Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Sep 30, 2013

Vorbeimessage

Vermutlich der schlechteste Titel für einen Blogpost ever.

iMessage. Vor 2 Jahren von Apple im Rahmen von iOS5 eingeführt, als built-in Internetnachrichtendienst. Ähnlich wie WhatsApp ein SMS-Ersatz übers Internet. Dank der tiefen Integration in die SMS-App vollautomatisch, falls das Gegenüber den Dienst auch aktiviert hat.
Vollautomatisch. In der Theorie.

In der Praxis sah es so aus: Von Anfang an hatte mein Handy Probleme, zu erkennen, ob das Gegenüber iMessages empfangen konnte, oder nicht. Der Fallback auf SMS war eher die Regel als die Ausnahme. Einziger Lösungsansatz: Turning it off and on again. Aber auch dies war nur temporär, sodass ich vor dem Schreiben jeder iMessage erstmal prophylaktisch den Dienst im Handy neugestartet habe. Das hat sich erst gebessert, als ich Anfang 2013 im Rahmen eines Garantiefalles ein neues Handy bekam, und das komplett neu aufgesetzt habe, ohne ein Backup einzuspielen.

Seit dem Release von Mac OS 10.8 war der iMessage-Dienst nun auch Bestandteil der Desktopbetriebssysteme von Apple. Man versprach einen nahtlosen Übergang zwischen Desktop und Handy. Alles ganz toll und kostenlos.
Es sah allerdings eher so aus, dass das System sich nicht sicher war, ob man denn nun vorm Desktop saß, oder das Handy in der Hand hielt. Nachrichten wurden aufs falsche Gerät gepusht, manchmal nur mit Verzögerung. Es wurden Nachrichten doppelt oder noch mehrfach gepusht. Wenn man mitten in einer Unterhaltung ist, und auf einmal die 30 Nachrichten der letzten halben Stunde simultan erneut gepusht werden, ist das eine Freude für jeden Hersteller von blutdrucksenkenden Medikamenten.

Im Hinterkopf blieb weiterhin immer der nagende Gedanke: iMessage funktioniert nur von iOS nach iOS. Für alles andere muss man eh wieder auf Alternativen wie WhatsApp zurückgreifen, sodass eh fast jeder iOS-User auch WhatsApp installiert hatte. Die Nachrichtenzustellung da ist zumindest immer chronologisch korrekt.

Dennoch habe ich iMessage weiter aktiviert gelassen. Doch dann kam es zum Spähskandal, und Threema trat auf den Plan. Vorteil: Verschlüsselung. Und auch für alle mobilen OS vorhanden.

Und dann war es soweit, dass iOS7 released wurde, und iMessage wurde komplett unbrauchbar. Nachrichtenempfang ist weiterhin okay, aber Nachrichten verschicken wurde unmöglich. Symptom: Der Sendefortschrittsbalken bleibt stehen, und die Outputqueue wächst unkontrolliert. Aktuelle Lieblingsmeldung auf meinem Handy: “Sending Message 1 of 23…”. Seit 11 Tagen hat keine einzige iMessage mein Handy verlassen. Vor 11 Tagen habe ich auf iOS7 aktualisiert.

Und das war die Sache, die das Fass zum überlaufen brachte. Eine nichtssagende Meldung, keine Möglichkeit, zu Debugzwecken ins Log zu gucken. Ein Neustart des Dienstes hilft ebenfalls nicht. Hier zeigt sich sehr gut die “It just works”-Philosophie der Firma mit dem Apfel. Wenn es funktioniert, funktioniert es gut. Ein Nichtfunktionieren ist nicht vorgesehen, und sollte dieser Fall mal eintreten, ist man als User aufgeschmissen.

Mir reichts. Ich habe deswegen iMessage auf allen meinen Geräten deaktiviert. Wer mich mobil erreichen möchte, kann gerne auf WhatsApp zugreifen, das funktioniert ähnlich. Wem WhatsApp zu spähend ist, und stattdessen lieber iMessage nutzen will, ist dumm, und wird von mir nicht weiter beachtet. Wem WhatsApp zu spähend ist, und lieber was mit ein bisschen mehr Sicherheit nutzen will, der möge meine Threema-ID U8N9S2ZH zu seinen Kontakten hinzufügen. Und wem das Tippen auf dem Handydisplay zu mühsam ist, und lieber eine physische Tastatur nutzen möchte, der möge doch XMPP/Jabber utilisieren, und mich per jabber@simonszu.de kontaktieren. Leider gibt es dafür noch keinen gescheiten Client für iOS, der dauerhaft eingeloggt bleibt, mir Nachrichten pusht, und OTR kann. Beejive kommt da am nächsten dran, aber auch dieser Client disconnected sich nach 7 Tagen Inaktivität und kann kein OTR.
Und wer jetzt weder Threema, noch WhatsApp, noch Jabber hat, kann mich immer noch übers Fratzenbuch erreichen (obwohl das streng genommen auch Jabber ist), oder mir eine Mail schreiben (falls man denn die dafür gültige Konvention zum zitieren und diskutieren kennt, und befolgen mag).

iOS-User, die versuchen, mich über die SMS-App des OS zu erreichen, müssen damit rechnen, dass sie dafür weiterhin Mondpreise von 9 bis 19 Cent pro ~160 Bytes zahlen müssen, und dass ich ihnen nicht über den gleichen Kanal antworten werde. Aufgrund der Vielzahl an anderen Möglichkeiten, wie man mich erreichen könnte, scheint das aber verschmerzbar zu sein.