Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Aug 23, 2017

Backupstrategien

Gestern hat der Offsite-Cloud-Backup-Dienst Crashplan das Ende seines Dienstes für Heimanwender bekannt gegeben. Dies möchte ich einmal zum Anlass nehmen, um über meine Backupstrategie zu schreiben.

Grundsätzlich gilt bei mir: Doppelt hält besser. Das kann man generell zu Backups sagen. Man kann nie zu viele Backups haben, nur zu wenig. Ein weiterer Grundsatz ist: Offsite. Ein Backup auf eine externe Festplatte ist schon mal besser als gar nichts, hilft aber erstmal nur gegen versehentliches Löschen von Dateien, oder gegen das Szenario, dass die Festplatte des Arbeits-PCs plötzlich stirbt. Es hilft nicht gegen: Einbruchsdiebstahl, Hochwasser, Wohnungsbrand. Hier hilft nur ein Offsite-Backup, sprich: Ein Backup in “der Cloud™” oder zumindest außerhalb der eigenen Wohnung.

Der dritte Grundsatz ist: Überlegen, was gebackuped werden soll. Auf meinem NAS liegen z.B. ziemlich viele Archivdateien. Firmwareversionen, Android-ROMs, Linux-ISOs. Die habe ich da alle mal gespeichert, um sie einfach wiederfinden zu können. Wären sie weg, wäre es zwar ärgerlich, aber kein Beinbruch, weil man sie sich wieder zusammengooglen kann. Was aber auch auf meinem NAS liegt: Um die 20.000 Digitalfotos der letzten 12 Jahre. Geschriebene Briefe an Verwandte o.ä., die ich in Word geschrieben habe (damals). Digitalisierte Aufnahmen von all den Kassetten, die ich mal besaß. Wären die alle weg, wären sie unwiederbringlich verloren, was mich dann doch stark betrüben würde. Gerade Kassetten (selbstgemacht) und Fotos haben doch einen hohen emotionalen Wert.

Daher hat sich im Laufe der letzten Jahre bei mir folgende Datenredundanz eingespielt:

  1. Dropbox - Mit etwas Mühe habe ich meine Dropbox im Free-Account auf 45GB vergrößert. Hier landen alle Daten, die ich täglich brauche, quasi wie ein USB-Stick. Folien und Übungsblätter für die Uni, Dinge an denen ich gerade arbeite, oder einfach nur Daten, die ich schnell zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren möchte. Dropbox hat bei gelöschten Dateien eine Wiederherstellungsfrist von 30 Tagen, und durch die Kollaborationsfähigkeiten ist es top, um z.B. für die Uni im Team irgendwelche Projekte zu bearbeiten.

  2. Gitea - Ein selbstgehostetes Git-Webinterface, ähnlich Github. Gitea läuft auf meinem Server im Rechenzentrum (ein billiger VPS bei Contabo). Hier kommt jeglicher Code hin, den ich schreibe oder geschrieben habe. Es existiert eine eigene Sektion, wo ich Code fürs Archiv hinschiebe. Teilweise 10 Jahre alter Kram, der mir mittlerweile etwas peinlich ist.

  3. Homeserver - Ich habe mir vor 4 Jahren einen Homeserver gebaut, ein HP Microserver, in dem 5x3TB Festplatten als RAID5 verschaltet sind. Das ist mein Datengrab, hier kommt alles hin, was ich nicht mehr brauche, aber nicht löschen möchte. Hier liegt auch meine Fotosammlung, und dies ist der zentrale Punkt für das Backup meines Heimnetzes.

  4. Google Photos - Google bietet für Fotos, wenn man die Auflösung etwas beschränkt, unlimitierten Speicherplatz an. Auf meinem NAS läuft ein Daemon, der neu hinzugefügte Fotos automatisch in die Cloud schaufelt. Genau so auf meinem Handy. Die Fotos sind dann auf all meinen Geräten und im Internet abrufbar, und können im Falle eines Plattencrashes über die Google Export Funktion auch wieder heruntergeladen werden - allerdings halt in beschränkter Auflösung. Bezüglich “die Cloud ist aber inhärent böse!!1” - mir egal. Vermutlich die gleiche Mentalität wie bei Rauchern oder so. Man weiß, dass es nicht allzu gesund ist, aber man macht es trotzdem.

  5. Google Drive - Hier kommen alle Daten hin, die ich nicht mehr so häufig brauche, aber die doch mal schnell wiederzufinden praktisch ist, wenn ich sie doch mal brauche. Google Drive hat eine exzellente Suchfunktion, die auch in OCR-ten PDF-Scans funktioniert. Alle Papierpost, die ich bekomme, landet hier, alle Rechnungen und ähnliches. Weiterer Vorteil: Steuererklärungen gehen recht schnell bei mir, da ich alle benötigten Dokumente recht schnell raussuchen kann. Google Drive und Dropbox synchronisieren sich mittels eines Clients auch auf mein NAS, und werden von dort anderweitig auch noch gebackuped.

  6. Borg Backup - Ein kleiner Backupdienst, der von mir dazu verwendet wird, meinen Desktop, meinen RZ-Server und mein Notebook regelmäßig auf meinem NAS zu backupen. Hierbei wird jeweils das gesamte /home und das gesamte /etc gebackuped, inklusive der jeweils dort reingesyncten Dropbox. Mir egal, ich habe den Platz.

  7. Crashplan Pro - Ein weiterer Cloud-Backup-Dienst, der für $10 pro Monat und Computer unlimited backup storage liefert. Nicht der schnellste Dienst im recovern, aber dafür günstig und zuverlässig. Hier backupe ich mein NAS hin. Bis gestern gab es noch eine Home-Version von Crashplan, die für $14 im Monat bis zu 10 Computer verarbeiten konnte, aber das hat Crasplan gekippt. Dass sie sich da in meinem Fall kräftig ins Bein geschossen haben, da ich, jetzt über Borg, im Endeffekt die gleiche Datenmenge in deren Cloud schubse, aber $4 im Monat weniger bezahle, gönne ich ihnen, weil viele Kunden momentan wohl sehr verärgert sind.

  8. Titanium Backup - Eine Backup-App für Android, mit der periodisch alle Apps und Settings gebackuped werden, und die nach Abschluss des Backups das fertige Archiv automatisch in “die Cloud™” schubsen kann.

Kosten für alles insgesamt: Abgesehen von den initalen Kosten für das NAS, und etwas Arbeit, die Dropbox so groß zu bekommen: $10 für Crashplan im Monat, sowie 7,99€ für den RZ-Server, den ich aber auch noch anderweitig nutze. Dazu Stromkosten für das NAS, die sich aber echt in Grenzen halten. Das ist es mir unterm Strich aber auch echt wert, da die Daten, wie gesagt, auch einen ziemlich großen emotionalen Wert haben.