Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Apr 12, 2015 - IT

I made a bold move from iPhone to Android, and don't regret it (yet)

Zuerst eine Erklärung des Titels. Ich las neulich diesen Artikel, wo jemand von iOS nach Android gewechselt ist, und es bitter bereut hat.

Nun zu meiner Vorgeschichte: Mein allererstes Smartphone war 2010 ein HTC Dream, auch bekannt als Telekom G1. Das erste Smartphone mit Android überhaupt. Es lief bei mir mit Android 1.6, bzw. 2.3 über CyanogenMod. Und es war scheiße. Programme stürzten alle naselang ab, die vorhandenen Apps waren irgendwie komisch, und die Akkulaufzeit war unterirdisch. Schnellstmöglich verabschiedete ich mich davon, und besorgte mit Anfang 2011 ein iPhone 4, und im Herbst 2014 ein iPhone 5s. Ich war sehr zufrieden damit, es funktionierte alles, und war schick, und überhaupt. Die fehlenden Einstellungsmöglichkeiten, die Android mir liefern könnte, aber iOS nicht, haben mir nicht gefehlt.

Doch die Zeiten änderten sich. Als Leser einiger Techblogs bekam ich immer wieder mit, dass es mittlerweile durchaus Handys gibt, die die gleiche Leistung, oder noch mehr, als ein iPhone bringen könnten, und dabei nur ein Bruchteil des Preises kosten würden. Ach, wenn doch blos das OS nicht so schäbig wäre.

Im Herbst 2014 hat Apple allerdings auch iOS 8 und Mac OS 10.10 veröffentlicht, was von einer bei Apple noch nie dagewesenen unterirdischen Qualität war, und das Stickwort #peakapple in den Social Media Kanälen hervorbrachte. Klar, es war immer noch solide Software, aber nicht mehr so perfekt, wie man es von Apple gewöhnt sein könnte, sondern allenfalls Mittelmaß. So langsam fragte ich mich schon, wieso man für mittelmäßige Software Apple-Preise bezahlen sollte, wenn man doch auch andere mittelmäßige Software für weitaus weniger bekommen könnte.

Im März 2015 setzte Apple dann die Krone der Absurdität auf, indem es ein goldenes Macbook vorstellte, und eine Smartwatch, die bis zu 10k Euro kosten sollte. Als Besitzer einer Pebble-Smartwatch ging mir der darauf folgende Hype so dermaßen auf den Sack. Es wirkte, als hätte Apple alleine die Smartwatch erfunden. Zum ersten Mal konnte ich nachvollziehen, wie sich die Leute damals bei der Vorstellung des iPads gefühlt haben könnten.

Als das folgende Softwareupdate auf meinem Handy mir eine neue unlöschbare App präsentierte, mit der ich eine Apple Watch konfigurieren könnte, die ich aber niemals besitzen werde, war mir klar: Ich muss mir dringend mal ein Handy mit Android 5 besorgen, und es mal genauer testen. Wie es sich im Alltag macht, wie zuverlässig es ist, wie ich mit der Software zurecht komme. Ich stöberte umher, und war immer noch unschlüssig. Eigentlich habe ich ja noch ein Handy, was gut funktioniert, und eigentlich brauche ich keine neue Hardware.

Letzten Dienstag jedoch veröffentlichte Apple ein neues Update für OSX, dessen Hauptbestandteil die Obsoletisierung von iPhoto und Aperture zugunsten der neuen Photos-App werden sollte, die in Verbindung mit der iCloud die neue Fotoverwaltung darstellen sollte. Aperture, was ich vorher präferiert benutzt habe, ging damit End Of Life. Schade drum, denn Yosemite Photos würde einen viel geringeren Funktionsumfang besitzen. Nundenn, ich wollte es dennoch mal ausprobieren, und startete den Migrationsprozess meiner 60GB großen Fotobibliothek. Nach gut 1,5 Tagen stand der Fortschrittsbalken der Migrierung bei 9%. Ich hatte absolut keine Lust, zu warten, bis wieder irgendein Stück Software gut 2 Wochen brauchen würde, um 60GB Fotos zu sortieren, und war überrascht, wie sehr sich dieses Erlebnis in das sonstige Frustgefühl einsortieren konnte, was ich in letzter Zeit immer bekam, wenn Apple ein eigentlich gutes Konzept bei Markteinführung wieder total verkackt.

