Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jan 8, 2011

EPost - ein Erfahrungsbericht

Da meine Mutter relativ technikresistent ist, und auf Briefe in ausgedruckter Papierform besteht, überkam mich vor ca 2 Monaten die fixe Idee, mir dann doch mal eben einen EPost-Account anzulegen, damit ich einfach nur eine Mail schreiben müsste, die dann von der Post ausgedruckt wird, und per Brief zugestellt wird.

Doch das Registrieren für den Dienst ist alles andere als einfach. Zunächst musste ich, wie üblich, meinen Namen, und Adresse und sowas alles angeben. Dadurch hatte ich mir quasi meine “persönliche EPost-Adresse reserviert”. Diese Adresse ist immer auf vorname.nach@epost.de festgelegt. Wie das bei Allerweltsnamen ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Leider bestand das System auch auf einem komplett ausgeschriebenen Nachnamen, was für mich nicht unbedingt ein Komfortgewinn darstellt. Nicht umsonst heiße ich überall woanders simonszu.

Nun denn. Meine Adresse war reserviert. Nun sollte ich auf einen Verifikationsbrief warten, damit für die Post klar ist, dass ich wirklich an dieser Adresse wohne. Es hieß, der Brief mit dem Verifikationscode wäre in 24 Stunden da. 4 Tage später kam er dann auch. Nun ist mir das System der Adressverifikation per Brief von Sipgate und anderen Anbietern schon bekannt, bei der Post war es jedoch anders. Ich konnte mich ja nirgendwo einloggen, um den Code einzugeben, sondern musste alle meine Daten noch einmal eingeben. Auf einzelne Zeichen genau, d.h. wenn man anstatt “Straße” nur “Str.” eingegeben hat, oder andersrum, dann wurde das komplette Formular zurückgesetzt.

Spätestens hier hatte ich den Kaffee auf, aber ich dachte, hey, machstes mal, dann kannst du darüber bloggen. Nunja, ich dachte, spätestens jetzt wäre die Registrierung abgeschlossen. Aber denkste. Nun kam das PostIdent-Verfahren. Hierbei muss gesagt werden, dass die Identifikation per PostIdent mehrere Level kennt. Das BasicIdent beinhaltet, dass der Postbote einfach bei einem klingelt, und den Perso checkt. Das erweiterte Verfahren bedeutet, dass man zu einer Filiale hinmuss, damit da ein Schalterheini den Perso checkt. Was den Unterschied macht, weiß ich nicht. Wieso ich vorher meine Adresse verifizieren lassen musste, wenn die Postleute doch eh nochmal meinen Perso checken, weiß ich auch nicht.

Ich fuhr also zur nächsten Postfiliale. Es musste eine echte Filiale sein, keine In-Shop-Lösung, da die Mitarbeiter von In-Shop-Shops zur Identifikation nicht qualifiziert sind. Bei der Filialdichte der Post und der momentanen ÖPNV-Verbindungssituation hieß das für mich, dass ich insgesamt ca 80 Minuten fahren musste, damit irgendso ein Beamter kurz einen Blick auf meinen Perso wirft. Ich war kurz nach dem ersten November da, und der Typ musste erst in irgendeiner Zentrale anrufen, um nachzufragen, ob die alten Persos überhaupt noch gültig sind. Stand zwar dick bei mir drauf, dass er erst in vier Jahren verfällt, aber sicher ist sicher. Nun, die folgende Prozedur ähnelte einem normalen CAcert-Assurance-Verrfahren, der Typ wollte dann noch einen zweiten Lichtbildausweis sehen, nur um sicherzugehen. Da ich keinen hatte, hat er sich zähneknirschend gefügt.

Ich fuhr dann nach Hause, und dachte, dass der Account dann wohl bald aktiv sein würde. In den folgenden Tagen bekam ich einige Anrufe von einer Nummer, die ich auf die Deusche Post backresolven konnte. Allerdings immer so zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Ich hielt das für irgendeinen Reklamescheiß, und habe es ignoriert. Irgendwann bekam ich dann Post. Da stand drin, dass mein Geburtsdatum, was ich bei der Anmeldung angegeben habe nicht mit den Daten übereinstimmte, die der Postbeamte beim Ident-Verfahren aufgeschrieben hatte. Da ich mir sicher war, dass ich mein Geburtsdatum richtig eingegeben hatte, hatte ich einige Mühe, meine Hand wieder vom Gesicht zu lösen. Im Brief stand auch drin, dass sie bereits eine telefonische Lösung angestrebt hatten, mich aber nie erreichen konnten, und dass ich doch jetzt bitte eine Ausweiskopie an ihr Kundencenter schicken sollte. Per Brief. Da ich aber vorher noch im Zuge der Einführung des neuen Personalausweises gelesen hatte, dass sowohl für den alten als auch für den neuen Ausweis ein Kopierverbot bestehen würde (gilt bestimmt nur für Plagiatismus), habe ich mal die Hotline angerufen, und nachgefragt, und dabei auch den Bundesinnenminister zitiert. Der Hotliner stotterte rum, und meinte dann irgendwann, ja, Ausweiskopie oder ich könnte den Dienst nicht nutzen. Ich gab klein bei, kopierte meinen Ausweis, und schickte ihn zur Post.

