Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Oct 21, 2014

Yosemite! Apple! Spotlight! Datenschutz! Panik!

Letzten Donnerstag Abend hat Apple die neueste Version seines Betriebssystems, OS X 10.10 Yosemite veröffentlicht. In den 4 Tagen seit der Veröffentlichung hat sich im Netz eine gewisse “Panik” breit gemacht, da die überarbeitete Suchfunktion Spotlight offenbar sämtliche Sucheingaben an Apple weiterleitet.

… and Spotlight really does appear to send live keystrokes directly to Apple: pic.twitter.com/j9jnr86RRU

— Landon Fuller (@landonfuller) October 18, 2014

Ich sehe das allerdings äußerst lässig. Ja, Spotlight sendet jeden Tastendruck an Apple. Dies hat allerdings folgende Bewandtnis: Spotlight kann seit OS X 10.10 auch eine Websuche mit der Sucheingabe durchführen, genau wie das Suchprogramm Sherlock, was bis Mac OS 10.4 Tiger Bestandteil des Betriebssystems war. Und genau wie die Suchleiste von Google versucht Spotlight in Zusammenarbeit mit Microsofts Suchmaschine Bing eine predictive search durchzuführen. Wenn man seinen Netzwerktraffic bei der Benutzung von Google analysiert, kommt man ebenfalls zu der Erkenntnis, dass die Benutzung des Suchfeldes jeden Tastendruck an Google sendet, sodass Google die Sucheingaben on-the-fly analysiert und Ergebnisse zurückliefert.

Wer dieses Verhalten von Spotlight nicht mag, dem erklärt Apple selbst, wie man es unterbinden kann:

You can also easily opt out of Spotlight Suggestions, Bing or Location Services for Spotlight.

Und, o Wunder, in der Systemeinstellungssektion für Spotlight sind mehrere Checkboxen, mit denen eingestellt werden kann, in welchen Bereichen Spotlight suchen kann. Dort lassen sich die angesprochenen Sektionen einfach deaktivieren. Wovon absolut abzuraten ist, ist die Ausführung von unbekannten Scripten, wie sie z.B. auf fix macosx angeboten werden. Wieso sollte man ein Script nutzen, was irgendwo tief im System rumpfuschen könnte, während man selbst das Problem mit 2 Mausklicks lösen kann? Zumindest sollte das Script nicht blind ausgeführt werden, sondern vorher einmal analysiert werden, was es macht.

Und unterm Schlussstrich bleibt das Gefühl einer Heuchelei. Damit webbasierte Suchmaschinen arbeiten können, muss der entsprechende Suchstring an die Suchmaschine übermittelt werden. Wenn man das im Browser macht, und Google so tagtäglich aufruft, wie man es nunmal macht, dann ist das kein Problem, obwohl der Browser Daten an Google übermittelt.
Wenn man das aber in Spotlight macht, und Spotlight die Daten an Apple als Proxy übermittelt, dann ist das böse, Heimtelefonierend, und alle schreien nach Datenschutz.

Ich denke, dass man gerade in heutiger Zeit nicht mehr vom Webbrowser als abgekapseltes Ding sprechen kann. Schon vor 10 Jahren war der Internet Explorer tief im Dateiexplorer von Windows XP verzahnt, und je nach Eingabe in die Adressleiste öffnete man entweder einen Ordner im Dateisystem, oder eine Webseite. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, auch die Suchfunktion von Windows XP mit dem nervigen Hund konnte das Internet durchsuchen. Damals war das aber offenbar kein Problem. Genauso wenig, wie es jetzt ein Problem ist, wenn man die Daten an Google weiterschickt.
Aber kaum ist Apple im Spiel, schreien auf einmal alle laut auf, kriegen die typische Datenschutzpanik (ich bin mir sicher, dass diejenigen, die am lautesten schreien, aus Deutschland kommen), und eine verhältnismäßig unsinnige Debatte wird losgetreten.

Ich sage: Kommt mal klar, und hakt ggf die beiden Häkchen in den Einstellungen für Spotlight ab. Apple hat eine Datenschutzvereinbarung, und behauptet, sich daran zu halten, genau wie andere Webdienste, die usergenerierten Content verarbeiten, auch. Alles halb so wild.