Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Oct 15, 2013

All mein Hass, Folge 37

Vor einiger Zeit führte die ehrwürdige Universität, an der ich studiere, neue Studentenausweise ein. Im Plastikkartenformat, und in Kooperation mit der örtlichen Sparkasse mit einem Geldkartenchip, mit dem man an diversen Stellen auf dem Campus bezahlen kann, und das auch noch völlig sicher komfortabel mit RFID.
Unter anderem wegen dem RFID-Kram hat diese Bezahlfunktion unter der Studierendenschaft noch nicht so die allumfassende Nutzerzahl, die von gewissen Stellen vielleicht gewünscht wird. Nichtsdestotrotz hat das Studentenwerk an seinen Mensakassen tolle Lesegeräte aufgestellt, wo man “komfortabel bargeldlos” bezahlen kann. Interessant ist: Diese Lesegeräte haben sowohl einen Schlitz zum Reinstecken, als auch eine RFID-Kontaktfläche. Dieser Schlitz zum Reinstecken ist aber offenbar ohne Funktion.
Das Bezahlen mit Bargeld klappte aber bis jetzt noch weiterhin ohne Probleme, und war, wenn man das Geld abgezählt bereithielt, genau so schnell und komfortabel wie mit der Karte.

Nun hat sich das Studentenwerk zum Semesterbeginn allerdings entschlossen, das Bezahlen per RFID zu forcieren, und hat 5 von 8 Mensakassen zu sogenannten Expresskassen umfunktioniert, bei denen ausschließlich das Bezahlen mit Karte möglich ist. Ergo: An mehr als 50% der Mensakassen kann nur noch mit einem Bezahlmittel bezahlt werden, was nur eine äußerst geringe Akzeptanz in der Kundenzielgruppe hat. Deshalb bildeten sich heute vor den Bargeldkassen äußerst lange Schlangen, die sich teilweise ineinander verknotet haben, weil in der Mensa baulich keinerlei Warteschlangenbereiche vorgesehen sind.

Hinzu kommt noch die Tatsache, dass gerade die erste Woche des neuen Semesters ist, und ein Haufen Erstis an der Uni residieren. Erstis, das sind solche Intelligenzbolzen, die beim Reinkommen in die Mensa erstmal in der Tür stehenbleiben, und schier erschlagen sind, von dem unfassbar großen Angebot an Essen, was dummerweise nur in der Mensa selbst ausgeschildert ist, und nicht etwa im Internet nachzusehen ist. Dass da noch über 9000 andere Studenten hinter ihnen stehen, die auch durch diese Tür wollen, scheint noch nicht zu denen vorgedrungen zu sein.
Ein weiterer Auswuchs an unfassbarem Genie zeigt sich bei diesen Erstis, dass sie es nicht für nötig halten, die Schilder zu lesen, die in etwa wie folgt beschriftet sind: “EXPRESSKASSE! HIER NUR KARTENZAHLUNG! KEIN BARGELD!!!1″ und der Kassentante da ihr Kleingeld in die Hand drücken wollen, abgewiesen werden, sich umdrehen, und sich woanders anstellen wollen. Immerhin besteht eine 3:5 Chance, dass sie eine Kasse erreichen, wo ihr Geld akzeptiert wird. Aber da ist ja so voll, und vielleicht doch lieber die andere Kasse da drüben, wo keiner steht…?

Ganz ausgefuchste Erstis ersparen sich das ganze Chaos lieber, und bringen sich ein Butterbrot von zu Hause mit, und setzen sich damit in den Essbereich der Mensa. Die langen Schlangen an der Kasse und das hohe Besucheraufkommen zwischen den Vorlesungen von 11:45 bis 12:30 Uhr sind ja schließlich normal, und es ist ja erwiesen, dass Leute mit einem Tablett voller Essen in der Hand ja auch ruhig mal im Stehen essen können.

Und wenn dann Mamas Butterstulle gegessen wurde, und nur noch leere Tabletts vor einem stehen, dann bleibt man lieber noch ein bisschen sitzen, und räumt seinen Platz nicht. Die vielen anderen Leute, die auf der Suche nach einem freien Platz durch die Gänge laufen, gehören ja eigentlich zum Interieur, und sind nur Deko. Völlig ausgeschlossen, dass die wirklich einen Platz zum Hinsetzen und Essen haben wollen.

Es ist für Nicht-Erstis also wirklich ein Erlebnisevent, voller Blutdruck, genervten Blicken und vielem seufzen, gepaart mit dem Wunsch, möglichst viele Leute zu töten. Und das wird uns in aufopfernder Arbeit ermöglicht von dem heldenhaften Einsatz des Studentenwerkes und vieler, vieler Erstis.

Vielen, vielen Dank dafür. Die Uni wäre ohne euch ein so viel besserer Ort, da wäre es doch schade, wenn ihr nicht mehr da sein würdet, um uns das Mittagessen schwer zu machen.