Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jan 3, 2014

Deutschland, deine Medienkompetenz

Deutschland, 2. Januar 2014, gegen Mittag. Durch die Medien schwappt die Meldung, dass der ehemalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla einen neuen Job bei der Bahn bekommt. Sprüche wie “Ronald Pofalla erklärt die Verspätungen für beendet” machen die Runde.

Deutschland, 2. Januar 2014, 18:46 Uhr: Die Satirewebseite @der_postillon bringt einen ganz und gar unsatirischen Artikel, dass Ronald Pofalla einen neuen Job bei der Bahn bekommt. Die Leser stempeln es als Realsatire ab. Niemand achtet aufs Datum des Artikels. Dort steht: 1. Januar 2014.

Deutschland, 2. Januar 2014, gegen 23 Uhr: Die Satirewebseite @der_postillon retweetet einige Tweets, die darauf hinzudeuten scheinen, dass die Primärmeldung ebenjene Meldung vom “1. Januar” sei. Da der Postillon ja eine Satirewebseite ist, kann diese Meldung ja gar nicht stimmen. Einself. Ein Sturm der Belustigung über “die Medien” macht sich auf Twitter breit. Wie sie es nur wagen könnten, solch eine Meldung unreflektiert abzuschreiben.

Weiterhin steht in den Feedreadern dieser Nation, in den Twitter- und Facebooktimelines schwarz auf weiß: Der Postillon hat diesen Artikel am 2. Januar 2014 um 18:46 veröffentlicht, und da offenbar einfach nur “1. Januar” drangeschrieben. Doch vor lauter Lästern über “die Medien”, die einfach nur unreflektiert wiederholen, merkt die deutsche Twitterschaft gar nicht, dass sie gerade einfach nur “das Medium” Postillon unreflektiert wiederholen.

Wer es immer noch nicht glauben mag, wie erstklassig der Postillon gerade seine “satireerprobten” Leser vorführt, der möge einfach mal die Timestamps des Postillon-Artikels mit dem Timestamp der ersten Artikel, die zu diesem Thema auf Google News erschienen sind, vergleichen. Oder einfach auf diesem Screenshot meiner Twitter-Timeline den Timestamp der SZ mit dem des Postillon vergleichen:
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Deutschland, deine Medienkompetenz. Sich darüber lustig machen, wie “etablierte” Medien leichtgläubig alles vervielfältigen, während man selbst leichtgläubig alles vervielfältigt. Ein Meisterstück des Postillons.