogar nur 10% richtige Antworten direkt für einen “positiven” IQ sorgen.
  • Der Test ist viel zu einfach, und die Grundmenge ist zu klein, sodass der IQ nicht ordentlich kalibriert wurde, und sich die Entropie der Ergebnisse erst noch generieren muss.
  • Die Ergebnisse sind völlig willkürlich gewählt

Wie auch immer, man sollte solche Tests also nicht allzu wörtlich nehmen. Der IQ an sich ist ja auch kein absoluter Wert, wie zB die Blutgruppe, sondern kann sich durchaus verändern, je nachdem wie sich die Gesamtintelligenz der Bevölkerung ändert. Letztendlich ist “Intelligenz” ein dermaßen abstrakter Begriff, dass man ihn so gut wie gar nicht messen, oder vergleichbar aufstellen kann. Jemand sagte einst:

Das einzige, was IQ-Tests wirklich stichhaltig messen, ist die Fähigkeit der Probanden, exakt jenen Test korrekt auszufüllen.

In diesem Sinne…

7. August 2014 | | Allgemein | 6 comments

Der Anlass, der mich zum Schreiben dieses Artikels brachte, war die Tatsache, dass die Empöreria momentan ihre nächste Sau durchs virtuelle Dorf treibt. Es handelt sich um folgendes Bild: Türhänger
Wie zu erwarten, ist das Geschrei groß. Nationalismusförderung und so.

Ungeachtet der Tatsache, dass man nicht genau weiß, ob “alle anderen” sich nun auf alle Nicht-Schland-Fans oder auf Nicht-Deutsche bezieht, wird dieses Bild von User zu User weitergereicht, und jeder schreibt dazu, wie scheiße er es findet.

Und während ich so über solche Tweets rüberscrolle, wird mir klar, was mich an solchen Empörwellen am meisten stört: Es interessiert, bis auf die Empörten an sich, keine Sau. Es bringt einfach nichts.

Während ein Tweet, der gegen den Typen hasst, der vor einem auf der Autobahn schleicht, ja durchaus noch einen Sinn hat, schließlich betrifft es einen unmittelbar, entbehrt eine solche Empörwelle jeglichen Sinnes. Ohne Twitter hätte man von diesem Türhänger nichts mitbekommen, man äußert sich schlecht über diesen Türhänger, und morgen, spätestens Freitag, ist die Sache schon wieder vergessen. Aber bis da hin muss der unbeteiligte Twitterer von über 9000 Leuten das selbe Foto in die Timeline gespült bekommen, zusammen mit unfassbar tiefreichenden Kommentaren wie “WTF”, “Das’n Fake oder?”, “Ich will das nicht”, “Not my Bravo Sport” usw. Spätestens nach dem zweiten Tweet sollte man die Nachricht verstanden haben: Es gibt Leute, die das Ding eher ungeil finden. Und was tut die Bravo? Nichts. Sie gibt keinen müden Fick. Was sollte sie auch tun? Die Zeitschriften liegen eh schon beim Händler, und sie werden sie deswegen kaum zurückrufen.

Was unterm Strich also bleibt: Ein paar Leute, die es unfassbar geil finden, sich zu empören, und ihr eigenes Gewissen damit bereinigt haben, eine Message die transportiert wurde, die aber, da es immer die ewig gleichen Empörten sind, auch schon vorher klar stand, und einige genervte Twitterer, die das gleiche Foto wieder und wieder in ihrer Timeline auftauchen sehen.

Ich zitiere hier mal Jan Fleischhauer, der zu der ebenfalls heute erfolgten, und keinen Deut mehr sinnvollen Empörung über Dirk Niebels neuen Lobbyistenjob folgendes schrieb:

Auch hier das gleiche: Dirk Niebel an sich ist die ganze Empörung ziemlich wumpe, das de facto einzige Resultat ist eine unglaubliche Genervtheit.

Der einzige Trost, den der Türhänger gegenüber Dirk Niebel hat: In 10 Tagen ist die Fußball-WM auch schon wieder vorbei, und das ganze Schland-Getue hat für zwei Jahre Pause. Obwohl…es gibt ja dann die Bundesliga. Wann da wohl die ersten Empörungswellen kommen, dass sich Dortmunder Fans abfällig über diesen blauweißen Fußballverein aus Gelsenkirchen geäußert haben?

