Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Mar 26, 2015

10 Jahre online

Aufge”schreckt” durch eine aktuelle Glasfaser/DSL-Diskussion und wie das damals war, kam ich dazu, mal zu rekapitulieren: Es sieht wirklich so aus, als sei es gerade mal 10 Jahre her, dass ich “im Internet” bin.

In meiner Familie stand der PC damals immer unter einem Stigma. Meine Mutter hatte absolut keine Ahnung von dem Kram, und ließ sich durch diverse Elternzeitschriften blenden, dass ein Computer ja böse sei, und draußen spielen ist ja eh gesünder. Zusammen mit dem Amoklauf in Littleton und dem entsetzten Hype über Counterstrike als ultrabrutales Ballerspiel (Man schießt da ja immerhin auf echte Menschen) war ein halbwegs aktueller PC lange Zeit nie ein Thema in der Familie. Als ich 6 Jahre alt war, stand im Arbeitszimmer meines Vaters ein x286-PC von Wang Computers. Genauere Specs weiß ich nicht mehr, lediglich, dass er ein 5,25”-Floppydrive hatte, wo man die Floppys reinschieben musste, und dann einen Riegel umlegen musste, damit der Rechner darauf zugreifen konnte. Immerhin hatte er schon eine Festplatte, auf der MS-DOS 7.2 installiert war. Zu der Zeit besuchte ich an der Volkshochschule einen Computerkurs, wo uns erklärt wurde, wie man in Turbo Pascal programmiert. Ich habe damals seitenlange Quellcodelistings ausgedruckt, und zu Hause wieder abgetippt. Da war ich so ungefähr 8 Jahre alt. Weitere Software mit der ich mir damals die Zeit vertrieb, waren eine Pseudo-3D-Version von Tetris, ein Flugsimulator, und Microsoft Works, aber hauptsächlich Nibbles, ein mit QBasic mitgeliefertes Beispielprojekt, was im Grunde ein Snake-Klon war.

Als ich 10 war, bekam jene VHS einen Internetanschluss. Ich hatte absolut keine Ahnung, was das war, aber man sagte uns, dass man da z.B. den damaligen Mars-Rover Sojourner beobachten könne. Ich weiß noch genau, wie ich meine erste URL eintippen musste, und heftig geflucht habe, weil die Bezeichnung http:// so kryptisch einzutippen war. Die allererste Webseite, die ich aufrief, war die NASA-Webseite des Sojourners. Ich habe dem Internet keine weitere Bedeutung zugemessen, bis ich bei einem Freund, dessen Eltern zwei PCs besaßen, erfuhr, dass man damit Spiele gegeneinander spielen konnte. Wir verbrachten Stunden mit “Z - The Game”, “C&C Red Alert” und “Age Of Empires”. Ach, good times.

Ungefähr zu der Zeit bekam meine Familie von einer Tante einen “neuen” Computer vererbt. Ein 468er, mit 66 MHz und 512MB HDD, damals noch mit Windows 3.1. Er hatte als Feature ein CD-ROM-Laufwerk mit grandiosem 4x-Speed verbaut. Zu der Zeit war es nämlich gerade Mode, dass man an allen Ecken und Enden, z.B. in Zeitschriften, etc. CDs mitgeliefert bekam. Diese CDs hütete ich wie meinen Augapfel. Ihr kennt noch diese Schwemme an AOL-CDs damals? Richtig, ich besaß welche, und war bitter enttäuscht, dass der Computer das nicht verarbeiten konnte. Stattdessen habe ich mit meinem Vater Samstagnachmittage verbracht, Office 95 zu installieren.

Irgendwann besorgten wir uns Windows 95, und installierten es. Dumm nur, dass das irgendwie scheiße war, und die tolle neue ISA-Soundblaster-Card die ich zu Weihnachten bekam, auf den Tod nicht wollte. Damals musste man noch in jedem Spiel erneut einstellen, welche Soundkarte man benutzte, und ich lernte Begriffe wie IRQ und DMA kennen. Die Karte lief glaub ich auf IRQ 5 und DMA 1. Ich weiß noch, wie ich im Jahr 2000 im Ferienlager war, und ich eine Postkarte meiner Eltern bekam, wo sie mir freudestrahlend erzählten, dass die Soundkarte endlich funktionieren würde.

