Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Sep 27, 2017 - Comments

Stollenführung auf Zeche Nachtigall

Zur Extraschicht 2012 waren wir schon mal da, dieses Jahr erfolgte unser zweiter Besuch auf der Zeche Nachtigall. Eine Kleinzeche aus dem 18. und 19. Jahrhundert, irgendwo vergraben im Ruhrtal bei Witten. Neben der Besonderheit, dass das Gelände im 20. Jahrhundert von einer Ziegelei benutzt wurde, und man den Ringofen von innen bestaunen kann, ist das zweite Highlight eine Führung durch das Bergwerk an sich.

Hierzu haben wir 3€ pro Person extra gezahlt, neben dem normalen Museumseintritt, und haben uns zum Führungsbeginn neben der Lampenstube versammelt. Hier bekamen wir Helme ausgehändigt, da in den Stollen des Bergwerks, die teilweise nicht höher als 1,40m sind, doch eine gewisse Gefahr für den Kopf besteht. Die Einfahrt ins Bergwerk war keine wirkliche Fahrt. Am Fuße des Ruhrtals wurden die Stollen damals einfach horizontal in den Berg hinein getrieben, daher konnten wir einfach durch das Stollenmundloch hineinspazieren.

Der zugängliche Teil des Bergwerkes besteht aus zwei Hauptstollen, sowie einem kleinen, sehr niedrigen Nebenstollen. Im Hauptstollen sind Schienen verlegt: Bei der Nutzung des Geländes als Ziegelei war der Steinbruch auf der anderen Seite des Berges, und der Ziegeleibetreiber hat den Steintransport einfach durch die alten Bergwerksstollen laufen lassen. Dies ging am schnellsten und einfachsten, weil es nunmal der kürzeste Weg war.

Stollen

Der Hauptstollen ist ungefähr 170m lang, und relativ hoch, sodass sogar ich neben den Türstöcken noch relativ aufrecht stehen kann. Fies wurde es nur gegen Ende, als wir den Seitenstollen betreten haben, um mal einen Kohleflöz direkt zu betrachten. Der Stollen war der Flözrichtung angepasst, d.h. mit schrägen Wänden, und war teilweise wirklich niedrig. Da dann nur noch gebückt laufen zu können ist ziemlich belastend.

Besonders wurde es dann noch im Flöz selbst, als wir zum einen betrachten konnten, wie eng das da teilweise ist, und wo die Bergleute sich stundenlang unter schwerer Arbeit aufgehalten haben. Unsere Führerin hat dann zum Schluss auch noch die Lichtverhältnisse aus der Zeit simuliert, indem die Hauptbeleuchtung im Gang abgeschaltet wurde, und die Handlampe, die sie dabei hatte, noch mit der Hand abgeschirmt hat. Sichtweite unter einem Meter. So eine dunkle Dunkelheit habe ich selten erlebt.

Flöz

Alle waren froh, als wir nach einer guten Stunde wieder aus dem Bergwerk herausgekrabbelt kamen, man sich einmal wieder voll aufrichten konnte, und die Helme abnehmen konnte. Die waren wirklich notwendig gewesen, ich habe mir mehrere Male den Kopf hart angeschlagen - ohne Helm wäre das sicherlich eine fiese Beule oder Platzwunde geworden.

Alles in allem ein lohnender Einblick. Das oberirdische Zechengelände liegt auch schön, mitten in viel Gegend, und ist auch so bestimmt ein Ausflug wert. Entlang des Ruhrtals kann man auf dem Ruhrtalradweg nämlich auch super Rad fahren, oder ähnliches.