Leute, ein Sportturnier zwischen mehreren Nationen schürt, bzw. verlangt immer etwas Rivalität zwischen den Teilnehmern, also der Nationen an sich. Deal with it. Solange das friedlich im Rahmen eines Sports passiert, und nicht in die Benutzung von Waffen eskaliert, dürfte es kaum Personen geben, die das wirklich stören dürfte. Es sind wenige Wochen im Jahr, und wenn’s euch auf den Sack geht, dann vermeidet solche Ereignisse, so gut es geht. Falls ihr das nicht so gut könnt, bin ich gerne bereit, euch dabei zu helfen. Ich kriege es nämlich momentan ganz gut hin. Aber geht nicht dauernd anderen Leuten damit auf den Sack.

Vielen Dank.

Und wer trotzdem noch weiteren Stoff zum Empören braucht, und sich sicher sein will, dass seine Empörung auch nirgendwo nur das kleinste bisschen Anklang findet: Die Wendy ist sexistisch. Welche Zeitschriften sollen denn bitte Jungs lesen, die gerne reiten? Bitte, gern geschehen.

3. Juli 2014 | | Allgemein | 1 comment

Meine Twitter-Timeline, zumindest der Teil, der noch irgendwas mit so einer lächerlich kleinen Splitterpartei namens Piraten zu tun hat, dreht gerade völlig am Rad.

Stein des Anstoßes ist: In Duisburg haben die Bürger unter anderem Nazis in den Stadtrat gewählt, und die Duisburger Politelite will ein entsprechendes Manifest verfassen…aber lest selbst.

Und entgegen der Hysterie, die gerade ausbricht, stimme ich den Duisburger Piraten zu. Und stehe damit offenbar allein auf weiter Flur.

Es soll hingeschrieben werden, was sowieso schon selbstverständlich ist. Auswirkungen hat das keine, maximal vielleicht das Beruhigen des eigenen Gewissens. Das Problem bei der Wurzel zu fassen ist offenbar verpönt, Symptome zu behandeln ist ausreichend.

Ferner scheint der Zweck offenbar die Mittel zu heiligen. Man bittet die Medien, nur noch über bestimmte Themen zu berichten, keineswegs aber über Nazis.

Nun. Das kann man sehen, wie man will. Ich sehe es so: Wenn die Duisburger ihre Interessen von Nazis am ehesten vertreten sieht, dann sollte die Politik das verfickt nochmal akzeptieren. Wo kämen wir denn hin, wenn die Politik besser als das Volk weiß, was gut für es ist?
Und wenn die Medien über die Nazis schreiben wollen, oder bereit sind, Leserbriefe o.ä. aus der rechten Ecke abzudrucken…bitte. Wo kämen wir denn hin, wenn die Politik den Medien vorschreiben könnte, was sie drucken dürfen, und was nicht?

Anstatt die Symptome zu behandeln (Nazis lieber totschweigen, lieber das eigene Gewissen mit leeren, selbstverständlichen Floskeln zu beruhigen) sollte die Stadt jetzt lieber hingehen und anpacken. Wie ein psychisch- oder Suchtkranker erkennen, und eingestehen, dass man ein Naziproblem hat. Und dann die nächsten 5 Jahre verdammt nochmal den Arsch hochbekommen, und den Bürgern eine Politik bieten, dass diese nicht mehr zu den Rechten abwandern. Das werden 5 schwere und komplizierte Jahre, aber das Ergebnis dürfte weitaus nachhaltiger sein als so ein Drumherumgedruckse.

Und meine maßlose Enttäuschung kommt daher, dass viele Piraten diese vorgeschlagene nachhaltige Politik verurteilen, und lieber nur kurzfristig die Symptome unter den Teppich kehren wollen.

Ist das wirklich noch die gleiche Partei, die 2009 so gegen Zensursula gewettert hat, weil die von ihr vorgeschlagenen Stoppschilder nur das Problem ausblenden, aber nicht aus der Welt schaffen, und dabei sogar noch gefährlich in die Presse- und Informationsfreiheit einzudringen drohten? Dass sie viel eher das Gewissen der Funktionäre beruhigen würde, anstatt den wahren Opfern nachhaltig und umfassend zu helfen?
Die Analogien zu diesem Manifest zu ziehen, dürfte der geneigte Leser selbst schaffen.