In der Innenstadt gab es damals einen Laden, der für billige Preise Computerspiele verkaufte, die auch auf solch einem alten System liefen. Meine Schulkameraden fingen damals an mit Counterstrike, ich hingegen schlug mich mit Spielen wie “Conspiracy” und “Der Ring der Nibelungen” rum, die alle total schlecht liefen, und eine herbe Enttäuschung waren. Nichts ist frustrierender, als sich von seinem schmalen Taschengeld ein neues Spiel zu kaufen, und dann zu realisieren, dass es scheiße ist.

Nichtsdestotrotz partizipierte ich damals auf den LAN-Parties, die meine Freunde veranstalteten, dann halt mit einem alten Zweitrechner, der bei denen noch existierte. Meine allererste LAN war glaub ich einfach nur Rumgammeln in Operation Flashpoint, und mit Fahrzeugen durch die Gegend heizen.

Irgendwann erfuhr ich, dass man sich auch eine Email-Adresse machen konnte, ohne einen Internetanschluss zu haben, und so konnte man mich kurz darauf unter simonszu@web.de erreichen. Alle paar Tage drückte meine Mutter mir ein paar Mark in die Hand, und ich sollte ins Internetcafé fahren, um meine Mails abzurufen, und allgemein die Emailkorrespondenz der Familie zu erledigen. Es gab zwischendurch heftige Diskussionen, als ich mein Emailpasswort meinen Eltern aushändigen sollte, und es nicht tat. Irgendwann haben sie es dann eingesehen.

Anfang der 2000er bekam ich auch mein erstes Handy. Nicht das gewünschte Nokia 3210, sondern ein Nokia 5110 von e-Plus. Selbstverständlich habe ich die Telefonrechnung der Eltern über die Gebühr belastet, um mir bei den Vorgängern von Jamba irgendwelche Logos oder Klingeltöne aufs Handy zu laden.

So langsam wurde mir aber klar: Im Jahr 2001 ist ein 486er schon ziemlich scheiße, ich wollte endlich einen aktuelleren Computer haben, um bei LAN-Parties mitzumachen, usw. Glücklicherweise stand meine Konfirmation ins Haus, und ich wurde mit Geld überhäuft. Kurz darauf kaufte ich meinen ersten eigenen ordentlichen Computer. Einen Pentium 4 mit 2,4GHz, auf einem ASRock-Mainboard. 512MB RAM, 20GB Festplatte, eine GeForce 4 MX mit 64MB RAM. Allerdings auch mit einem CD-Brenner und einem DVD-Laufwerk, insgesamt für 250€. Extrem ultra. Das war so Mitte 2003. Im Jahre 2003 habe ich ebenfalls den FCKGW-Produktkey von Windows XP auswendig gelernt, und schöne Sommernachmittage damit verbracht, im Keller zu sitzen, und GTA Vice City zu zocken. Da der Computer eine Komplettzusammenstellung des Ladens war, und da auch noch Garantie drauf war, solang man ein idiotisches Siegel nicht beschädigt, was bei Gehäuseöffnung zwangsweise passieren würde, habe ich im Herbst 2003 den Computer zurück in den Laden getragen, damit die mir da eine Netzwerkkarte einbauen. LAN-Party mit eigenem Computer, here we go.

Im Laufe des Jahres 2004 lief es so lala, allerdings wurde mein Wunsch nach Internet immer größer. Doch zunächst belegte ich in der Schule einen Informatikkurs, und kam erstmalig mit Apple-Computern in Berührung. Es waren iMac G3s, mit Mac OS 9. Und sie waren scheiße. Auf einem der iMacs lief schon OS X, und es war noch viel schlimmer. Meine erste Meinung von Apple war: “Crap!”. Anyway. Zu Weihnachten 2004 lag eine ISDN-Anlage unterm Weihnachtsbaum, und meine Eltern verkündeten, dass man nun endlich auf ISDN umstellen würde, und Internet bekäme. Ich war ein bisschen enttäuscht, dass es kein DSL war, aber laut Meinung meiner Eltern benötige man DSL eh nur, um von KaZaA, Morpheus und Limewire MP3s zu leechen, oder sich in “diesem Counterstrike” die Köpfe einzuschlagen.

