Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jun 29, 2016

Ein Abend bei Starbucks

So, dann entferne ich mal die Staubschutzhülle von diesem Blog, und schreib mal wieder was.

Wir (also das Schaaaf und ich) sind ja doch ab und an Kunde bei einer gewissen Kaffeehauskette aus Seattle. Kritiker mögen jetzt über die neologistischen Wortmonster, die die dort angebotenen Produkte beschreiben, oder über die Preise meckern - aber es schmeckt uns dort. Überdies ist “Espresso Macchiato für 3€” weder ein Wortmonster, noch zu teuer. Aber sei’s drum.

Da wir dann halt doch ab und an mal da sind, haben wir uns auch mal gedacht, an diesem Kartenprogramm teilzunehmen. Zahlung per App ist ja in Deutschland noch nicht so verbreitet, und dadurch konnten wir es mal ausprobieren. Außerdem: Am Geburtstag ein Getränk für umme, und die Chance auf eine goldene Kundenkarte. Scheiß auf den Kaffee, eine goldene Kundenkarte. Überdies versprach uns die Propaganda vollmundig noch weitere “exklusive Aktionen und Rewards”.

Tja, Kaffees wurden getrunken, goldene Kundenkarten wurden verschickt. Nix besonderes. Aber so vor gut 10 Tagen bekam das Schaaaf eine Mail von Starbucks. (Wieso nur sie, und ich nicht, obwohl wir beide Goldmember sind, verstehe ich bis heute nicht). Inhalt der Mail: “Wir laden dich und eine Begleitperson deiner Wahl zu einem ganz besonderen Abend nur für Gold-Mitglieder ein.” Bäm, goldene Kundenkarte, und ein “ganz besonderer Abend”. Vermutlich nicht unbedingt mit rotem Teppich, vorfahrenden Limousinen, Blitzlichtgewitter und kreischenden Fans, aber stattdessen mit Kaffee. Totally worth it.

Und so machten wir uns am gestrigen Abend auf zu unserem örtlichen einer unserer örtlichen Starbucks-Filialen. In Dortmund wohnen nämlich so extrem viele Kaffeetrinker, dass es auf einer Fläche von 4 km^2 sage und schreibe 3 Filialen gibt. Eine davon war gestern dann ab 17 Uhr regulär geschlossen, und wurde von der Belegschaft exklusiv nett hergerichtet. Eröffnung ab 19 Uhr, Einlass nur nach Gästeliste (man musste sich vorher anmelden).

Kuchen

Und ich muss sagen, das Event war dann tatsächlich recht nett. Es gab ein Kaffee-Tasting (nur 2 Sorten, aber immerhin) mit der Empfehlung, dass man zu dunklerer Röstung gut eine Stroopwaffel essen könne, und zu hellerer Röstung einen Möhrenkuchen - wie auch immer, das war schon ganz okay. Weiterhin gab es ein Kaffee-Nosing, um die Duftaromen von vier verschiedenen Sorten frisch gebrühtem Kaffee zu erschnüffeln. Leider ging es mir dort noch wie bei den Whiskys auch - ich riech zwar, dass die anders riechen, aber selbst mit puren Vergleichsgerüchen konnte ich nicht wirklich die einzelnen Komponenten herausriechen. Abgesehen natürlich von den üblichen Tendenzen à la “Mehr säuerlich - mehr erdig”.

Abgesehen davon ging’s dann auch ans Mitmachen. 3 geduldige Baristas (Baristis? Baristae? Baristasse(n)?) haben uns gezeigt, wie man die üblichen Kaffee-Getränke selbst machen kann. Als Besitzer einer Siebträgermaschine und Zubehör war das für mich nicht viel neues. Cappuccino wird mit etwas stärker aufgeschäumter Milch gemacht als ein Latte, blabla, das übliche halt. Durchaus interessant war allerdings dann die Möglichkeit, sich die Getränke dann auch selbst zuzubereiten. Wenig überraschend: Es ist alles extrem idiotensicher. Systemgastronomie halt. Sprich: Beim reinen Espresso-Brühen nimmt einem die Maschine die gesamte Logik ab. Man drückt halt auf einen Knopf. Fertig. Auch das Aufschäumen der Milch mit der Dampflanze passiert vollautomatisch, man muss nur die Milchkanne in der richtigen Höhe unter die Dampflanze halten. Der Hebel, den man ziehen muss, um den Dampf abzulassen ist vermutlich nur ein Show-Objekt, es hätte auch ein Knopf gereicht.

Kaffee

Das Zubereiten des kalten Tees ist noch einfacher. Sirup in den Becher tun, mit Wasser auffüllen. Alles genau durchgeplant, damit jedes Endprodukt exakt identisch ist. Dennoch - es ist halt lecker.

Während des gesamten Abends wurde dann auch noch Gebäck gereicht. Alles in kleinen Häppchen, damit man sich auch da mal durchprobieren kann. Als jemand, der bei Starbucks ansonsten äußerst selten was isst, war das teilweise durchaus überraschend, wie lecker das sein kann. Klar, alles war aufgetaute Tiefkühlware, aber schon lecker. Ich esse halt nicht alle Tage einen Bananen-Walnuss-Kuchen oder Brownies mit Marshmallow drauf. Und da die Häppchen allesamt in so kleinen Papierschälchen serviert wurden, und ich die mal gestapelt habe, kann ich nun wissenschaftlich fundiert behaupten: 17 Kuchenhäppchen machen pappsatt, sorgen für einen eklatanten Zuckerüberschuss im Körper, und erzeugen ein starkes Verlangen nach salzigem Kram. Hinzu kam der Effekt von hochgerechnet 7 Espressi nach 19 Uhr, und ich schlief nicht mehr so gut danach.

Zum Abschied bekam jeder Gast noch ein Abschiedsgeschenk mit auf den Weg nach Hause, bestehend aus einer Packung Espresso (leider der helle Roast, den ich nicht ganz so lecker finde), einer kleinen Tasse, und 2 Süßigkeiten, die man dort üblicherweise in Kassennähe findet.

Alles in allem ein netter Abend. Die Möglichkeit, mal die Espressomaschinen auszuprobieren, die Ersparnis eines Abendessens durch “Death by Kuchenhäppchen” und noch etwas Kaffee für zu Hause - und das alles nur, weil wir im letzten Jahr schön Kaffee getrunken haben, um Goldmember zu werden. Kundenbindung können die wohl.