Simon Szustkowski

Ein Blog über alles, was mir gerade so durch den Kopf geht

Nov 2, 2017

Kino-Kurzmeinung 20: Geostorm

Wenn Hollywood sich an einer Geschichte versucht, die exakt so auch von Frank Schätzing stammen könnte, dann kommt so etwas wie Geostorm bei heraus. Nahzukunft-SciFi mit Umweltgedöns, nicht allzu abgefahrener Technik, und einer bösen Terrorgruppe. Könnte aber auch von Dan Brown stammen, und genau so actionreich ist es dann auch. Kein 800-Seiten Roman, sondern eine kurze Geschichte, die annähernd in Realzeit stattfindet, und die man, als Buchform, vermutlich innerhalb einer Nacht durchgelesen hätte.

Die Story ist bereits im Trailer voll erzählt: Menschheit erfindet Stallitensystem zur Wetterkontrolle, das System wird von den Bösen™ gekapert und ein einzelner Held soll das dann beheben. Die Story funktioniert erstaunlich gut, aber es wäre nicht Hollywood, wenn nicht doch wieder irgendwelche Logikfehler und übertriebene Tropes vorhanden wären, die da wären:

  • Es gibt IPv4-Adressen mit Oktetten > 255
  • Die Hackerin ist natürlich eine schwarze junge Frau
  • Es ist möglich, sich mit einer Hand an einem Stück Weltraumtechnik festzuhalten, obwohl man mit Raketenbeschleunigung wohin weggerissen wird, ohne dass der Arm abreißt
  • Satelliten, die als unbemannte Einheiten zur Wettermanipulation jahrelang im Orbit bleiben haben dennoch eine Kammer eingebaut, die groß genug ist, dass da zwei Menschen drin Platz finden
  • Es ist offenbar möglich, dass ein Space Shuttle ohne Probleme einen abstürzenden Satelliten mit hoher Geschwindigkeit doch noch irgendwie mit dem Manipulator einfangen kann (wieso das mit einer Wahrscheinlichkeit nahe 0 eher unmöglich ist, wird in all den ganzen Kritiken zu “Gravity” wunderbar erklärt)
  • Der Geostorm wird natürlich in letzter Sekunde gestoppt
  • Am Ende sind die totgeglaubten Helden natürlich nicht tot, und die einzigen Personen, die aktiv sterben, sind die Bösen™
  • Die im Film mitspielende deutsche Wissenschaftlerin muss natürlich klar als Deutsche erkennbar sein, und bekommt daher den ur-deutschen Namen “Ute”. Wer zum Teufel heißt im 3. Jahrtausend denn ernsthaft noch Ute?
  • Klar, der amerikanische Wissenschaftler muss auch klar als solcher erkennbar sein, und bekommt den Namen “Jack”. Seit “LOST” und “24” kann ich diesen Vornamen nicht mehr ernst nehmen.

Ist aber ansonsten eigentlich ganz nett, ja.