Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Dec 10, 2016

Senseo Quadrante (HD7863) Schwimmer reparieren

Da ich bei uns im Haushalt der einzige Kaffeetrinker bin, besitze ich eine Senseo Quadrante Kaffeepadmaschine. Ich trinke nicht extrem viel Kaffee, und bin morgens im Schlafzombiemodus noch nicht in der Lage, die Siebträgermaschine ordentlich zu bedienen. Die Senseo ist mittlerweile schon recht alt (gekauft im Dezember 2009) und in letzter Zeit gab es immer mehr Probleme mit dem Schwimmer im Wassertank. Dieser Schwimmer meldet über einen Magneten einem Reed-Kontakt in der Maschine, dass noch genug Wasser im Tank ist. Bei der Quadrante ist es ein bekanntes Problem, dass diese Schwimmer irgendwann kaputt gehen, weil sie nicht gut konstruiert sind. Philips verkauft die aber nicht einzeln, sondern nur den Tank als ganzes, obwohl, oder vermutlich gerade, weil das Problem bekannt ist. Die Schwimmer kann man aber relativ gut selbst reparieren.

Bis jetzt hatte ich mir damit temporär geholfen, den Schwimmer nach einer Neufüllung des Tanks mit einer Gabel wieder nach oben zu fummeln, sodass er einen vollen Tank an die Maschine meldete - das herabsinken bei zu niedrigem Wasserstand ging dann noch von alleine. Das klappte noch einigermaßen, bis in letzter Zeit auch noch komische schwarze Krümel im Tank auftauchten, und die Maschine eines morgens mit großem Getöse trockenlief, was tendenziell tödlich für den Boiler sein kann. Ein Ersatzgerät hatte ich schon besorgt, allerdings war ich enttäuscht, wie billig die aktuelle Generation der Senseo-Maschinen produziert wird. Das Abtropfgitter war nur mehr aus Plastik, der Tank rastete nicht ein, sondern war nur aufgelegt, und mein Thermobecher passte auch nicht mehr drunter. Also habe ich die Ersatzmaschine erst einmal auf Vorrat in den Keller gestellt, und mal geguckt, was man am Schwimmer noch machen kann.

Zunächst einmal musste der Deckel des Tanks entfernt werden. Hierzu muss man die obere Tankwand etwas nach außen biegen, damit die Rastnasen den Deckel freigeben. Der Tank ist dann rundherum noch mit ein paar Rastungen mit der innenliegenden Wand verbunden, kann aber einfach nach oben abgezogen werden.

Tankdeckel

Der Schwimmer ist dann selbst mit einem kleinen Metallstück auf seiner Bahn fixiert. Mit einer Spitzzange kann man dieses Stück recht einfach entfernen (nach oben hin wegziehen, es ist nur geklemmt). Man sollte es irgendwo hin legen, wo man es nicht verliert. Ich nutze für sowas gerne Schnapsgläser.

Klemmteil

Hat man den Schwimmer nun in der Hand sieht man meistens gleich, wo er undicht geworden ist. Im Schwimmer selbst sind nämlich zwei Kunststoffpads gesteckt, die vermutlich für den Auftrieb sorgen sollen. Die Schwimmerkapsel ist nämlich selbst nicht komplett wasserdicht, und läuft irgendwann voll. Die Kunststoffpads dehnen sich mit der Zeit unter Feuchtigkeit aus, und drücken so den Schwimmer auseinander, sodass noch mehr Wasser hineinläuft. Sie zerbröseln dann irgendwann, und das sorgt für die schwarzen Krümel im Tank. Man sollte daher den Schwimmer erst einmal öffnen, und die beiden Kunststoffpads komplett entfernen, sowie ebenfalls den Magneten, der in meinem Fall komplett verrostet war.

Magnet

Die Kunststoffpads lassen sich mit einer Spitzzange einfach entfernen, weil sie auch nur gesteckt sind. Der Magnet ist entweder verklebt gewesen, oder war einfach festgegammelt, aber ich konnte ihn mit einem Messer einfach aus seinem Platz raushebeln (und dabei das Phänomen von magnetischem Rostpulver bestaunen). Nachdem vom Schwimmer jetzt nur noch die Kunststoffkapsel übrig ist, kann man sich die Tatsache zu Nutze machen, dass 99% aller abnehmbaren Senseobauteile spülmaschinenfest sind, und die Schwimmerkapsel, sowie die beiden Tankteile (Tank und Tankdeckel) einmal in die Spülmaschine legen, um alle Reste von Kunststoffkrümeln und Rostpulver zu entfernen.

