Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Jul 25, 2017

Kino-Kurzmeinung 9: Valerian - Stadt der tausend Planeten

Es gibt dieses Jahr nicht viele Neuerscheinungen, auf die ich mich so sehr gefreut habe wie “Valerian - Stadt der tausend Planeten” (gut, bis auf Dunkirk vielleicht, aber der kommt ja erst in 2 Tagen raus). Durch meinen Vater, der frankobelgische Comics sammelt, bzw. gesammelt hat, mochte ich eben diese Comics am liebsten, und stieß so selbst auf die Comicreihe, die in der deutschen Übersetzung “Valerian und Veronique” heißt - vermutlich ist die Tatsache, dass Valerians Partnerin abhängig von der Übersetzung einen anderen Namen hat, der Grund, wieso der Film nur “Valerian” heißt. Ich war selbst etwas überrascht, dass Veronique im Original offenbar Laureline heißt.

Bei diesem Film drängen sich unweigerlich zwei Vergleiche auf. Zum einen mit “Guardians Of The Galaxy”, weil in diesem Film ebenfalls ein sehr buntes SciFi-Setting herrscht, und zum anderen mit “Das 5. Element”, weil es ein SciFi-Klassiker von Luc Besson ist, der auch “Valerian” regiert hat.

Im Vergleich zu “Valerian” ist “Guardians of the Galaxy” signifikant schlechter. GotG fokussiert viel zu sehr auf dumme Sprüche, auf Groot, auf den Soundtrack und auf ein Badass-Image, sodass es sich nicht allzu sehr vom Hollywood-Superhelden-Actionfilm-Einheitsbrei abhebt. Das 5. Element kommt schon eher ran. Ein nicht allzu abwegiges SciFi-Setting, mit bemerkenswerten Figuren (nach all der Zeit weiß ich kurioserweise immer noch den Namen von Jean Baptiste Emmanuel Zorg auswendig), buntem, dreckigen Setting (die Szene wo Valerian auf dem Big Market ist hat mich an die Anfangsszene aus dem 5. Element erinnert, mit dem Nudelmann). Also Parallelen sind vorhanden.

Man kann sich bei Valerian nun darum streiten, ob die Trope vom vermeintlich primitiven indigenen Volk, was aber überraschenderweise hochintelligent und gar nicht mal so primitiv ist, nicht etwas abgelutscht ist, man kann sich auch darum streiten, ob der Film noch noch ein wenig mehr von den Star-Wars-Hommagen des Comics übernehmen sollte, und man kann sich ellenlang an dem Titel aufhängen, in dem Laureline mit keinem Wort erwähnt ist.

Man kann sich aber auch einfach freuen über ein High-Budget-Movie, der sich nicht mit dem ewigen Hollywood-Einheitsbrei auseinander setzt (es kommt kein pseudo-sarkastischer Protagonist vor, es gibt kein Hashgag-Element im Film, der Soundtrack ist nicht überdominant, und es wird nicht versucht, an allen Ecken und Enden irgendwelche Lacher einzubauen). Lediglich an einer Stelle musste ich etwas genervt seufzen, als der Timer der großen Explosion im Showdown natürlich erst in letzter Sekunde gestoppt werden kann.

Unterm Strich ist der Film sehr zu empfehlen, es ist ein willkommend erfrischender Farbtupfer im Kinojahr 2017, was ansonsten von Sequels (Cars 3, Guardians Of The Galaxy 2, Ich, einfach unverbesserlich 3), dem letzten Ausquetschen von einst beliebten Universen (Spiderman Homecoming, Thor Ragnarök, Fast and Furious 8, Transformers, Pirates of the Caribbean), Adaptionen und Remakes (Baywatch, Die Mumie), dummem Fäkalhumor (Girls Night Out, Mein neues bestes Stück), Filmen, wo man sich ernsthaft fragt, was für Drogen die Produzenten nehmen (Boss Baby) und ähnlichem Kram gefühlt überschwemmt wird.

Gerne mehr davon.