Vermutlich ist heute die letzte Hoffnungsglut, die ich für diese Partei noch im entferntesten haben könnte, endgültig erloschen. Das ist nicht mehr die Piratenpartei, die ich damals so schätzte.

Ich habe den Cheatcode für diese Partei gefunden, und damit ist sie für mich endgültig durchgespielt.

Cheatcode?

Ja, in der Tat. Das hysterische Geschrei, was Unionspolitiker vorbringen, wenn es um irgendwelche neuen seltsamen Gesetze geht, beinhaltet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Worte “Denk doch mal einer an die Kinder!” oder aber “Terrorismus!!!11″.
Und das hysterische Geschrei (denn mehr ist es nicht) was die Piraten jetzt so abziehen, wird vor allem von einem Wort geprägt. Nazis. Das scheint mittlerweile als Universalausrede und -begründung für so ziemlich alles herzuhalten, was diese Partei momentan als Realsatire produziert.

Nur dass für mich persönlich der Zweck keineswegs die Mittel heiligt. Und, lieber @plaetzchen, dass ich nicht genau weiß, wieso man Analogien von debattierenden Ratsmitgliedern zu marodierenden Schlägerbanden ziehen kann, muss oder soll. Vergleicht ja auch keiner den guten Gregor Gysi mit den Vollhonks, die Autos anzünden, und Mollis auf russische Botschaften in Schaufensterscheiben werfen, nicht wahr?

Nun. Spielt ihr mal schön eure Bürgerrechtsparteiillusion weiter, und bezichtigt euch gegenseitig als Nazi. Für mich seit ihr maximal noch die CDU mit Internetanschluss. Nur wertloser.

Schade eigentlich.

17. Juni 2014 | | Allgemein | 18 comments

Anfang 2014. @udovetter tritt aus der Piratenpartei aus. Seine Bundestagskandidatur im Herbst 2013 war umstritten, da er als Anwalt auch Nazis verteidigte, und das nicht nur als Pflichtverteidiger. Die Reaktion der Piraten:

Wer mit Nazis zusammenarbeitet, und mit ihnen Geschäftsbeziehungen eingeht, ist sowieso ein böser Antidemokrat und hat in der Piratenpartei nichts zu suchen. Nazianwalt!

Mitte 2014. Das Onlinemagazin jungle-world.com veröffentlicht einen Bericht über Nazis, die vegane Kochshows abhalten, und in ihren Videos auch Club Mate trinken. Die Reaktion der Piraten:

Dass die Brauerei Loscher als Hersteller von Club Mate also in der Vergangenheit über mehrere Mittelsmänner eine Geschäftsbeziehung mit Nazis eingegangen sein muss, und daher nach Piratenlogik eine antidemokratische Vereinigung ist…ja, das ist offenbar völlig egal.

Geht kopfschüttelnd ab

13. Juni 2014 | | Allgemein | 2 comments

Heute beginnt wieder so eins dieser sportlichen Großereignisse. Nämlich die Fußball-WM in Brasilien. Während ich dieses Jahr vermutlich keinerlei Gedanken an dieses Event verschwende, da im Vorfeld einige Aktionen abliefen, die ich unter aller Sau finde, sind viele andere mittlerweile vermutlich längst im Schland-Fieber versunken.

Seit der WM 2006 ist es unter anderem auch Sitte, seinen fahrbaren Untersatz mit entsprechenden Insignien in den Farben der Landesflagge zu schmücken, sprich: Der gemeine Schland-Fan pömpelt sich wieder Fähnchen ins Autofenster und zieht seinen Außenspiegeln entsprechende Überzüge über.

