Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jul 17, 2017

Kino-Kurzmeinung 8: Ich, einfach unverbesserlich 3

Die Filmreihe mit einer aussichtsreichen Kandidatur für den Wettbwerb zur schlechtesten deutschen Übersetzung eines englischen Titels geht diese Tage in die dritte Runde. Nach dem Minions-Spin-Off vor gut 2 Jahren handelt dieser Teil wieder primär vom Berufsschurken im Ruhestand Gru und seiner Familie.

Die Story ließ sich aus dem Trailergewitter in den Wochen vor der Veröffentlichung schon extrapolieren, ein paar Gags wurden im Trailer auch schon gezündet, von daher waren meine Erwartungen nicht allzu hoch - nicht zuletzt, weil ich den Hype um die Minions bei den letzten Filmen viel zu übertrieben fand. (Siehe dazu auch The Rise Of The Hashgag)

Aber trotz (oder dank?) meiner nicht allzu hohen Erwartungen war der Film doch amüsant. Die Story zwar vorhersehbar, aber die Figuren wie immer sympathisch. Auch die Minions selbst wurden wieder cool, weil sie nicht mehr inflationär im Storytelling engesetzt wurden, sondern am Anfang des Filmes ihre eigene Storyline bekamen (bis auf zwei Alibi-Minions, die bei Gru blieben, und denen die Hauptarbeit beim Zünden der Gags zukam), und erst zu Beginn des Showdowns als Deus Ex Machina (wörtlich genommen, zumindest das “Ex Machina”) wieder ihren Platz als Grus Handlanger wiederfinden.

Dies lässt dem Film Platz, um die Haupthandlung zu entwickeln und voran zu treiben, und auch Potenzial, um noch jede Menge anderer Lacher zu platzieren, die sich dieses Mal hauptsächlich gegen Kinderfernsehserien aus den 80ern, samt billiger Special Effects, aber auch gegen die Kultur der 80er Jahre allgemein richtet.

Kritisieren kann man allerdings die Wahl der Synchronstimmen. Es ist verständlich, dass ein Animationsfilm, der irgendwie mit der Rollenbesetzung werben möchte, allenfalls mit der Sprecherbesetzung werben kann. Funktioniert das in der Originalversion noch recht gut, so hat man in der deutschen Synchronisation die Wahl, entweder mit “der Stimme von xyz” zu werben, oder man holt sich namhafte Stimmen heran, die man auch so schon kennt - die aber kaum Erfahrung als Synchronsprecher haben. Außer Konkurrenz steht Oliver Rohrbeck als Sprecher von Gru selbst. Diese Stimme kennt man, diese Besetzung für Gru, zusammen mit dem gekünstelten, osteuropäischen Akzent, das passt.

Auch die Wahl als Jan Delay in der Sprecherrolle für den Bösewicht des ersten Films, Vector, hat funktioniert. Jan Delay hat nun mal eine sehr markante Stimme.

Aber dass die Wahl für die Rolle des Balthazar Bratt in diesem Film nun ausgerechnet auf Joko Winterscheidt fiel, ist weniger verständlich. Vielleicht, weil man Oliver Rohrbeck (und auch Jan Delay) hauptsächlich als gesichtslose Stimme wahrnimmt (abgesehen von Live-Konzerten natürlich), hat man bei Joko Winterscheidt einfach durch die Art seiner Bekanntheit, nämlich als TV-Star, unweigerlich das Gesicht zur Stimme im Kopf - und dagegen die fies auf 80er Jahre gestylte Figur des Balthazar Bratt vor den Augen. Das passt irgendwie nicht.

Nichtsdestotrotz: Der Rest passt schon. Es gibt spannendere Filme, es gibt lustigere Filme, es gibt bösere Schurken in Agentenfilmen, aber im Gesamtkontext funktioniert es - und scheint ja auch gut anzukommen, ansonsten würde dieses Universum mittlerweile ja wohl kaum vier Filme umfassen.