Simon Szustkowski

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Dec 20, 2017 - Comments

Kino-Kurzmeinung 26: Star Wars VIII - Die letzten Jedi

So. Erstmal eine dicke Warnung. Dieser Text wird voll von Spoilern sein. Normalerweise sind mit Spoiler ja egal, aber ich weiß, dass das andere nicht so sehen. Daher mach ich hier jetzt direkt das Weiterlesen-Tag, sodass diejenigen von euch, die über die Startseite reingekommen sind, jetzt aufhören können, zu lesen. All diejenigen, die dem Direktlink gefolgt sind: ALARM! ALARM!

So. Noch alle da? Dachte ich mir. Also. Ich habe mir gestern den 9. Star Wars Film angesehen, bzw. den 8. Film der Skywalker-Familienchronik. Mein generelles Fazit ist: Immer noch besser als die zweite Trilogie mit Anakin, aber schon irgendwie recht schwach. Aber ich mach mal besser in Stichpunkten, weil ich so besser schimpfen kann.

  • Es fängt damit an, dass der Weltraum offenbar gar nicht so weltraumig ist. Schallübertragung war ja in Star Wars immer schon möglich, aber mittlerweile ist es offenbar möglich, in einem zum Weltraum offenen Bombenschacht zu leben, bei dem nicht die Spur eines Kraftfeldes zu sehen ist. Vielleicht bin ich durchs parallele Gucken von Star Trek andere Kraftfelder gewöhnt, aber das war schon komisch.
  • Poe ruft den Kommandokreuzer. Die folgende Sequenz aus “Hören Sie mich?” - “Hallo, ich kann Sie nicht hören…?” hätte ich irgendwie in einer Parodie a la Spaceballs erwartet, aber nicht hier.
  • Finn wacht in der Krankenstation auf, und rennt nackt durch den Kreuzer, eingekleidet in Schläuche und alles, wo selbst nach Minuten immer noch Wasser raussprudelt, damit das möglichst albern aussieht. Ernsthaft?
  • Ein Raumkreuzer, der mit konstanter Geschwindigkeit durch den Weltraum fliegt, verbraucht Treibstoff - wofür? Offenbar hat er nur noch so wenig Treibstoff, dass er die Lebenserhaltung und Schilde nur noch für wenige Stunden aufrecht erhalten kann - aber für einen Hyperraumsprung reicht es locker!!1!11
  • Das Casino wo Poe und Rose landen, versucht auch GAR nicht an die Taverne in Mos Isley anzuknüpfen. Deswegen ist die Hintergrundmusik auch gar keine Steeldrum-Musik, und es lungern da auch gar keine zwielichtigen Gestalten herum - und der ganze Ort ist auch gar nicht irgendwie der fieseste, böseste und dunkelste Ort des Universums.
  • Anstatt sich auf die Suche nach dem besten und talentiertesten Codeknacker zu machen, den sie auch fast gefunden haben, nehmen Poe und Rose am Ende irgendeinen Typen mit, den sie im Knast getroffen haben. Hängt ja auch nur das Schicksal der Rebellion davon ab.
  • Kinder, die als Sklaven gehalten werden, und auf übergroßen ziegenartigen Wesen Rennen durchführen, um die reiche Elite zu begeistern. Na, da sollte Jar Jar Binks aber aufpassen, seine Zunge nicht ins Gesicht von einem dieser Wesen zu halten.
  • Natürlich wird Kylo Ren von Rei über die Macht angerufen, als er gerade nur oben ohne da steht.
  • Diese nervigen Vögel, die Chewie dann auch noch auf den Falcon begleiten. m(
  • Die Bewohner der Insel auf die Luke sich zurückgezogen hat sehen irgendwie genau so aus wie der Fisch, den er sich kurz vorher mit einer 30 Meter langen Harpune aus dem Meer gestochert hat.
  • Das Bügeleisen. Das gottverdammte Bügeleisen.
  • Natürlich ist der Rebellenstützpunkt am Ende mal wieder von einer todessternartigen Waffe bedroht, und natürlich fliegen die Rebellen mit kleinen Kampfspeedern einen letzten verzweifelten “Alles oder nichts”-Angriff.
  • Leia ist so ultra, sie überlebt es natürlich, von einem Blasterschuss aus der Brücke des Rebellenkreuzers geschossen zu werden, und dann im All herumzutreiben. Ja, sie wacht da dann sogar von den Halbtoten auf, und kann aus eigener Kraft durch das All fliegen. Gut, sie mag die Tochter von Darth Vader sein, und kann die Macht eventuell kontrollieren, aber das war schon irgendwie zuviel des Guten.
  • Der Kommandokreuzer der First Order hat keine Ahnung, dass die Rebellen mit Transporterschiffen abhauen, d.h. ihr Computer hat die Schiffe nicht entdeckt. Mit bloßem Auge sind sie auch nicht zu sehen. Trotzdem ist es möglich, Schüsse, die quasi blind abgefeuert werden, so zu zielen, dass jeder Schuss ein Volltreffer auf ein Transporterschiff ist.
  • “Blasterschüsse sind eine viel zu humane Hinrichtungsmethode, deswegen köpfen wir sie jetzt, was dazu führt, dass ihr Rückenmark sofort durchtrennt wird, und sie quasi genau gar keinen Schmerz spüren”
  • Ich mag mich irren, aber der Oberste Anführer Snoke war in Star Wars VII irgendwie noch ein überlebensgroßes Wesen, was in einer Art Tempel/Kathedrale von Kylo Ren aufgesucht wurde. Was ist passiert, dass er nun auf einmal nur ein dürrer hagerer Mann mit mumienartiger Haut wurde?
  • Was zum Teufel hatte Yoda in dem Film zu suchen? Andere tote Jedi, die vorher schon mal aufgetaucht sind hatten zumindest nicht die Fähigkeit zur Wetterkontrolle. Hätte da nicht stattdessen Mace Windu auftauchen können, um Luke zu bescheinigen, dass er ein übelster Motherfucker ist?

Ich glaube, abgesehen vom zweiten Film aus der Anakin-Trilogie fand ich bis jetzt noch keinen Star Wars Film dermaßen schwach. Ich habe das Gefühl, dass Disney keine Ahnung hat, wo sie diesen Film platzieren wollen. Passend für die Nerds, die alle Filme seit der Vernichtung von Aldebaraan im Kino gesehen haben? Oder eher passend für Kinder, die ihre Eltern um eine bestimmte Cornflakespackung im Supermarkt anbetteln, weil dort eine Maske von Kylo Ren abgedruckt ist (über das ausufernde Merchandise könnte ich fast noch einen eigenen Blogpost schreiben - ich sah Fotos von Orangennetzen mit Star Wars Logo auf dem Etikett).

Unterm Strich ein Film, der sich sehr gut ins Franchise eingliedert, und mit den neuen, größeren AT-ATs auch tatsächlich mal was interessantes bietet (das Stilmittel des weißen, salzverkrusteten Planeten, der sich beim Betreten der Oberfläche blutrot färbt ist großartig), aber bis auf eine mäßig spannende Story mit zu viel Klamauk nicht wirklich aus der Masse der Kinofilme dieses Jahr heraussticht.

Ich wage sogar zu behaupten, dass “Valerian” dieses Jahr mehr Star Wars geboten hat, als Star Wars VIII.

Tags: Kino

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