Am gleichen Abend räumte ich meinen Google-Account von diversen Altlasten auf, lud mir Picasa runter, um meine Library weg vom dahinkrebsenden Apple-Ökosystem zu befreien, und bot meine Seele dem Satan Google an. An ebenjenem Abend bestellte ich mir ein Motorola Moto E 2. Bis auf das Display und das fehlende Fotolicht annähernd gleiche Specs wie das iPhone 5s, aber nur 120€ Neupreis - dies sollte mein Gerät werden, mit dem ich dem System Android eine neue Chance bieten würde.

Mittlerweile ist das Handy, samt SD-Karte da, und ich bin fleißig am gucken, migrieren und einrichten. Ich konnte allerdings schon einige Behauptungen aus oben verlinktem Artikel falsifizieren.

It doesn’t seem to have native support for anything. My Spotify app doesn’t seamlessly work within Android’s confines, which make quickly stopping and starting music a pain. Most third-party headphones also don’t work very well with the operating system. They may play and pause music, but they’re mostly unreliable and lack features.

Mein Spotify startet, wie gehabt, per Tip auf das Icon. Ich habe das Spotify-Widget auf meinem Lockscreen eingebunden, und kann die Musik dort genau so gut steuern wie unter iOS. Die Applekopfhörer funktionieren 1a mit dem Gerät, ich kann Play und Pause drücken, die Lautstärke ändern, und Anrufe annehmen. Was für Features gäbe es denn dann noch, die die Teile unter iOS können, aber nicht unter Android? Mir ist nichts aufgefallen.

The phone interface is completely clunky. Calling somebody takes four or five clicks rather than the one or two of iOS, and pictures never show up and sync easily with Facebook.

iOS: Ein Click, um das Adressbuch zu starten. Ein Klick, um zum Kontakt zu scrollen, ein Klick um den Kontakt auszuwählen, ein Klick, um die Nummer zu wählen. Android: Ein Click, um das Adressbuch zu starten. Ein Klick, um zum Kontakt zu scrollen, ein Klick um den Kontakt auszuwählen, ein Klick, um die Nummer zu wählen.

Allerdings: iOS: Ein Klick, um Siri aufzurufen. “Rufe xyz an”. Fertig. Android: 0 Klicks. “OK, Google, Rufe xyz an”. Fertig.

Bezüglich Facebooksync kann ich nichts sagen, ich synchronisiere meine Kontakte über CardDAV.

Apps are an utter disaster. Nearly every iOS version of an app looks slicker and operates better than its Android counterpart. Good luck finding a good Twitter app because the official one is a pain, and all the other options are second rate compared to the amazing Tweetbot app I swore by on iOS.

Diesbezüglich habe ich extra ein Handy mit gleicher Leistung gewählt. Alle Programme arbeiten, abgesehen vom schlechteren Display, absolut gleichwertig. Die Suche nach einer Twitterapp war aber auch ein Hindernis für mich, da Tweetbot wirklich eine nahezu perfekte App ist. Ich bin jetzt bei Talon gelandet, was nahezu gleichwertig ist. Mir fehlt immer noch die Möglichkeit, einen eigenen Bilderhoster auszuwählen, aber diesbezüglich werde ich die Entwickler mal anschreiben. Dies ist allerdings ein Feature, was ich bis jetzt ausschließlich bei Tweetbot gefunden habe.

Messaging is horrendous. I became disgusted with Samsung’s awful built-in messaging app pretty early on and downloaded an app called “Textra” to manage texts. (As I said, everything can be substituted and modified in Android). This makes the experience better, but it’s still far inferior to iOS messaging.

