Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Sep 24, 2010

Krisenmanagement à la Deutsche Bahn

Heute war ich mal wieder auf dem Weg nach Münster, mit der RB50 von Dortmund über Lünen.

Die Abfahrt am Dortmund HBF hat sich schon etwas verzögert, weil der IC2602 Richtung Hamburg noch vor uns aufs Gleis musste. Schließlich ging es los, und die Fahrt verlief ereignislos bis Ascheberg, der einzigen Ausweichstelle auf der ansonsten ab Kirchderne eingleisigen Strecke. Dort stand der IC vor einem roten Signal auf dem Nebengleis. Die RB fuhr ein, und hielt erstmal planmäßig, und schien dann anscheinend zu warten, bis der IC wieder wegfuhr, und das Gleis freigab.

Die Wartezeit wurde länger und länger, und meine Befürchtungen bestärkten sich, als dann irgendwann ein Bundespolizist im Strampelanzug zum Führerstand hinlief, mit dem Lokführer einige Worte wechselte, und wieder verschwand. Kurz darauf kam die erste Durchsage. Streckensperrung, Abfahrtverzögerung um wenige Minuten. Die paar Pendler, die mit im Zug saßen, haben nur mit “Als Ob”-Blick aufgeseufzt, weil wegen “wenigen Minuten” kommt nicht sofort ein Bundespolizist.

Ein paar Minuten später: “Diese Regionalbahn endet hier, und wendet gleich, um die Fahrt Richtung Dortmund anzutreten. Reisende mit Fahrtziel Münster wechseln bitte in den IC auf dem Nebengleis, um mit ihm weiter zu fahren.”
Zur Info: Ascheberg ist so ein Kaffbahnhof, der hat noch nicht mal ordentliche Gleisunterführungen. Nur wo sollten wir jetzt das Gleis, auf dem die RB stand, überqueren, um in den IC zu kommen?

Weitere Durchsage: “Der Bahnübergang ist am südlichen Bahnsteigende”. Als dann irgendwann mal alle RB-Fahrgäste kapiert haben, wo Süden ist, wurde der Tross schon von den IC-Gästen begrüßt, die schon alle am Bahnsteig standen, um zu rauchen, oder Verspätungsmeldungen über Handy abzugeben.
Bahnsteig

Vereinzelte Fahrgäste wechselten zurück aufs andere Gleis, weil im IC eine Haltmeldung von unbestimmter Zeit gemeldet wurde. Busse wurden ausfindig gemacht, keiner wusste, ob der IC auch in Davensberg und Ascheberg halten würde, wie die RB eigentlich machen würde, oder ob er bis Münster durchfahren würde. Eine Saftschubserin wusste mehr, und brabbelte irgendwas von Personenschaden in ihr Handy.

Irgendwann sprang dann das Blocksignal des IC auf Grün, die Lok hupte einmal, und die Zugdurchsage forderte zur Weiterfahrt auf. Es ging dann auch tatsächlich weiter. Wenngleich im Schritttempo, und ohne Halt nach Münster. Dort stand am Bahnsteigsanzeiger zum ersten mal in meiner Geschichte als Bahnfahrer was einigermaßen informatives. “Wegen Personen im Gleis 20-30 Minuten Verspätung.” Eine Begründung, und eine variabel gefasste Zeit. Besser, als nach 20 Minuten Verspätung die Meldung auf 30 Minuten zu ändern. So muss das.

Tja, was ich wieder nicht weiß, und was das Mysterium der Bahn bleiben wird: Was ist mit den Leuten, die von Dortmund kamen, und nach Ascheberg oder Davensberg wollten? Was ist mit den Leuten, die in Münster am Bahnsteig auf den Zug Richtung Dortmund warteten?

Wenn der Typ, der da Schaden erlitten hat, noch leben würde, ich würd ihm so die Fresse polieren. Suizid am Zug ist die denkbar asozialste Art, sich umzubringen.