Eine solche Sitte geht aber offenbar einigen Zeitgenossen gegen den Strich, und so werden solche Dekorationsobjekte gerne mal abgerissen, zerstört, oder anderweitig “unbrauchbar” gemacht.

fahne

Hierzu möchte ich kurz meine Meinung kundtun. Direkt mal im Klartext: Ich finde solche Aktionen unter aller Sau.
Die Süddeutsche hat zur Europameisterschaft vor 2 Jahren einen Artikel über solche Insignien, über Patriotismus und Nationalismus geschrieben. Dieser Artikel war für mich aufschlussreich und überraschend (so würde ich mich selbst zwar nicht als Patriot bezeichnen, entspreche aber offenbar der dort erwähnten Definition von Patrioten), und er wird von vielen “Fahnengegnern”, z.B. dem Berliner Piraten @riotbuddha als Argument herangezogen:

Kernaussage des Artikels: Solche Insignien könnten unter Umständen als nationalistische Symbole gewertet werden. Genau so der Text auf dem Flyer auf dem Bild weiter oben. Könnte.

Ungeachtet der Tatsache, dass viele Fans die Dinger ohne böse Hintergedanken appliziert haben, und eventuell einfach nur sich 4 Wochen lang für die deutsche Nationalmannschaft freuen wollen, wird direkt die Moralkeule herausgeholt, dass solche Fähnchen ein Symbol des Nationalismus sein könnten. Und damit wird versucht, Sachbeschädigungen und Vandalismus (es bleibt ja im Grunde das Zerstören fremden Eigentums) zu legitimieren. Gehts noch?

Ich möchte hier keineswegs bestreiten, dass Nationalismus eine Bewegung/Gedankengut/Whatever mit dubios-zweifelhaften Auswüchsen ist. Darüber muss man sich nicht streiten. Was mir aber auf den Sack geht, ist das Pauschalisieren á la “Alle Leute mit Fähnchen am Auto sind pöhse Nadsis !!ELF”.

Sollten einige Fahrer dieser Autos wirklich Nazis sein, und in ihrer Freizeit Ausländer verkloppen, dann werdet ihr sie sicherlich nicht dadurch stoppen, dass ihr deren Fähnchen von den Autos runterreißt. Im Gegensatz, es provoziert nur, und steigert die Spirale der Gewalt.

Sollte das Anbringen einer solchen Fahne am Auto wirklich gegen irgendein Gesetz oder eine Verordnung widersprechen, gibt es den Trachtenverein in grün/blau, dessen Job es ist, sich darum zu kümmern. Dat is in einem Rechtsstaat halt so, dass die Exekutive einer bestimmten Gruppe überlassen wird, und nicht jeder schalten und walten darf, wie er möchte. Das nennt sich Selbstjustiz, und ist in einer modernen Gesellschaft genau so ungerne gesehen wie irgendwelche braune Gehirngrütze.

Und nun zum präventiven Charakter. Solche Fähnchen könnten den Weg zum Nationalismus ebnen, also lieber zerstören. Den essentiellen Knick in eurer Logik merkt ihr hoffentlich selbst irgendwann. Lasst mich mal eine Äquivalenz bilden: Küchenmesser könnten benutzt werden, um Menschen zu verletzen oder zu töten. Stattdessen werden sie nicht verboten, sondern Messer werden lediglich reglementiert (nach Klingenlänge, etc.) und stattdessen auf die Vernunft der Leute gesetzt. Wisset, das Anbringen solcher Insignien wird auch durch die StVZO reglementiert, um akute Gefährdungen zu vermeiden. Erwachsenen Leuten den Zeigefinger vorzuhalten, und ihnen detailliert vorzuhalten, was erlaubt und was verboten ist, versuchen die Grünen immer mal wieder, und ernten dafür Spott und Häme.

Einst, als die Piratenpartei noch eine echte Partei war, und kein in sich selbst verstrittener Kindergarten, war eine gute Definition am kursieren:

“Die Freiheit des einzelnen hört da auf, wo die Freiheit von anderen angegriffen wird.”

Die Freiheit der Schland-Fans, ihre Autos mit Fähnchen, etc. zu beschmücken, hört also genau da auf, wo die Freiheit anderer angegriffen wird. Und nun sagt mir, wie genau wird wessen Freiheit angegriffen, indem Autos mit bunten Stofffetzen versehen werden? Ich für meinen Teil fühle mich weder unfrei, noch bedroht. Und selbst wenn, so müsste das weitere Vorgehen mit einer neutralen Stelle abgesprochen werden, die entscheidet, wie es weitergeht. Solch eine Institution auf judikativer Ebene nennt sich “Gericht” und ist offen für jeden.