Ah. Samsung. Selbst schuld. Selbst eingefleischte Android-Fans rieten mir initial von Samsung ab, weil das wohl ziemlich schlecht sein soll. Ich nutze hauptsächlich Threema und Whatsapp, und beides läuft auf Android ziemlich solide.

Notifications are the worst. They barely exist on Android, or at least I feel that way. I’m constantly missing texts, phone calls, news alerts, you name it. Once again, I had to download a third-party notification plug-in called “Heads Up,” to fix this problem. Now I get Google card-like popups when a notification comes down, and I miss a lot fewer. This is not, however, ideal. It’s a frustrating solution to a frustrating problem.

Richtig. Es gibt kaum Pushnotifications unter Android, und zwar aus dem simplen Grund, dass es dort keine Beschränkungen gibt, dass Apps kaum im Hintergrund laufen dürfen, und auf externe Server angewiesen sind, um Notifications zu spawnen. Vielmehr erzeugen sie sie selbst, weil sie einfach im Hintergrund auf Sparflamme weiter laufen. Natürlich klingelt das Handy bei Anrufen, und plingt bei SMS, Tweets und Mails. Was will man denn noch? Als Bonus gibt es dann natürlich noch die Notifications auf der Pebble…

Google did make notifications better in its latest version of Android, called Lollipop, but my phone hasn’t gotten that update. That’s another problem with Android phones: You often have to wait months to get a new software update, if you get it at all.

Das war auch einer meiner größten Kritikpunkte an Android, und wird es auch weiterhin bleiben. Allerdings: Wieso so hastig nach neuen Updates, solang Sicherheitslücken auch ASAP in älteren Versionen gefixt werden? Hey, ich bin Debianuser, ich kenn das. Es ist ja nicht so, dass bei Erscheinen eines neuen Updates die Apps auf älteren Systemen nicht mehr funktionieren würden, oder ein Handy, was nicht mehr mit der neuesten Version versorgt wird, automatisch als veraltet gilt. Das mag bei Apple natürlich anders sein. Auch: Ich habe mich bewusst für Motorola entschieden, weil die, anders als Samsung, ein möglichst unverbasteltes Android deployen, was für schnellere Updatezyklen sorgt.

I’ve had to cover up so many of Android’s flaws with third-party apps that it barely resembles Android anymore.

a la “Mimimi, ich habe die Möglichkeiten, 3rd-Party-Apps einzusetzen, wenn mir die originalen Möglichkeiten nicht gefallen”. Sorry, aber das klingt mir doch jetzt schon zu sehr nach Stockholmsyndrom bezüglich Apple. Ich für meinen Teil schätze es sehr, wenn mir das OS nicht schon 30 Apps vor die Nase setzt, sondern ich es mir aussuchen kann. Nicht umsonst hassen die Leute immer mal wieder gegen prebuilt Windows-PCs, wo schon ein Haufen Crapware installiert ist, und schätzen es an Macs und Linuxdistributionen, dass dem eben nicht so ist. Wozu brauche ich vorinstallierte Kameraapps, Twitterclients, Browser und Mailclients, wenn die App Stores doch voll von Alternativen sind?

Wie auch immer. Sollte sich das Moto E, bzw. das Android dadrauf bewähren, so kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich mein iPhone 5s bei eBay verkaufe, mir von dem Verkaufspreis ein etwas besser ausgestattetes Handy besorge, vielleicht noch ein Tablet, und mir dann von dem Restbetrag einen schönen Tag mache, und mir eventuell noch ein Auto kaufe, oder ein kleines Eigenheim ;)

Was allerdings noch bleiben wird bei mir, ist Mac OS als Desktopbetriebssystem. Es hat durchaus seine Macken, aber momentan gibt es noch nichts besseres. Wenn man sich nicht zu sehr im Apple-Ökosystem fangen lässt, sondern das OS wirklich nur als Hardwareabstraktionslayer und Starter für Applikationen betrachtet, erfüllt es seinen Job immer noch sehr gut. Und wenn man keinen Wert auf Neugeräte legt, sondern mal bei eBay stöbert, ist das Finanzielle auch nicht so absurd hoch.