Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Sep 4, 2017 - Comments

Nachtführung auf Kokerei Hansa

Seit Jahren wussten wir von der Gelegenheit, seit Jahren hatten wir vor, einmal mitzumachen: Eine Nachtführung über die Kokerei Hansa in Dortmund Huckarde. Letzten Freitag haben wir es uns dann endlich mal konkret vorgenommen, und endlich an der Führung teilgenommen.

Um kurz vor 21 Uhr fanden wir uns vor dem Haupttor der Kokerei ein, und warteten darauf, dass es los geht. Um Punkt 21 Uhr hat unser Führer (ein ehemaliger Chemielaborant der Kokerei) das Tor geöffnet, und unser Grüppchen, was mittlerweile auf gute 10 Leute angewachsen war, hineingelassen. Zuerst ging’s an die Bezahlung: 8€ kostet eine Führung pro Person, was für die gut 2,5 Stunden voll in Ordnung ist.

Wir wurden dann in der Waschkaue begrüsst, viele aus der Gruppe waren ortsfremd (sogar teilweise aus den USA und Österreich), und waren vom System der Körbe, die an die Decke gezogen werden, beeindruckt. Ich hingegen kannte den Anblick schon - und es gibt auch weitaus beeindruckendere Kauen als die der Kokerei. In der Kaue lernten wir dann auch zunächst, was eine Kokerei überhaupt macht, wie der Ablauf des Verkoksens ist, und konnten mal ein Stück Steinkohle und ein Stück Koks herumgehen lassen. Überraschend leicht, das Zeug.

Danach ging es dann los über das Gelände der Kokerei. Mittlerweile war es komplett dunkel.

Scheinwerfer

Wir kamen am Löschturm vorbei, an dem der brennende Kokskuchen, nachdem er aus dem Ofen gedrückt wurde, gelöscht wurd. Danach sahen wir schon den Förderweg, den die angelieferte Kohle per Band passiert hat, um in die Sortierbunker geschüttet zu werden.

Kohleweg

Hier ging es dann auch weiter. Durch eine kleine Tür im Eckturm am Fuß des Förderbandes betraten wir die Rampe, und es ging 150m lang gut 20 Meter nach oben.

Förderband

Oben angekommen konnten wir etwas verschnaufen, und konnten von oben in die Sortierbunker blicken, in denen die Kohle, nach anliefernden Zechen, zwischengelagert wurde, um sie von dort aus zu vermischen, damit die Öfen mit einer Mischung von möglichst gleichbleibender Qualität beschickt werden konnten. Dies erfolgt mit einem Eimerwerk, was die Kohle von unten aus den Sortierbunkern herausgeholt hat, und über die Brücke zu den Vorratsbunkern gefördert hat, von dort aus dann der Beschickungswagen befüllt wurde.

Oberhalb der Vorratsbunker konnten wir durch ein Panoramafenster den Blick auf die abendliche Skyline von Dortmund bestaunen. Leider war es aber etwas diesig, und man konnte markante Punkte, wie z.B. das Stadion, nur erahnen.

Aussicht

Bunker

Nun erfolgte der vermutlich spektakulärste Teil der Tour. Mittels eines nachträglich eingebauten Treppenhauses, was zu Betriebszeiten der Kokerei noch nicht existierte, erfolgte der Abstieg durch einen Vorratsbunker auf die Oberseite der Öfen. Nach dem hellblau beleuchteten Bereich oberhalb der Bunker war diese Treppe weitaus spärlicher beleuchtet, und der Abstieg durch einen doch ziemlich großen, hohen und schwarzen Raum mit bombastischer Akustik (laut unserers Führers hatten sie auch schon mal Opernsänger und Alphornbläser in dem Bunker) erweckte dann doch ein Gefühl von Ehrfurcht.

Abstieg

Blick nach Oben

Wir kamen unterhalb der Vorratsbunker auf der Oberseite der Öfen heraus, an der Stelle, an der früher der Beschickungswagen der Öfen befüllt wurde. Mittlerweile hat sich die Natur einen großen Teil der Oberseite der Öfen zurückerobert, und wir liefen über einen beleuchteten Steg durch einen Birken- und Pappelwald. Beeindruckend war die Tatsache, dass hier eine nahezu vollkommende Stille herrschte. Das Kokereigelände ist dermaßen riesig, dass alle Straßen und die Stadt außerhalb der Hörweite lagen. Nur der Steg, der umliegende Wald, und ein paar Relikte aus alter Zeit, verrostete Rohrleitungen und so.

Steg

Rückblick

Märchenwald

Am Ende der Ofenreihe ging es dann über eine Treppe aus Lichtgittern (nichts für schwache Nerven oder Leute mit Höhenangst) vom Ofendeckel wieder nach unten auf den festen Boden, und zurück in Richtung der Eingangsgebäude

Straße

Gegen Ende der Führung besuchten wir noch die Kühltürme, in denen das aufgeheizte Löschwasser früher wieder auf Gebrauchstemperatur heruntergekühlt wurde, sowie eine Maschinenhalle, in der das Gas, was während des Verkoksens aus der Kohle entwichen ist, aufbereitet wurde, um es als Stadtgas ins städtische Gasnetz einzuspeisen. Hier standen einige riesige Kolbenkompressoren, von denen einer noch instand gesetzt war, und mittels Druckluft betrieben werden konnte. Mit einer Demonstration des Kompressors und des riesigen Schwungrades (42 Tonnen Gewicht) endete die Führung.

Schwungrad

Nach gut 2,5 Stunden kamen wir wieder am Tor der Kokerei an, und konnten den Heimweg antreten.

Alles in Allem ist die Führung ziemlich lohnenswert, wenn man sich auch nur entfernt für Technik oder Industrie oder Industriekultur oder die Goldenen Zeiten des Ruhrgebiets interessiert. Hierzu kommt auch noch, dass die Kokerei teilweise hervorragende Fotomotive bietet (ich habe sämtliche Fotos leider nur mit meinem Handy gemacht). Diese Führung ist durchaus eine Abendbeschäftigung für einen Freitagabend, die sich lohnt.

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite der Stiftung Industriedenkmalpflege