Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Feb 4, 2010

Kostenlose MobileMe Alternativen

Wer mehrere Computer besitzt, dazu vielleicht noch ein iPhone oder einen iPod touch, der kennt das Problem: Wie hält man alle Geräte synchron? Sowohl was Dateien als auch andere Daten angeht?
Apple scheint hier eine Lösung anzubieten: Für 79€ im Jahr kann man sich eine MobileMe Mitgliedschaft kaufen, und damit auf eine Vielzahl von Sync-Services zugreifen, um seine Rechner und Mobilgeräte synchron zu halten.

Doch MobileMe hat nicht nur Fans. Der Dienst hat seine Server in den USA, und so kommt es, dass die Übertragungsgeschwindigkeiten aus Europa langsam und zäh sind. Die Erreichbarkeit ist, vor allem seit es nicht mehr .Mac sondern MobileMe heißt, durch technische Probleme immer wieder eingeschränkt. Viele Features können nicht wie angepriesen genutzt werden. Trotzdem ist dieser Dienst tief im Mac OS X verankert und springt dem Benutzer penetrant ins Auge.

Ich war auch einmal Kunde von MobileMe, für ca. 2 Jahre, dann hatte ich auch die Nase voll, dass ich für schlechten und langsamen Service doch ziemlich viel Geld zahlen sollte, und habe begonnen, mich nach kostengünstigeren Alternativen umzusehen. Mein Hauptaugenmerkt lag auf folgenden Features:

  • Email-Sync über IMAP, am besten noch mit Push
  • Kalender-Sync
  • Sync von Browser-Bookmarks
  • Die Synchronisation von Kontakten
  • Online-Speicherplatz, um auch Dateien synchron zu halten

MobileMe bietet noch weitere Features an, die aber nicht zu allen Geräten kompatibel sind (iPhone Lokalisation), oder in meinen Augen extrem leichtsinnig sind (Online-Speichern von Passwörtern), oder aber schlichtweg keinen Sinn machen (Sync der Programmeinstellungen – auf einem Desktop und einem Mobilgerät haben Programme meistens eh andere Einstellungen).

Daher habe ich mein Augenmerk auf die obige Liste gelegt. Ich fing an, mich um die Mails, die Kontakte und die Kalender zu kümmern. Alle 3 Daten werden nämlich auch durch Microsoft Exchange verarbeitet, sodass auf allen Plattformen eine einfache Einrichtung gewährleistet ist. Nur – wer bietet mir einen solchen Exchange-Server für schmales Geld, nach Möglichkeit umsonst an? Die Antwort lag nahe: Google. Durch die Tatsache, dass ich dort sowieso schon länger einen Account hatte, wollte ich ihn auch komplett ausnutzen. Welcher andere Dienst verteilt schon über 7GB Online-Speicherplatz für lau?

Zuallererst benötigt man einen Google-Account. Früher bekam man sowas nur per Einladung, mittlerweile kann man ihn sich ohne Probleme hier registrieren.

Nun kümmern wir uns erst einmal darum, dass die Daten des Rechners, in diesem Fall ein Mac, korrekt in die Datenwolke ( = Cloud) übertragen werden. Dazu muss erst einmal der IMAP-Zugriff im Webinterface von Google Mail aktiviert werden. Im Webinterface klickt man zunächst auf “Einstellungen” und dann auf Weiterleitung und POP/IMAP. Dann aktiviert man die Optionsfelder nach folgendem Schema (eventuell sind noch nicht alle Einstellungen sichtbar, dazu mehr im nächsten Absatz):
IMAP-Einstellungen

Da Google Mail mit den verwendeten Labels nicht unbedingt den IMAP-Spezifikationen entspricht, sollte man noch anpassen, was bei IMAP-Zugriff erscheint. Hierzu muss eine Erweiterung installiert werden, welche momentan noch experimentell über Google Labs angeboten wird. Sie wird über das grüne Reagenzglas in der Menüleiste des Webinterfaces erreicht:

In den Labs aktiviert man die Erweiterung “Erweiterte IMAP-Steuerelemente”. Danach gibt es in der Einstellungs-Registerkarte “Labels” pro Label eine neue Option, “In IMAP anzeigen”. Es empfiehlt sich, diese Option für alle System-Labels abzuschalten.

