Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jan 2, 2012

Maya-Apokalypse?

So. Da haben wir’s jetzt. 2012. Das Jahr des Weltunterganges, der Apokalypse, des jüngsten Gerichts. Zumindest, so die weit verbreitete Meinung, wenn man den Maya glauben kann. Weil deren Kalender nunmal 2012 aufhört.

Ich möchte dazu gerne etwas loswerden. Die Maya sagen also angeblich das Ende der Welt voraus. (Ja, angeblich, da komme ich nachher noch drauf zurück). Das Ende der Welt wurde immer mal wieder von irgendwelchen Gruppierungen vorausgesagt, und endete dann meistens in einem Kollektivsuizid einer Endzeitsekte, oder der jeweilige “Prophet” wird massiv ausgelacht (so zB bei der “Rapture” letztes Jahr.)

Zum zweiten: Die Maya haben ihren Kalender “bis 2012 geschrieben”. Wieso hätten sie das tun sollen? Wenn sie die Zukunft doch präzise voraussagen konnten, hätte es doch gereicht, den Kalender nur bis 1600 n.Chr. zu führen, weil zu dem Zeitpunkt die Maya-Kultur durch Cortez’ Truppen quasi komplett vernichtet war.

Zum dritten: Das Thema wurde erst durch den entsprechenden Roland-Emmerich-Film aus dem Jahre 2009 der richtig breiten Masse bekannt. Wer sich allerdings von so einem Film beeindrucken lässt, muss auch damit rechnen, dass die Erdkernrotation aufhört, dass irgendwann die Menschen als Großkraftwerk benutzt werden, und an weiteren apokalyptischen Filmen absolut keinen Zweifel haben. Das hieße im Umkehrschluss aber auch, dass in den 60er Jahren des 21. Jahrhunderts der Warp-Antrieb erfunden wird, und danach die utopischen Zeiten aus dem Star Trek Universum anbrechen. Dies steht in direkter Exklusion zu einer Apokalypse im Dezember 2012.

Ich habe zu dem Thema etwas recherchiert, und habe das ganze Thema so verstanden, dass die Urvölker Mittelamerikas ein etwas anderes Zeitverständnis hatten, als unsere heutige, sogenannte zivilisierte Welt. Wir heute verstehen die Zeit als etwas lineares, unumkehrbares. Wir werden geboren, und sterben irgendwann, und dazwischen läuft unser Leben auf einem Zeitstrahl ab, und das, was gestern passiert ist, ist unumkehrbar.
Die Urvölker sahen das ganze aber eher zyklisch. Das Leben eines Einzelnen war nicht so wichtig. Der Gesamtzyklus war das entscheidende. Die Sonne geht jeden Morgen auf, und jeden Abend unter. Im Winter wird es jedes Jahr eher kälter, und im Sommer eher etwas wärmer. Die Linearität war nicht wichtig. Wenn ich gestern zum Frühstück meine Cornflakes trocken statt mit Milch gegessen habe…na und? Ich kann sie ja morgen früh wieder mit Milch essen. Zeit ist daher nicht reversibel linear, sondern sie wiederholt sich.

Die Maya nutzten insgesamt drei Kalender. Den Tzolkin für rituelle Zwecke (vergleichbar mit unserer Methode, zB den Zeitpunkt des Osterfestes zu bestimmen, was ja kein festes Datum hatte), den Haab für weltliche Zwecke (um beispielsweise die Ernteperioden zu bestimmen) und die sogenannte Lange Zählung. Tzolkin war ca 9 Monate lang, also die Dauer einer menschlichen Schwangerschaft. Haab war 360 Tage lang, also ca. ein Jahr. Es gab noch 5 weitere Tage im Haab, die aber als unheilvoll galten, und daher in keinem Kalender geführt waren. Tzolkin und Haab liefen zyklisch, und wiederholten sich in ihrer Synchronizität ca. alle 52 Haab-Jahre.