Ich bekam drei Tage später dann Bescheid, dass mein Account freigeschaltet worden sei. Da die Post aber am Anfang total strenge Vorgaben bei der Passwortwahl gemacht hat, konnte ich mich nicht mehr an mein Passwort erinnern, und wollte es zurücksetzen. Das Rücksetzformular verlangte nun nach einem Entsperrpasswort, was auf meinen zugeschickten Unterlagen stehen sollte. Zugeschickte Unterlagen? Nie bekommen.

Als ich mich auf Twitter darüber aufgeregt habe, meldete sich der Support-Account der Epost, und nannte mir eine Telefonnummer, bei der ich ein neues Entsperrpasswort anfordern könne. Dies tat ich dann. Der Hotliner sagte mir auch, dass bei einem neuen Entsperrpasswort ich meine gespeicherten Dokumente zwar noch runterladen, aber nicht mehr öffnen könne. Offenbar sind die Mails serverseitig verschlüsselt, und werden on-the-fly entschlüsselt. Immerhin etwas.

Zwischendurch bekam ich Post. Ich freute mich, weil ich dachte, dass der Support-Twitterer da vielleicht schon was in die Wege geleitet haben könnte. Denkste. Eine erneute Adressverifikation wurde nötig, diesmal mit einer sogenannten AdressTAN. Die sollte ich bitte eingeben, und mein Handy bereithalten. Hat offenbar irgendwas mit PostIdent zu tun.

2-3 Tage später kam dann das neue Entsperrpasswort. Offenbar ist so etwas nur einmal gültig, die Post schickt einem dann nach Benutzung ein neues zu. Nun konnte ich mein Konto endlich betreten und die AdressTAN eingeben. Interessant ist, dass bei jedem kritischen Vorgang eine SMS ans Handy verschickt wird, mit einer einzugebenden TAN.

Nun noch was zur Bedienung: Die ganze Verbindung läuft über HTTPS. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Die Oberfläche sieht zunächst aus, wie ein ganz normaler Webclient eines Mailpostfaches. Man hat 100MB Speicherplatz für den E-POSTBRIEF, und 100MB für Email und Fax. Da bereits die obligatorische Willkommen-Mail im Posteingang liegt, kann ich davon ausgehen, dass ein Brief ca 400kb groß ist. Man kann SMS-Benachrichtigung bei neuen Briefen aktivieren. Offenbar lassen sich ausgehende Mails mit Zertifikaten versehen. Diese Zertifikate werden vom ePost-System generiert und an die Mail angehängt. Was das genau für Zertifikate sind, weiß ich bis jetzt noch nicht.

Beim weiteren Durchklicken durch das System sehe ich, dass das Empfangen und Versenden von Mails nur möglich ist, wenn man ein externes Konto an das System anbindet. Damit will die Post ihren Webclient wohl als zentrale Anlaufstelle der Kunden für Mailverkehr etablieren. Großer Nachteil: Die Anbindung geht nur per POP3, IMAP wird nicht unterstützt. Klar, denn in Zeiten der ePost braucht man andere Maildienste oder Desktopclients ja auch nicht mehr.

Zur Zahlungsweise: Es geht ausschließlich Bankeinzug. Die Überprüfung der Echtheit des Kontos durch Überweisung von Centbeträgen, wie zB bei PayPal findet nicht statt. Einfach ein (fremdes) Konto angeben, und los gehts.

Die Postfachoberfläche sieht aus, wie jedes andere Mailpostfach auch. Es gibt sogar einen Spamfolder. In der E-Postbrief-Ansicht werden die “Mails” nicht als Liste dargestellt, sondern als kleine Briefe. In der Mail&Fax-Ansicht ganz normal. Ich frage mich, wie der Spamfilter bei den E-Postbriefen funktioniert. Aber in die Hilfe habe ich noch nicht gesehen.

Es gibt eine Kontakt-Sektion, eingeteilt in “Persönliches Adressbuch” und “Öffentliches Adressverzeichnis”. Was genau im öffentlichen Verzeichnis drin steht, ist mir noch unklar. Auf jeden Fall nicht alle Leute mit Briefkasten. Vielleicht nur die Kunden des E-Post-Dienstes.
Das persönliche Adressbuch hat keine Sync-Möglichkeiten mit anderen Diensten oder Outlook/Apple Adressbuch, etc. Schade.

Ich sehe gerade: Man kann sich mit normalem und hohem Identnachweis anmelden, und dieses auch innerhalb der Session ändern. Was das bringen soll? Keine Ahnung.

