Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Mar 16, 2009

DRM ist tot, es lebe das DRM?

Im laufe der letzten Woche hat ein uns allen recht gut bekannter Elektronik-Hersteller mit einer Baumfrucht als Firmenlogo sich mal wieder recht souverän ins Bein geschossen.

Um mal weit auszuholen: Vor 25 Jahren hat eine kleine aufstrebende Firma zum Erscheinen ihres neuen Computermodells folgenden, mittlerweile legendären Werbespot veröffentlicht:

Apple als Gegenkraft, die das System zerschlägt und mit seinen Produkten Freiheit und Zufriedenheit verspricht. Ja, das gefällt doch.

Das ganze ging auch einige Zeit recht gut klar. Um genau zu sein, 23 Jahre. Anfang Januar 2007 wurde das iPhone vorgestellt, und mit ihm die bekloppteste Softwareplattform seit Erfindung der Planwirtschaft. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Sache mit dem MacBook Air Superdrive auch. Ganz zu schweigen von dem neuen MacBook Pro Akku.

Vor ungefähr einer Woche hat Apple die nächste große Lachnummer veranstaltet. Getreu dem Grundsatz “Perfekte Dinge kann man nicht mehr verbessern”, hat es dem iPod Shuffle mal eben so eine massive Verschlechterung verpasst.

Nur mal kurz zum Anreißen: Der neue Shuffle hat keine Bedienelemente, sie sind im Ohrhörerkabel verstaut. Im original Ohrhörerkabel, wohlgemerkt.

Der Shuffle hat nun eine Voice-Over-Funktion, mit der eine monotone Computerstimme den Titel des aktuellen Lieds vorlesen kann, und so jegliche Emotionen dieses Liedes ausradieren kann. Natürlich wird bei dieser Funktion zwischen Mac- und Windows-iTunes unterschieden. Wir wollen ja nicht, dass Windows-User mit ihrer neu erworbenen Hardware glücklich werden, sondern geben ihnen nur eine noch schäbiger klingende Stimme.
Dass die Linuxer da ganz außen vor bleiben, ist selbstverständlich. Natürlich darf eine potenziell virenverseuchte OpenSource-Software nicht die Fähigkeit erlangen, die heilige VoiceOver-Funktion zu nutzen.

Soviel dazu.

Was mich aber da doch noch etwas mehr auffällt, ist diese “Fernbedienung-in-Kabel”-Geschichte. Der alte Shuffle war seine eigene Fernbedienung, der neue hat eine externe. Und wie sieht die Fernbedienung eines winzigkleinen MP3-Players aus? Natürlich noch winzigkleiner. Es gibt nur 3 Knöpfe. Laut, leiser, und einen Multifunktionsknopf, mit dem man mit Kombinationen aus Drücken, Warten, Loslassen, Erneut drücken und laut fluchen das Ding komplett steuern kann. Samuel Morse lässt grüßen.

Wieso sie jetzt da noch diese schäbige Metalllbox am Kabel hängen haben, ist mir schleierhaft. Eine reine In-Ear-Lösung wär doch viel besser. Bei rund 4GB Speicherplatz, also 1000 Songs braucht es nur einen handelsüblichen Boxkampf des Hörers mit sich selbst, bis er genug Ohrwatschn bekommen hat, dass der Shuffle das gewünschte Lied abspielt. Welches Lied es dann ist, kann man sich ja immer noch schön zwischendurch ansagen lassen, sodass ein Liedwechsel nur 10 Sekunden dauert. Topsache, in nur 10000 Sekunden und einer wunden Fingerkuppe habe ich dann das gewünschte Lied gefunden.

Was aber, wenn mir die Plastikschremmeln- hochqualitativen mitgelieferten Ohrhörer nicht gefallen, und ich lieber ein anderes Modell hätte, oder den iPod mal an meine Autoanlage anschließen möchte? Ganz einfach: Is nich.

Nach der Neuvorstellung gab es zwar genug Spekulationen, dass es da bestimmt Adapterstücke geben wird, die man dazwischen stecken kann, und dennoch lustig telegrafieren kann.

Aber abgesehen, dass man dann für einen 4GB-MP3-Player ohne Display aber mit jeder Menge Zubehör um die 150€ bezahlen muss (für 150€ gibt es einen iPod Nano mit Display und doppelt so viel Speicher), kam heute die News rübergeschwappt, dass man das technisch eh nicht machen kann.

Laut ifixit, die das Ding heute mal demontiert haben, hat Apple nach der groß gefeierten Abschaffung des DRM im iTunes Store einen neuen Weg gefunden, wieder ordentlich Geld zu scheffeln. Jeder iPod-Shuffle-3.Generation-Ohrhörer hat nämlich einen kleinen Chip, Modell 8A83E3 eingebaut.

Eine schnell angeworfene Recherche bestätigt den Verdacht: Der iPod prüft, ob jegliches angeschlossene Ohrhörerzubehör diesen Chip eingebaut hat. Und erst, wenn dies der Fall ist, nimmt er seinen Dienst auf.
Und Apple Incorporated ist natürlich nicht so doof, und verteilt die Chips freizügig an die Zubehörhersteller. Nee, entweder die latzen kräftig drauf, oder der Shuffle kriegt in seinem ganzen erbärmlichen Leben nur ein Paar weiße Dinger zu sehen, deren Gummiüberzug sich in der 3. oder 4. Betriebsstunde verabschieden wird.

Damit nimmt Apple den Usern jegliches Recht, sich ihre Hardwarekonfiguration selbst zusammenzustellen.

Ich weiß nicht, was die Jungs damit bezwecken, aber es nervt. Und aus diesem Fall werde ich mir jetzt weder einen Shufffle 3.Gen oder nen Shuffle 2.Gen kaufen, auch wenn ich den 2. doch recht sexy finde. Aber so viel Arroganz muss gestraft werden.

Möge der neue Shuffle der neue Ladenhüter werden.