Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Oct 22, 2017

Im Bann der Finsternis - Grusellabyrinth NRW Halloweenwochen 2017

Angefixt durch die Scarezones im Heidepark in den letzten Jahren wollten wir uns dieses Jahr wieder ein gutes Gruseln geben. Als Dortmunder bietet es sich daher geradezu an, mal nach Bottrop zu fahren, und das Grusellabyrinth zu besuchen. Ganzjährig geöffnet hat es zu Halloween natürlich Hochkonjunktur.

Gegen 17:30 fuhren wir auf den Parkplatz. Sehr voll sah es nicht aus, also haben wir uns mal in die Schlange zur Kasse gestellt. Was wir zu der Zeit noch nicht wussten: Die Tickets sind gleichzeitig auch Zeittickets, um lange Wartezeiten zu vermeiden - und noch später hätten wir gar nicht erst kommen brauchen. Unsere Tickets hielten wir um 18 Uhr in den Händen, sie waren für einen Beginn der Hauptattraktion um 21:50 getimed. Wir mussten also erst noch gut 4 Stunden Zeit totschlagen.

Wir haben uns also erstmal die Eingangshalle angesehen. Hier zweigten die Wege zu den 4 Attraktionen ab, hier fand man den Souvenirshop, einen Snackstand und mehrere Walking Acts, die für Selfies und ähnliches zur Verfügung standen. Wir haben uns erstmal den Laden angesehen.

Laden

Hier gab es das übliche. T-Shirts, Hexenhüte, “Onride-Fotos”, Plüschtiere. Ich bin ja absolut kein Freund von Spinnengetier, aber die Plüsch-Spinnen, die sie da hatten, waren fast schon knuffig.

Wir sind danach dann ins Obergeschoss, wo die Bar/Lounge/Partyraum “Observatorium” beheimatet war. Hier bestellten wir uns bei den Servicekräften (die, wie auch die Leute an der Kasse, alle wie Kobolde gekleidet und geschminkt waren, und auch den ganzen Abend voll in ihrer Rolle geblieben sind) zwei alkoholfreie Cocktails (es war noch hell und gerade mal 18 Uhr ) und guckten uns von der Raucherterasse die Aussicht an.

Observatorium

Zum einen war das der eindrucksvolle Malakovturm, der zusammen mit dem Gebäude des Grusellabyrinths zu einer ehemaligen Schachtanlage der Zeche Prosper Haniel gehört, die u.a. eine der beiden letzten aktiven Steinkohlezechen Deutschlands ist.

Malakovturm

Und zum anderen die einzige Freiluftattraktion des Grusellabyrinths, “Mär”, ein Labyrinth, in dem bekannte Märchen etwas böser dargestellt waren, z.B. hat die Hexe Hänsel&Gretel nun tatsächlich geschlachtet und verspeist. Die Attraktion öffnete aber erst bei Einbruch der Dunkelheit um 19 Uhr, außerdem war auf den Tickets die Reihenfolge der Attraktionen aufgedruckt, sodass die Besucher möglichst nahtlos durchgeschleust werden konnten.

Mär

Wir haben uns also erstmal wieder ins Auto gesetzt, und haben uns ein Restaurant zum Essen ausgesucht. Wir waren in Essen essen, nämlich im Star Diner. Empfehlenswert, die machen sehr gute Milchshakes.

Gegen 21:15 sind wir wieder am Grusellabyrinth angekommen. Mittlerweile war es dunkel, und die Atmosphäre war viel besser.

Parkplatz

Am Eingang begrüsste uns wieder eine riesige Statue des Todes.

Eingang

Auf Empfehlung des Personals haben wir dann noch einmal die Toilette besucht (man kann die Hauptattraktion während der 100 Minuten Laufzeit jederzeit verlassen, kommt dann aber nicht wieder rein), und haben uns dann in der Eingangshalle vor das riesige Gemälde gestellt, was dann irgendwann zum Leben erwachte, und uns seine Geschichte erzählt hat, als wir es betreten haben.

Beginn

Worum es geht, steht auch auf der Webseite des Grusellabyrinths, ich möchte nicht zu viel erzählen oder spoilern, aber ich war beeindruckt. Man erlebt innerhalb von 100 Minuten ein aufwändig inszeniertes, interaktives Theaterstück, mit kurzen Grusel- und leichten Schockmomenten (ist immerhin für Kinder ab 8 Jahren mit Begleitung freigegeben), was richtig toll ist. Leute, die Angst vor Clowns haben sollten müssen sich vielleicht etwas zusammenreißen, Leute mit Platzangst vielleicht auch (Labyrinthstrecken in völliger Dunkelheit), aber an sich war es eher seichter Grusel, familienfreundliche Phantasy, aber wirklich top umgesetzt.

