Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jun 12, 2017

Kino-Kurzmeinung 4: Alien Covenant

Ich finde den Film relativ durchwachsen. Stellenweise bedient er sich so ungeniert an den traditionellen Elementen der alten Alien-Filme, dass es fast schon langweilig wirkt. “Ah, du bist also die Frau, die am Ende überlebt.” “Ah, das ist jetzt also der Endkampf, in dem das Alien nur unter Zuhilfenahme von gigantischen Maschinen, die eigentlich für Logistikaufgaben gebaut wurden, besiegt werden kann.” “Ah, das ist also der Post-Showdown, in dem noch ein Alien besiegt werden muss.”

Zu Beginn muss man sich tatsächlich fast physisch zurückhalten, nicht vom Kinosessel aufzuspringen, und der Raumschiff-Crew rechts und links eine mitzugeben für ihre unfassbare Doofheit. Klar, mehrere Jahre Suche und Forschung nach einem geeigneten Planeten aufgeben, weil man ein verirrtes Funksignal bekommen hat, und auf gut Glück irgendwo hin fliegt, während der Zuschauer schon weiß: Jaha, wenn die da hin fliegen, sterben die alle. Das ist nicht einfach zu ertragen.

Genau so später, als bereits zwei Crewmitglieder vom Pathogen infiziert wurden, und man als Zuschauer weiß: Jo, die sind in 5 Minuten tot, aber die Crew natürlich noch von nichts weiß, und sich zu immer größerer Panik aufschaukelt, weil ihre Kollegen aus irgendeinem Grund schwer krank geworden sind.

Aber der Film hat nicht nur schlechte Seiten. Der Flashback, in dem David mit dem Raumschiff des Konstrukteurs aus “Prometheus” auf dem Planeten ankommt, und, Ozymandias zitierend, das gesamte Volk mit dem Pathogen auslöscht, ist grandios. Auch, dass die fehlenden Teile in der Evolutionsgeschichte des Aliens, die noch zwischen dem Tentakelmonster aus “Prometheus” und dem schwarz gepanzerten Xenomorph fehlten, endlich aufgelöst werden, ist befriedigend, und als Fan der alten Filme freut man sich tatsächlich, als der Captain im Keller der Nekropole endlich die “echten” Eier findet, und sich das erste Ei öffnet.

Dennoch bleibt das Alien in dem Film nur ein Rand-Antagonist. Der Haupt-Antagonist ist wie in Prometheus der Androide David, der, von irgendeiner boshaften Neugier getrieben, das Alien an sich erst heranzüchtet. In “Covenant” bekommt er allerdings mit dem Androiden Walter, der der gleichen Baureihe entstammt, eine Art “gutes Gewissen” entgegengestellt. Der Konflikt zwischen beiden Androiden entlädt sich in einem kurzen Kampf, aus dem vermeintlich Walter als Sieger entstammt, wobei es dem Kinozuschauer von Anfang an klar ist, dass es eben nicht Walter ist, sondern nur David, der sich als Walter ausgibt.

Trotz dieser stellenweise vorhandenen Langatmigkeit liefert der Film unterm Strich dennoch das, was man als Fan von den Alien-Filmen erwartet. Ein düsteres SciFi-Setting (was in dem Film durch entsprechende Farbkorrekturen auf dem Planeten teilweise zu übertrieben betont ist), pompöse Technik, einen Schiffscomputer, der “Mutter” genannt wird, ekligen Bio-Splatter, endlich das Alien in seinen drei bekannten Lebensformen, sowie zwei Showdown-Kämpfe, die man von den alten Filmen schon so gewöhnt ist. Ferner schließt sich die Kette im biologischen Stammbaum des Aliens, und es werden einige Fragen, die nach “Prometheus” noch offen geblieben sind, geklärt. Die letzten offenen Fragen (Wieso wollen die Konstrukteure die Menschen vernichten? Wie ist das Schiff des Konstrukteurs mit dem Laderaum voller Alien-Eier auf dem Planeten bei Zeta-2-Reticuli gekommen, wo es von der Nostromo gefunden werden wird?) können dann noch in einem der folgenden Filme geklärt werden.

Aber dann bitte mit etwas mehr Alien, und etwas weniger Michael Fassbender. Danke.