Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jun 25, 2017

ExtraSchicht 2017

Gestern Abend besuchten wir zum mittlerweile vierten Mal die “Museumsnacht in groß”, die ExtraSchicht 2017. Schon im Vorfeld (auf der Heimfahrt von der ExtraSchicht 2016) hatten wir uns entschieden, dieses Jahr eher die kleineren Spielorte im Norden anzusehen.

Da wir in den letzten Jahren immer recht gut damit gefahren sind, eines der Mega-Highlights immer direkt am Anfang zu besuchen, um dem Andrang zuvorzukommen (und wir damit erfolgreich durch den Duisburger Hafen geschifft sind, sowie mit dem historischen Zug übers Stahlwertk gegondelt sind), haben wir uns als diesjähriges Mega-Highlight die Bustour übers Chemiewerk in Marl ausgesucht.

Um möglichst früh da zu sein, haben wir den Zug um 16:03 ab DO Hbf genommen, und sind erstmal nach Gelsenkirchen gefahren, um einen Shuttlebus nach Marl zu nehmen. Was wir nicht bedacht haben: Die Shuttles fahren erst ab 18 Uhr. Also wieder zurück nach Herne, dann nach Recklinghausen, und von dort mit dem Überlandbus nach Marl. Was für ein Kaff…

Dort bekamen wir aber einen der ersten Shuttlebusse zum Chemiepark, und kamen gegen 17:50 dort an. Es gab bereits eine signifikante Schlange, um eins der Zeittickets für die Bustouren zu bekommen. Leider war diese Schlange identisch mit derjenigen, wo die Leute sich noch ein allgemeines Ticket kaufen konnten, und so ging es nur langsam voran. Gegen 18 Uhr hatten wir dann aber unser Ticket für die dritte Bustour in der Hand. Nach einem kleinen Snack wurden die Tickets dann auch direkt wieder ad absurdum geführt. Da die Busse irgendwie überbucht waren, und los fuhren, sobald sie voll waren, fuhr unser Bus statt um 18:50 schon um 18:30 los. Die Tour war aber ganz gut, und interessant. Ein Highlight war natürlich die Aussicht vom ehemaligen Laborhochhaus, was nur noch für die Besuchertouren stehen bleibt, und eigentlich wegen Brandschutzbestimmungen längst geschlossen ist.

Nach der Bustour zeichnete sich ab, dass auch die Shuttlebusse einige Verspätung eingefahren haben, und es fing auch noch an zu tröpfeln. Doch als erfahrene ExtraSchicht-Besucher konnte uns das nicht schocken, wir haben alles locker genommen, und schließlich kam der Bus, sodass wir gegen kurz vor 20 Uhr wieder in Marl Mitte ankamen. Dort besuchten wir erstmal einen Supermarkt, um etwas Abendessen zu besorgen, und staunten, was für ein unfassbar hässliches kleines Kaff Marl doch ist.

Gegen 20:15 bestiegen wir den nächsten Shuttlebus Richtung Zeche Fürst Leopold in Dorsten. Dort angekommen war der Regen in vollem Gange - aber da Regen auch irgendwie Tradition bei der ExtraSchicht hat, war das egal. Regenjacken waren ja dabei. Auf der Zeche gab es, eingerahmt in die verschiedenen gastronomischen Betriebe einen kleinen Markt, auf dem u.a. ein Mensch mit Feuer-Pois zu Blechblasmusik jonglierte, was insgesamt seltsam wirkte. Die Musik passte einfach nicht :D

Wir haben dann eine Führung über die Zeche genommen, und spazierten u.a. durch die ehemalige Waschkaue, in der ein Laser auf die regelmäßig stattfindende Lasershow wartete.