Nachdem die Teile gereinigt und wieder komplett trocken sind, kann man sich um Ersatzteile bemühen. Passende Magneten bekommt man auf eBay, dort einfach nach “Senseo Schwimmer Magnet” o.ä. suchen, es gibt genug Händler, die auf den Zug aufgesprungen sind, und passende Ersatzmagneten anbieten. Der Platz der beiden Kunststoffpads kann daraufhin wunderbar von etwas Kork eingenommen werden. Entweder man ist Weintrinker, und kann einen alten Korken zerschneiden (er sollte nur komplett trocken sein, weil der Schwimmer nachher ordentlich versiegelt wird), oder man besucht mal sein örtliches Bastelgeschäft. Ein einzelner Korken reicht schon.

Der Korken wird in passende Stücke geschnitten und locker in die Kammern im Schwimmer gestopft, wo vorher die Kunststoffpads waren.

Korken

Den Ersatzmagneten kann man dann mit einem Tropfen Sekundenkleber in der Mulde befestigen. Der Kleber ist optional, da der Magnet auch so schon durch die Bauform des Schwimmers gut in der Mulde hät, aber mit Kleber klappert da nichts. Ich habe es vorher getestet: Es ist absolut egal, wie herum der Magnet in der Mulde gepolt liegt. Basierend auf den Bauformen der meisten Reed-Kontakte sollte dies klar sein, aber sicher ist sicher.

Magnet

Nun geht es ans Verschließen des Schwimmers. Im Werkszustand ist er nur mit den beiden Rastnasen neben der Magnetmulde verschlossen, dies führt aber auf kurz oder lang wieder zu der eben behobenen Undichtigkeit. Besser wäre es, wenn man den Schwimmer komplett versiegelt. Ich musste etwas recherchieren, bis ich das dafür passende Material gefunden habe. Heißkleber ist nämlich immer so eine Sauerei, und da eine Kaffeemaschine potenziell heiß wird, wollte ich vermeiden, dass der Kleber zu weich wird oder bleibt. Sekundenkleber ist nicht benutzbar, weil er keine spaltfüllenden Eigenschaften bietet, und ich zumindest die beiden Löcher, in die die Rastnasen einhaken, von außen komplett vergießen wollte. Ich hatte noch Zweikomponentenkleber hier, bei dem beide Komponenten flüssig sind. Das würde gehen - allerdings kam der Kleber aus zweifelhafter chinesischer Herkunft, und da die Klebefläche direkt mit dem Wasser in Kontakt kommen würde, was ich letztendlich als Kaffee trinken würde, war mir dies recht suspekt. Gießharz wäre eine Möglichkeit gewesen (jenes, was aus Pulver besteht, was man dann mit einer zweiten Komponente zusammen anrührt), aber alle Verpackungsgrößen fand ich nur ab 500g aufwärts, was insgesamt teurer gewesen wäre, als einfach einen neuen Tank zu kaufen, ja teilweise teurer als eine komplett neue Maschine. Ich habe dann letztendlich einen UV-aktiven Kleber aus dem Modellbaubereich genommen. Schnelle Aushärtung, und Spaltüberbrückung bis 2mm klangen gut - außerdem wollte ich das mal ausprobieren, wie gut das geht :D Und es ging gut. Kleber rund um die Verschlussnaht des Schwimmerdeckels verteilen, ein paar mal mit der mitgelieferten UV-Lampe da drüber wedeln, und der Kleber wurde zu festem Kunststoff. Top.

Fertiger Schwimmer

Am Ende habe ich dann nur noch den überstehenden Kleber mit einem Cuttermesser wieder etwas runtergehobelt, damit der Schwimmer wieder komplett frei in seiner Führung lief, und alles wieder zusammengebaut.

Die Maschine läuft wieder 1a, und macht hoffentlich noch so 3-4 Jahre. Dann hat sie die 10 Jahre voll, was einen Lebenszyklus einer Kaffeemaschine, die zu größten Teilen aus Kunststoff besteht, schon weit überschreitet.