Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jan 5, 2010

Nieder mit dem Körperscanner, es leben die Voyeurismusmaschinen

Momentan kocht es ja schon ziemlich hoch, diese Diskussion um die Nacktscanner.
Mal eine kurze Zusammenfassung:

Vor gut 7 Monaten tauchte der Begriff zum ersten Mal auf, als eine neue Technik des Körperscans durch Terahertzwellen bekannt wurde, die, anders als z.B. Röntgenstrahlen, für den menschlichen Körper weitaus ungefährlich sein sollte. Die Tatsache, dass diese Technik zwar Kleidung, aber sonst nicht sehr viel durchdringt, hat dazu geführt, dass man entsprechende Abtastgeräte auf Flughäfen oder sonstigen sicherheitsrelevanten Bereichen aufstellt. Statt einer Abtastung durch Beamte sollte nur eben schnell gescannt werden, und verdächtige Erscheinungen ausgesondert werden.

Das Problem dabei war, und ist auch immer noch, dass man mit dieser Scantechnik die Person quasi “nackt” darstellt. Die Elektronik rendert quasi ein 3D-Modell des Körpers, zwar ohne Haare, aber trotzdem mit bis zu 1mm Genauigkeit. Dieser massive Eingriff in die Privatsphäre wurde sogar vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang “Big Brother” Schäuble abgelehnt.

Soweit sogut.

Am 26.12.2009 allerdings, versuchte ein Nigerianer, ein Flugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit in die Luft zu sprengen. Er hatte dazu Sprengstoff in seiner Unterhose eingenäht, und wollte diesen im Flugzeug zünden. Glücklicherweise ist sein Vorhaben gescheitert.
Jedoch hat dies dazu geführt, die ganze Debatte um Nacktscanner wieder zu entfachen. Sie wären ja absolut praktisch, und könnten jetzt sogar die Intimbereiche ausblenden. Wohlgemerkt, könnten.

Der Knackpunkt an der Sache ist, dass diese Scanner mehr Schaden anrichten, als Nutzen. Es gibt bestimmt genug Leute, die nicht möchten, dass ihre Intimpiercings oder Prothesen, oder andere Sachen, zB künstliche Darmausgänge an die Öffentlichkeit gelangen.
Dazu kommt, dass ein solcher Scanner den Sprengstoff des Attentäters auf dem Detroitflug gar nicht erkannt hätte.

Vielmehr hätten die Sicherheitsbeamten stutzig werden müssen, weil das Visum des Nigerianers nicht mehr für die USA gültig war, und er sogar aktenkundig war. Sind sie aber nicht. Und die Politik versucht jetzt, menschliches Versagen mit öffentlichkeitswirksamer Pressearbeit zu vertuschen.

Ich kann mir aber schon denken, dass ein Terrorist, der das Flugzeug ohnehin mit den Absichten besteigt, es nicht mehr lebend zu verlassen, sich noch andere Verstecke ausdenken könnte. Wenn Sprengstoffgürtel am Körper zu auffällig sind, wieso nicht eine Sprengstoffkapsel schlucken, oder einoperieren lassen? Kann man ja als künstlichen Darmausgang tarnen, der vom Scanner zwar bemerkt wird, aber von den Beamten ignoriert wird.

Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass jetzt sämtliche Flugreisenden unter Generalverdacht fallen, und sich ausnahmslos alle einer virtuellen Leibesvisitation unterziehen lassen müssen, die nicht nur in 99,9% aller Fälle überflüssig ist, sondern auch menschlich entwürdigend ist.

Hinzu kommt, dass es in Großbritannien schon Bedenken gibt, ob das Scannen von Minderjährigen nicht als Kinderpornografie eingestuft werden könnte.
Den Vogel abgeschossen hat allerdings unser Innenminister de Maziére, der schon anfing, gegen Duty-Free-Shops zu wettern. Es “könne ja nicht sein, dass Fluggäste vor der Security ihre Shampoos abgeben müssen, um dahinter dann in den Shops potenziell gefährliche Stoffe kaufen zu können”.
Bei diesem “potenziell gefährlich” hat sich mir persönlich der Magen umgedreht. Wenn Duty-Free-Shops so gefährlich sind, dann frage ich mich, wieso im Restdeutschland Autohäuser, Küchenzubehörläden und Baumärkte noch geöffnet haben dürfen.
Ganz zu schweigen von den CD-Läden. Ein Splitter einer zerbrochenen CD kann eine potenzielle Gefährdung darstellen.
Und sogar die Kuscheltierläden…damit kann man Leute ersticken.

Ich frage mich, wie es die Flughafensecurity sehen würde, wenn man sich in der Warteschlange zum Check komplett entkleiden würde. Schließlich wird man mich ja auf dem Scanner genau so sehen. Falls ich dann Stress wegen der Erregung öffentlichen Ärgernisses kriegen sollte, könnte man ja mal versuchen, die Security wegen Voyerismus und sexueller Belästigung dranzukriegen. Schließlich verlangen die ja von uns Normalbürgern, dass sie uns nackt sehen wollen.