Ende 2004 war es dann soweit, und mein Computer ging erstmalig online. Ich holte mir umgehend eine ICQ-Nummer, die auch heute, immer noch aktiv ist, die ich aber nie mehr benutze. 265422473. Ebenfalls Ende 2004 konnte ich mit einem eigenen Anschluss endlich meine HTML-Kenntnisse einsetzen, und ich richtete meine erste Webseite ein. Dank eines Steckbriefes, den irgendein Scherzbold an meiner Schule aufhing, der mich mit einer Grimasse und “WANTED! Axtmörder! 10.000$ reward” zeigte, war die erste Domain, die ich mir besorgte, und auf den diese Webseite hörte, axtmoerder.de.ms. Die dahinter liegende Webseite sollte sich in den nächsten 5-6 Jahren als zentrale Anlaufstelle für meinen Freundeskreis entwickeln. Mittlerweile ist sie längst nicht mehr aktiv, aber noch ein prima Beispiel dafür, wie man nicht in PHP programmieren sollte.

Mittlerweile war es 2005. Ich war mit den Möglichkeiten, die Windows XP mir bot, nicht mehr zufrieden, und wollte mir mal dieses Linux angucken. Da ich bereits einige Freunde hatte, die damals auf Gentoo unterwegs waren, wurde meine erste Linuxinstallation ein Gentoo, nur mit der LiveCD ausgestattet, ohne Internet, mit ziemlich alten Paketen. Mehr “ins kalte Wasser geworfen” geht nicht. Nach einem Wochenende hatte ich allerdings ein bootbares System, und sowas wie ein grafisches Environment, und war stolz wie Oskar. Dummerweise war ein Linux ohne Internet schon damals ziemlich unbenutzbar, weil man keinerlei Software bekam, und so ging’s wieder zurück zu Win XP.

Anfang 2006 änderte ich meine Meinung über Apple radikal, und fand es auf einmal ziemlich geil. Zu der Zeit bekam ich auch ein iBook G4, mit 1,3GHz PPC, 512MB RAM und 40GB HDD. Eine Woche später wurden die ersten Macbooks mit Intel-CPU vorgestellt, aber mir war’s egal. Das iBook hatte WLAN, wir hatten aber nur ISDN. Ich bekam einen ISDN-Router zur Verfügung gestellt, der von ISDN auf TCP/IP gebridget hat. Dummerweise hatte ich ihn so konfiguriert, dass er dauerhaft online blieb, was in Zusammenspiel mit einem zeitbasierten ISDN-Internetanschluss die Telefonrechnung meiner Eltern auf 140€ hochtrieb, und die Überlegung aufwarf, ob eine DSL-Flatrate auf die Dauer nicht doch irgendwie günstiger sei.

2005 fing ich unter anderem auch mit dem Bloggen an, und rotze ab und an meinen Gedankenabfall ins Internet. Ursprünglich mit einem recht unbekannten CMS, wechselte ich zwischendurch zu Wordpress, dann zu Octopress, wieder zurück zu Wordpress, und mittlerweile zu Ghost. Alle Blogeinträge seit 2007 sind noch erhalten.

Mitte 2006 zogen wir um, und im Rahmen des Umzugs wurde im neuen Haus direkt DSL geschaltet. Wieder von Versatel, vermutlich war es DSL 4000 oder so.

Nützte mir aber nicht viel, weil ich ebenfalls im Sommer 2006 von zu Hause auszog, um in Bielefeld eine Ausbildung zu beginnen. Während ich dort wohnte, bezog ich mein Internet von der QSC AG, die damals auch noch eine Privatkundensparte hatte. Das besondere an dem Produkt war allerdings, dass man flexibel einstellen konnte, ob man 2MBit Downstream mit verkrüppeltem Upstream, oder 1MBit symmetrisch, oder verkrüppelten Downstream mit 2MBit Upstream haben konnte. Für mich war das voll ausreichend, aber als es dann irgendwann auf eine 3er-WG angewachsen war, wurde es schon knapp. Glücklicherweise gab es damals noch so gut wie keine Streamingangebote außer Youtube und #musik, sodass wir uns noch irgendwie zusammenraufen konnten.