Nun hat man seinen Google Account ausreichend konfiguriert, um mit der Einrichtung der Client-Programme fortzufahren. Zunächst einmal das Mail-Programm, in diesem Fall Apple Mail. Die Einrichtung von Thunderbird ist äquivalent, zu Microsoft Outlook, bzw. Exchange komme ich später.

Im Mailprogramm öffnet man nun die Einstellungen, klickt auf Accounts, und dann auf “Hinzufügen”. Wenn man nun seine Mailadresse eingibt, schlägt das Mailprogramm eine automatische Einrichtung vor. Dieser Haken muss entfernt werden, da man sonst nur über POP3 auf sein Postfach zugreifen kann, und keine Snychronisationsmöglichkeiten hat.

Zum manuellen Einrichten klickt man sich nun durch den Assistenten, und verwendet folgende Daten:

  • Benutzername: Vollständige Mailadresse, samt gmail.com oder googlemail.com
  • Posteingangsserver: imap.google.com
  • Postausgangsserver: smtp.google.com
  • Postausgangsserver erfordert Authentifizierung: Ja
  • Port für Posteingangsserver: 993 mit SSL
  • Port für Postausgangsserver: 465 mit SSL

Wenn man alles richtig gemacht hat, fängt das Mailprogramm nun an, die Emails vom Server herunterzuladen.
Dieses Prozedere wiederholt man nun an allen Computern, die mit dem Mail-Account synchronisiert werden sollen.

Als nächstes muss das Adressbuch synchronisiert werden. Das geht recht einfach, man öffnet einfach die Einstellungen des Adressbuchs und aktiviert folgende Option:

Hinter dem Button auf der rechten Seite gibt man noch seine Google Zugangsdaten ein (auch wieder mit googlemail.com), und der Sync beginnt. Wenn man nun dies bei allen anderen Adressbüchern aktiviert, sollte man wissen, dass der Sync andere Daten, die nichts mit Google zu tun haben, nicht löscht, sodass Einträge doppelt vorhanden sein können. Beim nächsten Sync werden aber alle Daten, auch die doppelten, wieder hochgeladen. Am besten ist es daher, das Adressbuch vorher zu leeren (Backup nicht vergessen!).

Da Google Contacts kein offenes Protokoll nutzt, müssen Windows- und Linux-User wieder auf Exchange zurückgreifen. Doch dazu, wie gesagt, später.

Das letzte Themengebiet von Exchange ist der Kalender. Hierzu bieten sowohl Google Calendar als auch iCal die CalDAV-Schnittstelle an.

In iCal ist sie in den Einstellungen unter “Accounts” zu erreichen. Hierzu nimmt man folgende Daten:

  • Beschreibung: Beliebige Beschreibung
  • Nutzername: Wieder die vollständige Mail-Adresse
  • Passwort: Das zugehörige Passwort

Im Register “Servereinstellungen” muss nun eine URL eingetragen werden. Sie sieht folgendermaßen aus: @https://www.google.com/calendar/dav/USERNAME@gmail.com/user@, wobei USERNAME natürlich durch den jeweiligen Usernamen ersetzt werden muss.

Der einzige Nachteil an CalDAV gegenüber dem MobileMe-Protokoll ist, dass abonnierte iCal-Feeds nicht mitsynchronisiert werden.

