Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Aug 7, 2014

Facebooks IQ-Test

Ich habe neulich auch mal, dem neuesten heißen Scheiß aus dem Internet folgend, den IQ-Test von Memorado gemacht, der momentan durch Facebook und andere Social Media Kanäle geistert.

Mein Resultat nach 10 kleinen Fragen (die alle ziemlich einfach waren) sollte angeblich 134 sein. Ich bin jetzt kein Statistikexperte oder so, aber mein Wissen über den Intelligenzquotienten, und dessen Normalverteilung sagt mir, dass solch einen hohen IQ eigentlich nur maximal 5-10% der Bevölkerung haben sollten. Von daher kommt es nicht nur mir spanisch vor, dass das Ergebnis bei den meisten Probanden so hoch ist.

Zum Vergleich: Aufgrund von ziemlich übertrieben reagierenden Eltern, die sich damals den Floh mit der Hochbegabung ins Ohr haben setzen lassen, bin ich zu Beginn der Pubertät zu ziemlich vielen Instituten geschleift worden, bei denen IQ-Tests gemacht werden, die vielleicht etwas ernsthafter zu werten sein dürften, als dieser hier jetzt. Die Tests waren länger, die Fragen viel komplexer (zB gab es viel mehr Fragen zum räumlichen Vorstellungsvermögen), und am Ende rauchte mir wirklich der Kopf. Das Ergebnis lag irgendwo in den höheren 120ern, genau weiß ich es nicht mehr. Das Thema Hochbegabung war damit auch wieder vom Tisch, da ich knapp unterhalb des Grades lag, ab dem Hochbegabung bescheinigt wurde. Wie auch immer.

Mir juckte es heute in den Fingern, und ich habe diesen Online-Test erneut gemacht, hierbei habe ich allerdings absichtlich falsche Antworten gegeben (wobei vermutlich auch ein paar richtige drunter gewesen sein können, da ich nicht wusste, was wirklich richtig und falsch war, und nur nach bestem schlechtesten Wissen und Gewissen geantwortet habe). Das Ergebnis war seltsam. 104. Das bedeutet, dass man, selbst mit einem komplett strunzdämlichen Ergebnis immer noch minimal klüger sein sollte, als der Großteil der Bevölkerung. (Falls ihr es noch nicht wusstet: Der IQ ist ein relativer Wert, und ist so kalibriert, dass 100 der durchschnittlichen Intelligenz der Grundmenge entspricht, bzw. dem Scheitelpunkt der Normalverteilungskurve).

Dieses Ergebnis überraschte mich schon, und lässt mich rätselnd zurück, auf welcher Grundlage das fußt. Ich habe mehrere Theorien:

  • Der Test ist scheiße programmiert, und geht davon aus, dass jemand, der alle Fragen komplett falsch beantwortet, einen IQ von 100 besitzt.
  • Der Test basiert nicht auf einer Durchschnittsgrundmenge der kompletten Bevölkerung, sondern nur auf der Grundmenge aller Probanden, die exakt diesen Test gemacht haben. Dies würde allerdings bedeuten, dass ein extrem großer Teil der Probanden wirklich so unfassbar dumm sind, und diesen Test falsch gelöst haben, dass sogar nur 10% richtige Antworten direkt für einen “positiven” IQ sorgen.
  • Der Test ist viel zu einfach, und die Grundmenge ist zu klein, sodass der IQ nicht ordentlich kalibriert wurde, und sich die Entropie der Ergebnisse erst noch generieren muss.
  • Die Ergebnisse sind völlig willkürlich gewählt

Wie auch immer, man sollte solche Tests also nicht allzu wörtlich nehmen. Der IQ an sich ist ja auch kein absoluter Wert, wie zB die Blutgruppe, sondern kann sich durchaus verändern, je nachdem wie sich die Gesamtintelligenz der Bevölkerung ändert. Letztendlich ist “Intelligenz” ein dermaßen abstrakter Begriff, dass man ihn so gut wie gar nicht messen, oder vergleichbar aufstellen kann. Jemand sagte einst:

Das einzige, was IQ-Tests wirklich stichhaltig messen, ist die Fähigkeit der Probanden, exakt jenen Test korrekt auszufüllen.

In diesem Sinne…