Im Jahr 2007 lernte ich übers IRC meine jetzige Freundin kennen. Alle Nerdklischees erfüllt - ich habe meine Freundin übers Internet kennengelernt. ;)

2009 endete die Ausbildung, und ich fing ein Studium in Dortmund an. Zunächst wohnte ich im Wohnheim, was über eine ultrafette Leitung direkt ans Hochschulnetz angeschlossen war. Damit die Leitung aber nicht zusammenbrach, weil 200 Studenten mit Ultraspeed am leechen waren, gab es eine Volumenquota von 6GB im Monat. Dies war für meine Zwecke viel zu wenig, und so wurde ich Anfang 2010 Kunde bei Unitymedia, sodass bei mir irgendwann 16MBit via DOCSIS aus der Wand fielen. Von da an fing mein Heimnetz irgendwie an, exponentiell zu wachsen.

Da ja neben dem Internet das Wohnheimnetz noch einige andere Dienste anbot, wollte ich auf den dortigen Uplink nicht verzichten. Es mussten also 2 Router her, die mit einer statischen Route verbunden waren. Weil Unitymedia mir auch Telefon mitgeliefert hatte, brauchte ich eine Telefonanlage, die das ganze auf VoIP umsetzen konnte, und so habe ich einen alten Speedport, der damals noch auf AVM-Hardware basierte, mit dem FritzOS geflasht, sodass der mein IP-basierter Anrufbeantworter sein konnte. Zusammen mit meiner Xbox, meinem Notebook, einem Raspberry Pi und meinem neuen iPhone, was ich mir Anfang 2011 besorgt hatte, war mein Netzwerk für eine alleinstehende Person schon recht groß.

Im Frühjahr 2012 zog ich mit meiner Freundin zusammen, und ich bemühte mich, die Hardware etwas einzudämmen, und wollte eine neu besorgte Fritzbox 7390 als all-in-one-Lösung benutzen. Das lief auch erstmal alles ganz gut. Mitte 2013 war meine Mindestvertraglaufzeit bei Unitymedia ausgelaufen, und ich upgradete auf eine schnellere Verbindung, die unterm Strich günstiger war, sodass ich seitdem mit 502-MBit online war. Gegen Ende 2013 fing die Fritzbox dann an, Zicken zu machen, sodass ich einen neuen Router brauchte. Es wurde ein TP-Link WDR3600, mit dem ich die ersten Erfahrungen mit OpenWRT machte.

Zwischendurch habe ich mal angefangen, mein Netz ein wenig zu dokumentieren, und mittels einem dedizierten Icinga auf einem Raspberry Pi zu überwachen. Laut meiner Dokumentation sind in meinem /24-Subnet mittlerweile um die 40 IPs vergeben (wir sind ein 2-Personen-Haushalt). Die Hosts, die in meinem Netzwerk residieren umfassen 2 iMacs, 3 Notebooks, 2 Smartphones, einen Desktoprechner, 2 Spielekonsolen, 2 Raspberry Pis, eine IP-Webcam, ein NAS mit 6 oder 7 FreeBSD-Jails, einen Router, eine Fritzbox, einen Freifunknode, und wasweißich noch alles.

Auf dem anliegenden Kabelanschluss liegen 3 logische Uplinks ins Internet, einmal die Quasistandleitung zu Unitymedia, einmal ein 6in4-Tunnel zu Hurricane Electric, damit ich auch IPv6 habe, und ein Uplink ins DN42, der aber streng genommen aus 2 VPN-Verbindungen besteht.

Und manchmal, wenn ich so gucke, mein Netz administriere, und einen Haufen neuer Dinge lerne, denke ich an den kleinen Jungen von damals zurück, der sich gefreut hat, auf einem 286er den Basic-Interpreter zu starten, und Snake zu spielen.