Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jul 10, 2017

Kino-Kurzmeinung 7: Sommerfest

Heimatfilme aus dem Pott haben zumindest im Pott momentan Hochkonjunktur. Im UCI Bochum läuft “Bang Boom Bang” in der 300. Woche oder so, und auch die Deutschlandpremiere von “Radio Heimat” fand dort statt. Umso glücklicher die Fügung, dass ich in einer Sneak neulich “Sommerfest” von Sönke Wortmann sehen konnte. Schon Anfang Februar, als ich kurz in Bochum war, war im Hauptbahnhof eine riesige Schlange, weil in dem dortigen Kino ein öffentliches Casting für diesen Film stattfand.

Tja. Zum Film selbst: Irgendwas zwischen “Heimatfilm” und “Wieder die alten Freunde von früher treffen”. Laut mehreren Kritiken ist die Haupthandlung des Filmes das Wiederaufflammen einer alten Liebe. Laut anderen Kritiken ist die Haupthandlung, dass der Protagonist des Filmes (heißen die Rollen von Lucas Gregorowicz eigentlich immer “Stefan”? War auch in Lammbock/Lommbock schon so) seinen Vater beerdigt.

Wie auch immer, zumindest für Leute, die ihren Lebensmittelpunkt im östlichen Ruhrgebiet haben, ist jeglicher Handlungsstrang eigentlich nur Mittel zum Zweck, nämlich einen roten Faden durch die Szenen zu führen, in denen der Protagonist auf die heutzutage teils sehr skurrile Bewohnerschaft von Bochum und Gladbeck trifft. Der Grundtenor ist durchgehend: “Ja, im Pott is halt scheiße, aber dat is die Heimat, da willze auch nich weg”, und steht damit im Gegensatz zu der teilweise romantisiert verklärten Vergangenheit, die “Radio Heimat” einem vermitteln möchte. Aber dadurch wirkt der Film weitaus authentischer, weil er den Pott abbildet, den man jetzt halt kennt, und nicht den, den man in Erinnerung hat. Dass man währenddessen die Drehorte im Film auch noch aus seiner Nachbarschaft selbst wiedererkennen kann (Erfolgsrezept, was auch bei den Tatorten 1a funktioniert), setzt dem ganzen die Krone auf.

Trotzdem gibt es zwei Kritikpunkte. Im Film ist die Schlägelsiedlung in Gladbeck noch bewohnt, auch wenn sie von außen immer noch maximal ranzig aussieht. Da dies einer der größten und bekanntesten Lost Places im Pott ist, wirkt es umso befremdlicher. Und das zweite Problem, was ich mit dem Film habe, ist das Gedicht über die A40, was während der Autofahrt nach Gladbeck rezitiert wird. Es schildert den Verlauf der A40 von der holländischen Grenze, mitten durch den Ruhrpott, und es hört mitten in Bochum auf. Hallo, geht’s noch? Weiter östlich kommt ja wohl noch ein bisschen was. Nach 180km A40 hätte man ja noch vielleicht die 20km dranhängen können, bis die A40 an der Schnettkerbrücke in Dortmund dann erstmal temporär aufhört und zur B1 wird. Aber nein, Bochum ist vermutlich für das große Kinopublikum noch etwas ruhrpottiger als Dortmund. Thanks Obama Danke, Herbert.