Stattdessen zeigt die autofähnchenkritische Empöreria ein Verhalten, was trotzig und kindisch ist. Eben genau so “Ich WILL ABER ein Eis dass die Fahnen weg sind”. Man sollte von erwachsenen, denkenden Leuten ein toleranteres Verhalten erwarten dürfen, ganz ehrlich.

Man stelle sich einen Veganer vor, der an einem Sommertag durch die Parks geht, und die Grills der dort sitzenden Gruppen umschmeißt. Tut auch keiner, weil es niemandem nützt. Die Tiere sind ja schon tot.
Genau so diese Fähnchen-Nationalismus-Diskussion. Nazis gonna nazi, das wird auch nicht schlimmer, wenn Leute mit Fähnchen rumfahren, und auch nicht besser, wenn ihr die Fahnen abreißt.

Oho. “Wehret den Anfängen”. Yo. Wehret den Anfängen, und unterstützt die NSA bei ihren Präventivmaßnahmen gegen den Terror. Wehret den Anfängen, und sperrt alle Leute weg, die in den letzten Wochen Küchenmesser, Kettensägen oder Bohrmaschinen gekauft haben. Wehret den Anfängen und installiert Teleschirme, die die Wohnungen der Bürger 24/7 überwachen. Wehret den Anfängen, und inhaftiert alle Bürger, die in letzter Zeit ihren Dispo genutzt haben.

Merkt ihr selbst, ne? Und sowas wie euch nennt sich “linkstolerant” und “weltoffen”. Klar, aber nur tolerant gegenüber denjenigen, die genau gleich denken wie ihr. Andere werden verfolgt, ihr Eigentum wird beschädigt, und sie werden direkt als Schergen einer Diktatur aus dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte verunglimpft.

Eure “Du denkst nicht 100% genau wie wir, also bekämpfen wir dich” Mentalität kotzt mich an. Aber macht mal ruhig weiter mit eurer totalen gedanklichen Gleichschaltung.

12. Juni 2014 | | Allgemein | 5 comments

“Neulich hat schon wieder ein Mann eine Frau vergewaltigt. Männer sind Vergewaltiger!!1!1″
– “Eh, aber nicht alle, das kannst du so nicht pauschalisieren.”
– “DERAILST DU ETWA? OMG. Pass auf, was du sagst. #yesallwomen
– “Hm, ja, vermutlich hast du recht. Übrigens, ich traf letztens eine dumme Frau. Frauen sind so unfassbar dumm.”
– “Eh, aber nicht alle, das kannst du so nicht pauschalisieren.”
– “…”
– “…”

Vermutlich würden viele Missverständnisse gar nicht erst entstehen, wenn man einfach weniger pauschalisiert. Aber “Männer sind Vergewaltiger” ist natürlich griffiger und polarisierender als “Einige Männer haben mal vergewaltigt”.

Tja. Kann man nichts machen. Nicht alle Männer sind Vergewaltiger, aber fast alle Frauen müssen mit der Angst leben, an einen Mann zu geraten, der sie missbraucht. Das steht außer Frage. Dennoch kann ich es gut nachvollziehen, wenn auch anständige Männer nicht mit solchen Ärschen über einen Kamm geschert werden wollen. So einfach ist das.

Anderswo gibt es auch immer #aufschreie, wenn sinnlos polarisiert wird. Ich wohne in einer Gegend, wo viele Südosteuropäer gerne schon morgens an der Ecke rumlungern, und den ganzen Tag nichts machen, außer rauchen, Kaffee trinken und Sportwetten abgeben. Jeder Nordstädter muss damit rechnen, auf solche Leute zu treffen. Aber niemand würde deswegen je auf die Idee kommen, zu sagen: “Südosteuropäer sind faule Säcke” (außer der CDU natürlich). Alle protestieren gegen diese Pauschalisierung und gegen das Scheren von vielen Leuten über einen Kamm, aber niemand bestreitet, dass es nunmal einige schwarze Schafe gibt. Die gibt es überall.