Der “Maya Kalender” auf den sich jetzt alle so versteifen, ist die Lange Zählung. Dieser Kalender wurde für astronomische Berechnungen und ähnlich lang dauernde Dinge benötigt. Die Lange Zählung umfasst einen Zeitraum von 5125 Jahren. So lang dauerten in der Maya-Mythologie die einzelnen Zeitalter der Menschen. Momentan befinden wir uns im 4. oder 5. Zeitalter (die Quellen, die ich las, waren sich da teilweise uneinig). Wo sich allerdings alle einig sind, ist die Tatsache, dass wir uns im ersten Zeitalter befinden, in dem die Maya-Kulturen die Lange Zählung verwendeten (das älteste Monument, in dem auf die Lange Zählung referenziert wurde, stammt aus dem Jahre 36 v.Chr.). Das Besondere am Dezember 2012 ist nun lediglich, dass der Zählzyklus der Langen Zählung sich zum ersten Mal seit Beginn der Zeitrechnung schließt, und ein neuer Zyklus beginnt.

Was die ganzen Endzeit-Fans alle nicht beachten: Das ist schon ein paar Male vorher passiert. Nämlich vor 5125 Jahren, vor 10250 Jahren, usw. Solche Zyklusenden haben sowohl die Maya als auch alle anderen auf der Erde befindlichen Wesen überlebt. Man kann also diese gesamte Sache auffassen wie ein riesiges Silvester. Oder einen riesigen Monatswechsel. So gigantisch groß, dass so ein Zeitpunkt dermaßen selten ist, dass er doch eigentlich was besonderes sein muss. Nun, ein “handelsübliches” Silvester ist auch nach der Auffassung vieler Menschen was besonderes. Realistisch betrachtet ist es aber auch nur eine ganz normale Nacht an einem ganz normalen Monatswechsel. Genau so wie die Osternacht, oder ähnliche “besondere Zeitpunkte”. Genau so ist es das Zyklusende der großen Zählung.

Nun ist es allerdings so, dass Leute, wenn sie von irgendwas fest überzeugt sind, sämtliche Vorkommnisse auf diese Überzeugung hin auslegen. So sind strenggläubige Christen der festen Meinung, dass nicht ein Arzt diese und jene Krankheit geheilt hätte, sondern dass JHWH es gewesen ist, und den Arzt nur als Werkzeug benutzt hätte, u.ä.
Genau so sind Leute, die an die Maya-Apokalypse (die keine ist) glauben, fest überzeugt, dass Ereignisse wie Fukushima und der Zusammenbruch der Eurozone auf jeden Fall und überhaupt Vorboten der Apokalypse sind, und sind nur noch mehr davon überzeugt.

Ich selber glaube genau so wenig an die Maya-Apokalypse wie an sonstige unbeweisbaren Dinge, aber ich bin mir durchaus sicher, dass Historiker, die in einigen Jahrzehnten zurückblicken auf diese Zeit hier, mit Sicherheit der Auffassung sind, dass diese Zeit eine Zeit des Wandels und des Umbruchs gewesen sein wird, woran Ereignisse wie Fukushima oder die Occupy-Bewegung mit Sicherheit auch “mit Schuld” sind.
Dennoch widerstrebt es mir, es auf den Tod an die Maya-Apokalypse dranzuheften. Das sind alles menschgemachte Aktionen, die auch so passiert wären, wenn die Maya ihren Kalender damals einfach mal um 50 Jahre versetzt erschaffen hätten.
Anders gesagt: Ereignisse wie der zweite Weltkrieg, die Wende 1989 oder der 11. September waren bestimmt ähnlich große Wendepunkte, wie das, was momentan weltweit abläuft, aber zu dem Zeitpunkt war kein Mayakram daran “beteiligt”, und sie sind trotzdem passiert, und die Welt existiert dennoch.

Ich prophezeihe allerdings: In ziemlich genau einem Jahr werde ich hier sitzen, und einen Post schreiben, nach dem Motto “War doch alles gar nicht so wild, frohes neues 2013”

In diesem Sinne: Ein Frohes neues Jahr 2012 euch allen, und lasst euch von diesem Apokalypsengeschwafel nicht zu sehr vereinnahmen. ;)