Nun zu den Preisen. Mail- und Faxfunktion ist kostenlos. Die Preise des E-Postbriefs orientieren sich an den normalen Preisen des Briefservices. Elektronische Zustellung liegt bei 55 Cent, egal wie groß der Brief ist (max. 20MB). Zustellung auf Papier orientiert sich an der Seitenzahl des Briefes, die sich auch wieder im Briefgewicht niederschlägt. Das Porto liegt zwischen 55 Cent bei Normalbriefen und 1,45€ bei Großbriefen bis 96 Seiten. Schwarzweißdruck ist bei Normalbriefen inklusive, bei größeren Briefen schlägt der Ausdruck mit 10 Cent pro Seite zu Buche. Dies ist recht teuer. Farbdruck kostet immer 10 Cent pro Seite.

Sowohl die elektronische als auch die reale Zustellung bietet Einschreiben an, dies lasse ich aber unkommentiert, da ich die Unterschiede zwischen Einschreiben, mit Einwurf, mit Empfangsbestätigung, Eigenhändig, nicht kenne.

Beim weiteren Durchforschen der Hilfe sehe ich, dass man mit den Zertifikaten auch eine Public-Key-Verschlüsselung durchführen kann. Dies meinte der Typ an der Hotline wohl auch, dass bei einem neuen Entsperrpasswort die alten Zertifikate nicht mehr gültig sind. Über die Verwendung von Zertifikaten bei der Briefzustellung auf Papier steht hier nichts. Klappt wohl nicht. Wieso auch. Was mich aber wurmt: Es steht nicht bei, nach welchem Verfahren verschlüsselt wird. Wer garantiert mir, dass die Post nicht einen Drittschlüssel besitzt?

Die Anbindung per POP/IMAP an einen Desktop-Mailclient ist nicht möglich. Okay, der E-Postbrief ist kein Maildienst, sondern irgendein komischer Hybrid.

Bei der Zustellung als Papierbrief kann man offenbar auch PDF-Dateien als Anhänge mitsenden. Diese werden dann mit ausgedruckt. Eine Option, den Brief im C4-Umschlag zu versenden, also ungefaltet, gibt es auch. Die “Leerung” des Postfaches geschieht um 18 Uhr, Briefe die bis dahin versendet wurden, werden am nächsten Werktag zugestellt, sonst erst am übernächsten.

Mailzustellung: Das System kann nur Mails von fremden Servern abholen. Verschicken tut es sie über das eigene System, die Mails haben dann vorname.nachname@dp-mail.de als Absenderadresse.

Interessant wäre es, zu wissen, ob der Versand in umgedrehte Richtung, d.h. von Papier nach E-Postbrief auch funktioniert, d.h. jemand schreibt einen Brief, schreibt als Adresse nur simon.szustkowski@epost.de auf den Umschlag, wirft ihn ein, und ich bekomme ihn als E-Postbrief, oder, weil die Post meine Hausadresse hat, noch einfacher eben in den Briefkasten geworfen. Wenn jemand von euch gerade Zeit und eine Briefmarke übrig hat, so soll er das mal testen. Ich antworte auch. ;)

Fazit: Alles in allem ist es doch einfacher, eben zum Briefkasten zu laufen, und immer einen Vorrat an Briefmarken und Umschlägen zu Hause zu haben. Denn der Registrierungsprozess ist eine Qual. Und wenn die Post jetzt noch so link daherkommt, und das PostIdent-Verfahren bei Interessenten des DeMail-Dienstes verweigert, damit sie ihren EPost-Dienst besser pushen können, dann bleibe ich doch lieber bei meiner guten, alten Email, und bin mir sicher, dass eine gescheite End-to-End-Verschlüsselung samt einem von mehreren Leuten als trusted signierten Key eine mehr als ausreichende Maßnahme zur Absenderverifikation darstellt.
Wenn man sich allerdings einmal die Mühe der Anmeldung gemacht hat, ist das System insofern praktisch, da man sich ab jetzt den Gang zum Briefkasten sparen kann. Ich schreibe z.B. fast nur noch Emails, nur meine technisch nicht sehr begabte Mutter besteht immer noch auf Papierpost. Insofern kann ich jetzt einfach die Briefe im Webclient eintippen, und die Post verschickt sie als Papierpost. Ist aber halt nicht so persönlich, weil keine handgeschriebenen Briefe unterstützt werden. Hierbei ist es dann doch besser, sich einen Briefmarkencode im Internet zu kaufen und auf den Briefumschlag eben draufzudrucken.
Wie das System sich bei der Kommunikation mit Behörden macht, wird sich zeigen. Wenn in Zukunft irgendeine Behörde/Firma von mir einen Papierbrief haben möchte, sei es z.B. um einen Vertrag zu kündigen, werde ich das System mal insofern testen. Bis dahin: Stay tuned.