So, und nun zu dem ganzen Exchange-Kram. Der auch benötigt wird, um die Mobilgeräte von Apple zu synchronisieren. Google bietet nämlich für seine Services einen Exchange-Layer an, über den einfach zugegriffen werden kann. Dieser Layer kann auch benutzt werden, wenn man es vorzieht, auf seinem Mac mit Entourage zu arbeiten. Oder aber halt mit Windows und Outlook. Outlook Express allerdings muss weiterhin mit der manuellen Eingabe, wie Apple Mail eingerichtet werden. Der Exchange-Dienst ist von Google zwar nur für mobile Geräte gedacht, hat aber im Test auch wunderbar mit anderen Exchange-fähigen Programmen funktioniert.
So, aber nun zu Exchange. In den jeweiligen Programmen muss ein neuer Exchange-Account hinzugefügt werden, dabei sollten folgende Daten genutzt werden:

  • Email: Wieder die komplette Mailadresse
  • Domain: leer lassen
  • Nutzername: Komplette Mailadresse
  • Server: m.google.com

Es kann sein, dass eine Fehlermeldung kommt, dass das Serverzertifikat nicht validiert werden könne, das muss bestätigt werden.
Eine Beispieleinrichtung fürs iPhone findet man auch hier.

Nachdem das alles erledigt ist, ist der nächste Schritt, sich um den Sync von Browser-Bookmarks zu kümmern. Dies geht leider nur bei Geräten von Apple, bzw. bei Geräten wo Mac OS drauf läuft. Man benötigt die Systemeinstellungs-PreferencePane fruux. In dem Panel muss man sich zunächst einen Account anlegen, und dann im Sync-Tab die zu syncenden Daten auswählen:

Wie man sieht, kann fruux auch Adressbuch und Kalender synchronisieren, aber dann kann man nicht von jedem beliebigen Computer über ein Webinterface darauf zugreifen, da fruux diese Funktion noch nicht anbietet.
Die Optionen für Bookmarks und Notizen sollten aktiviert sein. Mit Notizen sind die Notizen aus Apple Mail gemeint, die nicht per IMAP synchronisiert werden können. fruux kann, ebenso wie MobileMe nur die Bookmarks aus Safari synchronisieren. Für den Firefox ist alles einiges frickeliger, und unterstützt auch die Mobilgeräte nicht.

Wenn nun die Optionen so angewählt sind, wie auf dem Screenshot, kann man fruux wieder schließen. Es läuft nun. Da das Programm noch nicht die Version 1.0 erreicht hat, kann es sein, dass alle paar Tage ein Fehler auftritt, und die Systemeinstellungen sich öffnen. Das kann man ignorieren, und die Einstellungen wieder schließen, da spätestens beim nächsten Sync wieder alles reibungslos klappt.

Kommen wir nun zum letzten Punkt der zu syncenden Daten. Ein Online-Speicherplatz, der die abgelegten Daten per WebDAV an die registrierten Clients verteilt. Hierbei hat sich Dropbox bewährt. 2-3 GB an Speicherplatz, native Clients für die 3 großen Betriebssysteme, im Vergleich mit der iDisk extrem schneller Sync, und eine Versionskontrolle der abgelegten Dateien. Die Features werden im Video auf der Startseite genauer erläutert.
Wenn ihr Dropbox nutzen wollt, so bitte ich euch, diesen Link zu benutzen. Es ist ein Referral-Link, der mir pro Download 250MB mehr Speicherplatz bringt. Für euch macht es keinen Unterschied, ob ihr den Referral-Link oder den normalen nehmt. Nur tut ihr mir damit einen Gefallen.

Mit allen dieser vorgestellten Tools kann man sich den Funktionsumfang von MobileMe in besser und kostenlos besorgen. Man hat zwar etwas mehr Aufwand bei der einmaligen Einrichtung, aber muss dafür nicht jedes Jahr 79€ für ein technisches Wrack an Apple bezahlen.

Falls noch Ergänzungen zu diesem Artikel oder weitere Wünsche bestehen, so lasst es mich in den Kommentaren wissen, ich kümmere mich dann darum. :)