Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Apr 2, 2010

Bahn. Fail. Was sonst?

Und schon hat mich die Bahn ein zweites Mal in nicht ganz 48 Stunden verarscht. Ich war heute Abend in Münster, um GC2404C beizuwohnen. Und um dann wieder mit dem Zug zurückzufahren.
Ich weiß seit heute: Züge, die nicht rot sind, sind pünktlich und sauber. Alles andere eher nicht. Aber zum genauen Ablauf:

  • 22:34 Abfahrt mit der Eurobahn in Münster
  • 23:27 Ankunft in Dortmund. S-Bahn ist natürlich schon weg, aber das ist normal. Da kommt sie nämlich immer pünktlich.
  • 23:31 Ankunft am Bahnsteig. Planmäßige Abfahrt der S-Bahn um 23:53. WLAN ist vorhanden, alles lässig.
  • 23:47 Wind zieht auf, es ist kalt. Ich denke mir nix dabei.
  • 23:52 S-Bahn ist nicht da. Unnormal.
  • 23:55 Durchsage. Standard. 10 Minuten.
  • 23:57 Ich twittere.
  • 00:05 Die S-Bahn fährt ein. Ich steige ein.
  • 00:10 Ich twittere.
  • 00:12 Durchsage. Dieser jene Zug, wo ich drin sitze, fährt erst um 00:53. Aber am Nachbargleis fährt die S2 gleich raus, da kommt dann eine weitere S1, die um :23 fahren soll. Genervt verlasse ich den Zug. Mittlerweile hätte ich schon zu hause sein können.
  • 00:17 Der Zug am Nachbargleis fährt ab. Ich erzähle den Leuten, die da so rumstehen, was der Lokführer in der S1 durchgesagt hat. Wir lästern über die Bahn.
  • 00:24 Kein Zug ist je erschienen, noch abgefahren. Am ursprünglichen Gleis zeigt der Zugzielanzeiger als Endstation Duisburg an, am Zug selbst aber Solingen. Ein Mitwartender will nach Solingen und ist verwirrt.
  • 00:35 Der Zugzielanzeiger, der Duisburg anzeigte, zeigt nun gar nichts mehr an.
  • 00:42 Am anderen Gleis kommt eine weitere S2 an. Zwischen dieser und ihrem Vorgängerzug kam keine versprochene S1. War uns irgendwie klar.
  • 00:47 Wir betreten den Zug, der seit 40 Minuten am Ursprungsgleis steht, und seit 55 Minuten auf dem Weg Richtung Solingen sein sollte. Der Mitfahrer Richtung Solingen fragt die anwesende Dame der DB Sicherheit nach einer Fahrpreiserstattung. Er hat ne BahnCard 100, aber das muss sie ja nicht wissen. Sie holt erstmal 2 weitere Sicherheitsfuzzis zur Unterstützung, die den Mitfahrer böse angucken.
  • 00:53 Nix passiert.
  • 00:54 Die Aggregate beginne zu summen, der Zug setzt sich in Bewegung.
  • 00:54:10 Der Zug bremst und bleibt stehen. Der gesamte Großraumwagen beginnt zu jubeln und zu klatschen.
  • 00:55 Der Zug fährt los, und kommt mit 2 Minuten Verspätung, naja, eigentlich mit 62 Minuten Verspätung an der Uni an.

Da soll nochmal einer sagen, die Bahn sei kundenfreundlich und serviceorientiert. Geht ja anscheinend nicht mehr, weil sie ja nur 29 Milliarden Euro Gewinn gemacht hat in 2010 und jetzt sparen muss. Ich hatte wohl Glück, dass in Dortmund wenigstens was los war. Dass da Leute waren, mit denen man sich beraten konnte, ob wir die verantwortlichen erst foltern und dann töten werden, oder, sofern weiblich, vorher noch vergewaltigen.
Ich mag gar nicht denken, wie das an so Arschlochhaltestellen wie Langendreer West gewesen sein dürfte, wo auch tagsüber schon der Hund begraben liegt. “Sehr verkehrte Daaaamunherrn, aufgrund Störungen im Betriebsablauf hat die S1 Richtung…naja, wir wissen nicht genau ob Duisburg oder Solingen, aber auf jeden Fall die S1, zur Zeit eine Verspätung von 62 Minuten”. Ich glaub, um ihre Statistik zu bereinigen, nach der solch große Verspätungen nur in Fernzügen auftreten (die fahren ja nur alle 5 Stunden, da kann man die Fahrgäste auch noch ne Stunde länger warten lassen, macht ja nichts), haben sie die Bahn um :53 und :23 einfach mal ausfallen lassen. Die dann heroisch fahrende Bahn hat ja nur 2 Minuten verspätung, das muss man noch nicht mal ansagen, das gehört bei der Bahn zum Service. Dann muss man sich nicht so beeilen, zum Zug zu kommen.

Ich glaub, ich hätt mich weitaus mehr aufgeregt, hätte ich für die Fahrt was zahlen müssen. Ein einstündig geltendes Ticket, was bei Fahrtantritt bereits abgelaufen wäre. Hätte das ein Kontrolleur beanstandet, wäre seine Witwe jetzt ganz schön traurig.

Ein Mitwartender zahlt im Monat 120€ für seine Fahrkarte. Er hätte um 00:30 zu Hause sein können. Er war jetzt um 01:23 in Bochum, hat seine Straßenbahn verpasst, und musste noch 40 Minuten nach Hause laufen. Er kam von der Spätschicht. Respekt. Nach 8 Stunden Arbeitstag in einem Arschlochjob auf 400€ Basis hätte ich keine Lust mehr, noch eben 2,5 Stunden nach Hause zu fahren.

Ja, liebe Bahn, was Kundenverarsche und Fehl- bzw. Mangel an Informationen angeht, seit ihr kulant. Verdammt kulant. Aber wehe, ein Fahrgast hat mal eine Fahrkarte, die in eurem Tarifjungel nicht gültig ist, bzw fährt schwarz. Ja, der kriegt sofort aufs Maul. Kann ja nicht angehen, dass ein staatliches Unternehmen, was die Grundversorgung der Leute nach Mobilität gewährleisten soll, nur 29 Milliarden Euro Gewinn im Jahr macht. Viel zu wenig. Was sollen da denn bloß die Aktionäre sagen? Geht ja mal gar nicht.

Ganz großes Kino, liebe Deutsche Bahn, GANZ großes Kino.

Fickt euch.