Aber wieso wird bei Ausländern so genau differenziert, bei Männern nicht? Und das sogar von einer Bewegung, die behauptet, für Gleichheit zu kämpfen?
Ach, ich vergaß, im Parteinamen der NPD kommt ja auch das Wort “demokratisch” vor.

Vermutlich ist der Feminismus auch nur so eine Pseudogleichberechtigungsbewegung.

Man weiß es nicht.
Was man aber weiß: Frauen sind dumm, und Rumänen und Bulgaren sind faule Säcke.

Oder?

8. Juni 2014 | | Allgemein | Leave a comment

Ich habe mir kürzlich eine Owntracks- bzw. MosQuiTTo-Instanz auf meinem Server installiert, um einfach mal mitzuloggen, wo ich mich so aufhalte. Bei Bedarf könnte ich das ganze noch zu einer Location-Sharing-Instanz, ähnlich wie Google Latitude aufbohren. Da sich die Installation, gerade mit TLS, nicht so einfach gestaltet hat, möchte ich kurz erläutern, wie ich vorgegangen bin.

  1. Zunächst muss ein MQTT-Broker installiert werden. MQTT ist ein Protokoll, über das kurze Nachrichten, bzw. Statusmeldungen asynchron verteilt werden können. In dem Fall ist das ein Set aus Koordinaten, aber es würden auch andere Sachen gehen, z.B. dass ein Thermometer mit Ethernet-Anschluss immer die aktuelle Temperatur announced, oder dass eine Waschmaschine meldet, dass das Waschprogramm durchgelaufen ist. Diese Nachrichten werden von einem Broker angenommen, und können von dort zur weiteren Verarbeitung abgeholt werden.
  2. Ein verbreiteter Broker ist Mosquitto. Dessen Team stellt freundlicherweise ein Debian-Repository zur Verfügung, von dem die aktuellsten Versionen installiert werden können. Die Einbindung dieses Repositorys, und die Installation von Mosquitto erfolgt so:
    curl -O http://repo.mosquitto.org/debian/mosquitto-repo.gpg.key
    sudo apt-key add mosquitto-repo.gpg.key
    rm mosquitto-repo.gpg.key
    cd /etc/apt/sources.list.d/
    sudo curl -O http://repo.mosquitto.org/debian/mosquitto-repo.list
    sudo apt-get update
    sudo apt-get install mosquitto mosquitto-clients python-mosquitto
  3. Der Broker läuft nun mit den Standardeinstellungen, und muss nun konfiguriert werden. Dafür stoppen wir ihn erstmal: sudo /etc/init.d/mosquitto stop
  4. Es wäre angebracht, wenn die Verbindung des Smartphones mit dem Broker verschlüsselt über TLS erfolgt. Hierfür müssen erst einmal die notwendigen Schlüssel erzeugt werden, und aufs Smartphone importiert werden. Mosquitto empfiehlt hierbei das Initialisieren einer eigenen Certificate Authority (CA), da nur die Clients, die das CA-Zertifikat haben, sich auf den Broker verbinden können. Da Mosquitto sonst noch keine weiteren Auth-Mechanismen mitbringt, ist das die einzige Form der Zugriffskontrolle, die Mosquitto bisher mitbringt. Unter Debian existieren bereits einige Verzeichnisse für die Keys und Zertifikate, die aber noch befüllt werden müssen.
    cd /etc/mosquitto/ca_certificates
    sudo openssl req -new -x509 -days 3650 -extensions v3_ca -keyout ca.key -out ca.crt
    cd /etc/mosquitto/certs
    sudo openssl genrsa -out server.key 2048
    sudo openssl req -out server.csr -key server.key -new
    sudo openssl x509 -req -in server.csr -CA /etc/mosquitto/ca_certificates/ca.crt -CAkey /etc/mosquitto/ca_certificates/ca.key -CAcreateserial -out server.crt -days 3650

