Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Aug 7, 2017

Kino-Kurzmeinung 11: Dunkirk

Tja. Dunkirk. Auch so ein Film, auf den ich mich sehr gefreut habe, aber den ich mit indifferenten Gefühlen wieder verlassen habe. Um ehrlich zu sein, ich habe mir mehr erhofft. Dabei ist der Film echt nicht schlecht aufgemacht. Drei halbwegs voneinander gelöste Handlungsstränge, die aber alle im Laufe des Films eine total unterschiedliche Zeitspanne abdecken, sodass man bei einem Szenenwechsel auch immer einen Zeitsprung hat, und erstmal das neue Bild irgendwo einsortieren muss - okay, geht aber, und im Laufe des Films werden die Stränge sowieso miteinander verwoben. Die konsequente Darstellung des Feindes als anonyme Entität, die nur aus Flugzeugen, Torpedos und allenfalls einigen unscharfen Stahlhelmen besteht, ist ein gutes gestalterisches Element - vor allem wenn der am prominentesten hervorgehobene Tote des Films durch die eigenen Leute verursacht wurde, durch einen Soldaten, der stark traumatisiert ist, und nicht mehr er selbst ist.

Aber trotzdem hat der Film meine Erwartungen nicht erfüllt. Es fängt bei den historischen Unzulänglichkeiten an: Die im Hintergrund des Strandes von Dunkirk zu sehenden Containerbrücken, und das Stahlwerk sind bereits schon in diversen Filmkritiken zur Genüge verspottet worden. Beide Elemente wurden erst in den 60ern und 70ern gebaut. Aber es gibt weitere unpassende Elemente: Auf den Luftaufnahmen von Dunkirk sind ganz klar diverse Gebäude mit moderner Architektur zu sehen, die so ab den 70ern und 80ern Mode war. Daher fiel es mir am Anfang unglaublich schwer, mir vorzustellen, dass die Geschichte des Films vor 77 Jahren spielt. Dunkirk an sich ist dazu auch noch zwar verlassen, aber komplett intakt. Natürlich sprechen der Admiral und der Commander von Artilleriebeschuss durch die Deutschen, aber man sieht keinerlei Einschläge oder Zerstörungen.

Ferner ist immer die Rede von 300.000 geretteten Soldaten. In den Szenen, wo die Soldaten in geordneter Reihe am Strand stehen sind am Anfang des Filmes vielleicht ein paar hundert Soldaten zu sehen - müsste bei 300.000 Soldaten der Strand nicht gerammelt voll sein? Der Strand an sich ist während des Filmes merkwürdig glatt und aufgeräumt. Bei konstantem Angriff durch die Stukas der Deutschen sollte er eigentlich von Explosionskratern und Leichenteilen und sonstigen Trümmern übersäht sein.

Ich finde es ja grundsätzlich gut, wenn der Regisseur sagt, dass er den Film analog und herkömmlich aufnehmen möchte, und auf CGI weitestgehend verzichten möchte. Aber wenn durch diesen konsequenten Verzicht die ganze Kulisse irgendwie nackt und spartanisch wirkt, und die Atmosphäre nicht so recht einzufangen vermag, dann sollte man diese Entscheidung noch mal überdenken. Ich fühlte mich teilweise an Theaterstücke erinnert, wo während einer modernen Inszenierung zwei Stühle und ein Tisch auf der Bühne stehen, und das dann ein belebtes Cafe darstellen soll. Dies hatte dann auch noch zur Folge, dass die einigen wenigen Szenen, wo ein paar einfache Effekte eingesetzt wurden, z.B. die Szene am Ende, wo die Spitfire ohne Treibstoff über den Strand segelt, klar als Greenscreen-Szene zu erkennen ist.

Unerwähnt lasse ich mal die einzelnen kleineren Unzulänglichkeiten, wie die gelbe Nase der Stukas, die Tatsache, dass die Spitfire-Piloten den Tankinhalt ihrer Maschinen genau ablesen konnten (aufgrund eines Doppeltank-Systems ging das nämlich nicht so einfach), und dass man einfach überhaupt nichts von den Kämpfen rund um Dunkirk mitbekommt, bei denen die Deutschen versuchen, den französischen Verteidigungswall zu durchbrechen.

Andere aufmerksame Kinobesucher glaubten sogar teilweise grobe Patzer zu erkennen, z.B. Spuren des Kamerawagens im Sand des Strandes, oder eine kurzzeitig sichtbare Tonangel.

Was den Film aber zu retten vermag, das ist die Musik. Sie ist präzise eingesetzt, nicht dominant, aber doch bis auf einige wenige Szenen konstant präsent. Und sie ist der Hauptgrund für die Spannung. Ein unerbittliches Ticken als grundlegendes Element, akzentuiert mit anderen Instrumenten, ohne aber wirklich “die eine” Melodie zu spielen. Das macht schon viel aus.

So, und damit das noch eine “Kurz”meinung bleibt, mache ich hier mal einen Punkt und komme zum Fazit: Der Film ist durchaus guckbar, und behandelt eine Episode des zweiten Weltkrieges, die man eventuell noch gar nicht so kennt. Trotzdem bleibt er hinter den Erwartungen an Monumentalfilm mit vielen Explosionen zurück, da er einfach nicht monumental ist, sondern ungewohnt nüchtern.

Wer dieses Jahr einen epischen Film mit viel Action und Explosionen gucken möchte, der ist bei Hacksaw Ridge vermutlich besser bedient. Wer sich aber auf die Nüchternheit des Krieges einlassen möchte, und in der Lage ist, die historischen Unzulänglichkeiten auszublenden, dem sei Dunkirk ans Herz gelegt.