Nach der Show gings weiter zur zweiten Attraktion. Mittlerweile war es übrigens 23:30 Uhr, und wir standen in der Schlange zu Schacht 13. Im Voraus stark angepriesen, weil DIE Top-Neuheit im Jahr 2017, und nicht unter 16 Jahren freigegeben. Story: Man besucht ein 1000m tiefes Bergwerk (passt natürlich gut ins Ruhrgebiet), aus dem seltsame Geräusche kommen, und wo sich von den echten Bergleuten keiner mehr reintraut. Es war grandios. Konstantes Lichtgeflacker und verstörende Geräusche und Krach von allen Seiten, beschränkte Sicht durch Nebel, schiefe und verwinkelte Gänge, die schrägen Kohleflözen nachempfunden waren, haben eine konstante Stresssituation aufgebaut, die psychisch so stark belastend war, dass mir der Schweiß in rauen Mengen ausgebrochen ist, und der Fluchtinstinkt durchaus getriggert wurde - wären da nicht die verwinkelten und engen Gänge gewesen. Dazu dann Live-Erschrecker, die einen aus der dunklen Ecke angesprungen haben, oder auch einfach durch die Kulissen von unten durch nach den Beinen gegriffen haben. Sowas gutes habe ich lange nicht erlebt.

Nach gut 10 Minuten waren wir da wieder raus, und fix und alle. Der Ablaufplan sah, genau passend, als nächste Attraktion das Imaginarium vor. Eine kleine, humorvolle Bühnenshow, in der die besten Spezialeffekte und Masken aus 15 Jahren Grusellabyrinth präsentiert wurden. Leider hat das Schlangenmanagement nicht gut geklappt, und wir wurden aus einem überfüllten Saal wieder raus geschickt. Wir haben dann aber alle vom Geschäftsführer des Grusellabyrinths ein Freigetränk versprochen bekommen, was uns von einem Skelett in Frack und Zylinder serviert wurde, während wir vor dem Showroom auf die nächste Show gewartet haben.

Imaginarium

Die Show war kurzweilig und lustig, und genau das richtige, um von Schacht 13 wieder etwas runter zu kommen. Mittlerweile war es 1 Uhr nachts, und ich war aufgrund diverser Adrenalinschübe immer noch hellwach.

Nach dem Imaginarium ging es dann nach draußen, zu “Mär”, der letzten Attraktion, die nun, in der Nacht, auch in Betrieb war. Wie in einem Märchenwald besuchten wir verschiedene Szenerien, die dann nicht mehr wirklich Grusel oder Horror waren, sondern eher in Richtung Splatter gingen. Mit vielen Gummigliedmaßen und Kunstblut wurden Szenen dargestellt, bei der die Hexe Hänsel&Gretel geschlachtet und gegessen hat, oder Belle, die im Schloss vom Biest gerade das Biest ausgeweidet hat, oder der Hutmacher aus Alice im Wunderland, der gerade völlig durchgedreht ist, und den Märzhasen ermordet hat. Dazu viel Nebel, und Jumpscares. War auch nett gemacht, aber wirklich gruselig war es dann nicht mehr.

Zum Abschluss gegen kurz vor 2 morgens haben wir uns im Observatorium noch weitere Cocktails gegönnt (meiner wurde stilecht in einem Totenkopf serviert)

Cocktail

und sind danach dann nach Hause gefahren.

Fazit: Der Eintrittspreis von 38€pP mag initial etwas hoch erscheinen, aber das Grusellabyrinth ist für Horrorfans ein Pflichtbesuch. Alles ist mit viel Liebe geplant und umgesetzt, alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt sind geschminkt und in einer Rolle, die auch konsequent eingehalten wird, was gerade bei den Kobolden an der Bar und dem Snackstand für einige Lacher gesorgt hat, weil sie mit viel schnoddrig-sarkastischer Flapsigkeit rüberkamen. Die Attraktionen sind was für jedermann und reichen von aufwändig inszenierter Show über Paniksituationen hin zu schnödem Splatter und machen einfach nur Spaß. Das Labyrinth hat mich richtig beeindruckt, und war genau das richtige für einen Samstagabend in der Halloweenzeit.