Laser

Der Abschluss der Führung bildete eine Vorführung der alten Fördermaschine, die zwar imposant aussah und restauriert war, aber leider nur noch elektro-hydraulisch gearbeitet hat. Ein Sensor nimmt die Hebelstellungen auf, und ein Hydraulikmotor treibt ein unsichtbares Reibrad an, was dann das Hauptrad antreibt, was wiederum die Kolben bewegte. Sah imposant aus, wirkte aber etwas schwach - auf der Zeche Nachtigall, die wir zur Extraschicht 2013 besuchten, wurde die Fördermaschine immerhin mit Druckluft betrieben.

Wieder im Bus ging es zurück nach Süden, in Richtung Zeche Schlägel&Eisen in Herten. Dort das gleiche Setup, was sich ja doch immer wieder wiederholt. Buntes Licht, etwas Essen, und eine Bühne mit Künstlern drauf. Durch die Lage auf den Zechen und Industriegebäuden ist es aber immer was besonderes. Spontan habe ich noch bei einer Verlosung einer Heißluftballonfahrt mitgemacht, die im September stattfinden soll, aber leider nicht gewonnen. Nach Bestaunen des Marktes, wo u.a. ein Künstler Holzdinge aus recycelten Skateboards angeboten hat, bestiegen wir den Bus in Richtung Zeche Ewald. Vielleicht bekommt man ja noch was vom Feuerwerk mit, immerhin war es mittlerweile schon 23 Uhr durch.

Förderturm

Dem war leider nicht so, die Massen an Leuten zogen schon weiter, und wir guckten einfach nur mal so, wie die Zeche so ist. Auf jeden Fall ein Gelände mit Potenzial, wo aber noch etwas gemacht werden muss.

Zwischendurch erreichte uns eine WhatsApp-Nachricht von Freunden, sie seien gerade am Schiffshebewerk in Waltrop, ob wir vorbei kommen wollten. Dies war mit einmal Umsteigen am Umspannwerk in Recklinghausen zu schaffen, und wir schnappten uns den nächsten Bus. Allerdings war am Umstiegspunkt am Umspannwerk bereits nichts mehr los, und da meine bessere Hälfte auf dem Weg nach Waltrop im Bus einschlief, entschieden wir uns, sitzen zu bleiben, bis der Bus an seiner Endstation an der Kokerei Hansa ankommen sollte. Von dort haben wir dann den Shuttlebus zum Fußballmuseum genommen, der auch am Brauereimuseum hielt. Von dort waren es dann noch 300m zu Fuß nach Hause, wo wir gegen 2 Uhr morgens auch ankamen.

Alles in allem war die ExtraSchicht wie immer sehr nett. Wenn man von den Ankerpunkten, die jedes Jahr gnadenlos überlaufen sind, Abstand hält, und stattdessen die unbekannteren Orte besucht (Zollverein kennt doch eh schon jeder, aber Fürst Leopold war komplett neu für mich), bekommt man familiäre Atmosphäre und liebevolles Programm. Ein Highlight direkt am Anfang ist immer schaffbar, man muss nur früh genug da sein. Als wir z.B. vom Chemiepark wieder los fuhren gegen 19:30, waren die ersten Gäste da, die auf dem Absatz umdrehen konnten, weil die Touren alle restlos ausgebucht waren.

Wir kennen jetzt die Zeche Fürst Leopold mit der schön gelegenen Außengastronomie, und haben schon grob geplant, Dorsten diesen Sommer noch mal zu besuchen, tagsüber ins Atlantis schwimmen zu gehen, oder in den Movie Park zu fahren, und Abends auf der Zeche was zu essen.

Da wir dieses Jahr uns wieder die Ruhr-Top-Card gekauft haben, haben wir außerdem für die gesamte ExtraSchicht nur 8,50€ Eintritt bezahlt. Vieles kann man sich auch ohne Ticket ansehen, aber man zahlt ja wie im Zug nicht für die Ticketkontrolle, sondern für die Dienstleistung.

Es war wie immer schön, etwas Industriekultur mitzubekommen, und wir freuen uns schon aufs nächste Jahr. Der Termin steht schon fest im Kalender ;)