    Ihr habt nun ein CA-Zertifikat samt Key und ein Server-Zertifikat samt Key, die beide 3650 Tage (10 Jahre) lang gültig sind. Bei Bedarf könnt ihr die Parameter natürlich anpassen.
  5. Nun gilt es, Mosquitto ordentlich zu konfigurieren. Er wird danach TLS nutzen, loggen, und einmal auf dem Standardport auf localhost lauschen, und einmal auf dem Port für den Owntracks-Client auf jede IP.
    vim /etc/mosquitto/conf.d/default.conf
    # Hier folgendes reinpasten
    autosave_interval 1800
    connection_messages true
    log_dest stderr
    log_dest topic
    log_type error
    log_type warning
    log_type notice
    log_type information
    log_type all
    log_type debug
    log_timestamp true
    listener 1883 127.0.0.1
    listener 8883
    tls_version tlsv1
    cafile /etc/mosquitto/ca_certificates/ca.crt
    certfile /etc/mosquitto/certs/server.crt
    keyfile /etc/mosquitto/certs/server.key
    require_certificate false
    Nun kann der Broker wieder gestartet werden.
    /etc/init.d/mosquitto start
    Wie gesagt, er hat keine unfassbar tollen Auth-Mechanismen, d.h. theoretisch könnte jetzt Jedermann Nachrichten an den Broker schicken. Solang die aber nicht weiter verwertet werden, verwirft der Broker die dann irgendwann wieder.
  6. Nun geht’s ans konfigurieren der Clients. Wie das im Genauen funktioniert, ist von Client zu Client unterschiedlich. Ihr braucht in jedem Fall das ca.crt, was in /etc/mosquitto/ca_certificates gespeichert ist. Dies muss in euer Smartphone importiert werden. Der anzugebende Hostname ist die IP oder FQDN eures Servers, der Port ist die 8883. Als Kanal nehmt ihr /owntracks/username/devicename oder so etwas. Die Wurzel muss “owntracks” heißen, da das Script zur Weiterverarbeitung nachher davon ausgeht. Der Client sollte, zumindest auf iOS unten rechts ein grünes Icon anzeigen. Um zu prüfen, ob der Broker Nachrichten bekommt, könnt ihr folgenden Befehl ausführen: mosquitto_sub -h localhost -p 1883 -v -t 'owntracks/#'. Ihr habt nun alle Nachrichten abonniert, die über den Owntracks-Kanal reinkommen. Sollte euer Smartphone die Location erfolgreich an den Broker senden, seht ihr das jetzt.
  7. Kommen wir nun zum letzten Punkt der Installation. Ein Backend, was sich die Daten aus dem Broker abholt, und persistent in einer MySQL-Datenbank speichert. Hierfür benötigt ihr Python, was Debian aber in der Regel schon mitbringt, sowie git, um den Code des Backends auf euren Server zu klonen.
    git clone https://github.com/owntracks/backend
    cd backend/m2s
    rm peewee.py
    pip install peewee
    sudo apt-get install python-mysqldb

    In eurer MySQL-Datenbank solltet ihr nun einen User für Owntracks anlegen, am besten direkt mit zugehöriger Datenbank, und die Werte dann in settings.py eintragen (unter #Storage). Die Werte unter #Broker müsst ihr nicht anpassen, falls ihr dieser Anleitung gefolgt seit, aber man könnte hier theoretisch einen anderen Kanal, sowie einen anderen Hostnamen und Port eintragen.
    Die beiden anderen Plugins, weather und revgeo bevölkern die Datenbank überdies mit dem aktuellen Wetter, sowie der regulären Postadresse für jede Location. Die Struktur der Datenbank wird mit python dbschema.py angelegt, und dann kann man das Backend mit python m2s.py & starten und in den Hintergrund schicken. Eure Datenbank wird sich nun füllen.
  8. Zum Abschluss noch ein Hinweis: Nicht Location und Waypoints verwechseln. Locations werden kontinuierlich aufgenommen (je nach Clienteinstellung), Waypoints sind quasi Locations mit Anmerkungen, die ihr z.B. sharen wollt oder so. Nach meiner Logik müssten beide Typen genau andersherum heißen, aber nun wisst ihr’s ja.

Was ihr nun mit dem funktionierenden MQTT-Location-Node macht, ist euch überlassen. Ihr könntet ihn mit anderen Nodes bridgen, und den Leuten auf dem anderen Node folgen. Oder einfach weitere Freunde in euren Node einladen. Oder schicke Sachen mit den Daten im Backend machen (guckt euch z.B. mal gpxexporter.py an). So oder so: Viel Spaß. ;)

4. Mai 2014 | | IT | Leave a comment

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